Dr. theol.
habil. Josef Spindelböck
L
1: Apg 6,1-7; L 2: 1 Petr 2,4-9; Ev: Joh 14,1-12
Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die
ganz entscheidende Frage unseres
Lebens lautet: Wohin geht unser Weg?
Was ist das Ziel unseres Lebens und
wie erreichen wir dieses? Wenn die Richtung stimmt und wir wissen, wozu wir auf
Erden sind, dann haben wir Zuversicht und brauchen uns nicht zu fürchten.
Ansonsten irren wir buchstäblich hin und her, wie Schafe, die verloren sind,
und wissen schließlich nicht mehr aus und ein.
Das
Evangelium dieses Sonntags zeigt uns
das Ziel auf und gibt uns die Richtung vor. Gott selbst weist uns in seinem Sohn Jesus Christus den Weg und
lenkt wie ein guter Hirte unser Herz zum Ziel
ewiger Freude in der Gemeinschaft mit Gott.
Jesus
möchte die Sehnsucht nach dem Ewigen
– nach Gott, nach dem Himmelreich – in den Herzen seiner
Jünger erwecken. Er spricht daher von den himmlischen
Wohnungen, die er ihnen bereitet, wenn er zum Vater heimgeht. Jesus hat
diese Worte noch vor seinem Tod am Kreuz gesprochen, und den Jüngern ist es
noch unbekannt, wie sich denn das Heimgehen Jesu zu seinem Vater im Himmel
verwirklichen wird. Sie können sich nicht vorstellen, wie sich all das
abspielen wird, was Gott in seinem Heilsplan beschlossen hat. Tod und
Auferstehung Jesu sind für sie noch kein Thema, und wenn sie diesbezügliche
Andeutungen und Voraussagen aus dem Mund Jesu vernehmen, verstehen sie es
nicht.
Daher
ist Thomas, der Apostel, nach den
Worten Jesu verwirrt und fragt: „Herr,
wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Die
Antwort Jesu ist eine Einladung zum Glauben und zum Vertrauen. Er geht zum
Vater im Himmel und hat den Jüngern durch seine Person den Vater bereits kundgemacht.
Denn er ist im Vater und der Vater ist in ihm. Diese Einheit von Vater, Sohn
und Heiligem Geist im einen und einzigen göttlichen Wesen ist etwas, das uns
nur Gott selbst mitteilen, also offenbaren kann. Wir können diese Wahrheit nur
im Glauben annehmen.
Daher
also die Einladung Jesu an die
Apostel und auch an uns, das zu glauben,
was er kundmacht. Er sagt von sich: „Ich
bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch
mich.“ Sind das nicht unfassbare Worte? Im Mund eines bloßen Menschen wären
sie Anmaßung und Irrsinn. Nur der menschgewordene Sohn Gottes konnte so
sprechen; und er spricht so in voller Wahrheit.
Ja,
Jesus Christus ist wirklich der Weg:
Denn Gott hat in der Menschwerdung seines Sohnes eine Brücke zu uns geschlagen,
die auch wir beschreiten sollen, wenn wir zu ihm kommen wollen. Dieses
Heilsangebot Gottes gilt es nicht auszuschlagen. Wir dürfen uns freuen, dass
uns Gott in seinem Sohn Jesus einen sicheren Weg zu ihm eröffnet hat. Wir
haben als Menschen keinen Anspruch auf dieses Geschenk; es ist unverdient, eben
„Gnade“. Doch in seiner grenzenlosen Liebe bietet sich Gott uns an in seinem
Sohn Jesus Christus als der Weg zum ewigen Leben.
Dann
sagt Jesus Christus von sich, dass er die
Wahrheit ist. Er ist die Wahrheit in Person: Das konnte noch keiner der
großen Religionsstifter von sich sagen. Nur der wahrhaftige und einzige Sohn
Gottes spricht so mit vollem Recht. Auf ihn dürfen wir bauen, wenn wir ihm im
Glauben ganz vertrauen. Er kann und will uns nicht in die Irre führen. Der
Mensch hungert im Tiefsten seines Herzens nach Wahrheit und Liebe. In Jesus
Christus ist uns alles geschenkt, was wir ersehnen; Gott selbst bietet sich uns an als die Wahrheit, die uns in Liebe selig macht.
Daher
fügt Jesus Christus als dritte Aussage von sich selbst noch hinzu, dass er das Leben ist. Ja, Gott allein ist
unser Leben. Von ihm haben wir unser Dasein empfangen; wir werden von seiner
Liebe und Vorsehung getragen, und im Himmel ist uns eine ewige Wohnung in
seliger Unsterblichkeit bereitet. „Leben
in Fülle“ verheißt uns der Herr, wenn wir uns ihm ganz anvertrauen.
Die
Apostel und Jünger mussten sich erst einüben ins Glauben und Vertrauen. Als
Frucht von Tod und Auferstehung Jesu wurde ihnen dann in der Kraft des Heiligen
Geistes geschenkt, sich selber ganz frei zu machen und sich für Gottes Allmacht
und Liebe zu öffnen. Bitten wir die selige Jungfrau
Maria, die Mutter aller Glaubenden,
dass auch wir fähig werden zum Glauben und Vertrauen – jeden Tag noch mehr.
Dann werden wir die beseligende
Erfahrung dessen machen, was es heißt, wenn Jesus Christus als unser Herr
von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. … Wer mich gesehen hat, hat den Vater
gesehen.“ Amen.
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