www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

9. Sonntag im Jahreskreis A (02.06.2002)

L1: Dtn 11,18.26-28.32; L2: Röm 3,21-25a.28; Ev: Mt 7,21-27


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im täglichen Leben spüren wir, wie wichtig es ist, wenn wir uns aufeinander verlassen können. Es sollte so sein, daß andere von uns sagen können: Dieser Mensch ist treu und verläßlich, sein Wort gilt. Umgekehrt haben wir es nicht gern, wenn uns jemand alles mögliche verspricht und es dann doch nicht hält und halten will.

Wie sieht es in der Beziehung von uns Menschen zu Gott aus? Wie steht es hier um die Treue und Verläßlichkeit in Wort und Tat?

Blicken wir auf Gott, so können wir sagen: Sein Wort ist wahr, er ist der unbeirrbar Treue, bei dem es keinen Schatten von Veränderung gibt (vgl. Jak 1,17). Auf sein Wort ist Verlaß, er enttäuscht uns nicht und sagt nicht heute „Ja“ und morgen „Nein“ oder umgekehrt. Vor allem können wir sagen: Gott steht zu uns Menschen. Er hat sich uns bleibend zugewendet. Jener Menschheit, die durch die Sünde Gott gegenüber treulos geworden war, hat der barmherzige und gütige Vater seinen Sohn Jesus Christus gesandt.

Jesus ist das Wort der Barmherzigkeit Gottes. Dieses Wort nimmt Gott nicht mehr zurück, was immer auch geschieht in der Welt. Mögen auch die Sünden der Menschen zahlreich sein wie die Sandkörner am Ufer des Meeres, Gott sagt nicht, daß es ihn plötzlich reut, die Menschen erschaffen zu haben oder seinen Sohn als Erlöser gesandt zu haben. In seiner Liebe hat er das alles schon im voraus bedacht und gleichsam „einkalkuliert“. Es ist der Preis seiner unendlichen Liebe zu uns, daß sie in gewisser Weise auch verwundbar ist durch das, was wir Menschen dem menschgewordenen Sohne Gottes antun. „Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ (2 Tim 2,13)

Wenn wir jetzt den Menschen betrachten, wie er vor Gott steht und sein Leben verbringt, so können wir sagen, daß es hier ganz verschiedene Arten gibt, wie jemand auf Gottes Liebe antwortet. Manche hören diesen Ruf erst spät oder überhören ihn ganz; sie leben nach ihren eigenen Vorstellungen und kümmern sich nicht um Gottes Weisungen und Gebote. Andere wiederum sagen voll Eifer: „Ja, Herr, ich werde tun, was du sagst“; bald darauf vergessen sie ihre guten Vorsätze und leben so weiter, als wäre nichts geschehen. Schließlich gibt es Menschen – und wir hoffen, daß wir immer wieder dazugehören –, die sich wirklich bemühen, auf Gottes Wort zu hören und es auch ins Leben umzusetzen. Hier trägt der Same des göttlichen Wortes Frucht und wächst heran zu einem mächtigen Baum im Reiche Gottes. Es sind Menschen, die nicht nur etwas versprechen, sondern sich auch bemühen, das Gute in die Tat umzusetzen; ja, es sind womöglich solche Menschen, die gar nicht viel reden – denken wir nur an den heiligen Josef, von dem kein einziges Wort in der Heiligen Schrift überliefert ist – und die dennoch nach dem Willen Gottes handeln und auf diese Weise Gott und den Menschen dienen.

Jesus erzählt uns zum Abschluß der Bergpredigt das Gleichnis von einem klugen Mann, der sein Haus auf Felsen baute, und einem unvernünftigen Mann, der es auf Sand baute. Im ersten Fall hält es dem Sturm und den Wassermassen stand, im zweiten Fall wird es unterspült und stürzt ein. Klug sagt er, ist jemand, der sein Leben auf Gottes Wort baut, der es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt. Unvernünftig hingegen ist jemand, der die Worte Jesu zwar hört, aber nicht danach handelt.

Es ist das Haus des Lebens, das jeder von uns erbaut durch jene Entscheidungen, die er im Leben trifft und durch das jeweilige Verhalten. Es gibt Grundentscheidungen, die gleichsam das Fundament bilden müssen für unser Leben. Letztlich kann es nur der Glaube sein, der wirklich trägt, sowie die Hoffnung aus diesem Glauben und das Fruchtbringen in einem Leben der Gottes- und Nächstenliebe. Nur dann erfüllen wir wirklich den Willen Gottes.

Gott möchte das Beste für uns; ihm können wir letztlich nicht schaden, wenn wir unsere eigenen Wege den Wegen Gottes vorziehen. Den Schaden trägt immer derjenige davon, der die Gesetze des Schöpfers und Erlösers nicht respektiert. So manche Erfahrungen und Entwicklungen in Natur und Gesellschaft sollten uns da eigentlich nachdenklich machen.

Umgekehrt spüren wir, daß wir unsere wahre Freiheit und unser wirkliches Leben nur dann gewinnen können, wenn wir ähnlich wie die Gottesmutter Maria die Verbindung mit Gott suchen. Wir sollen mit ganzem Herzen im Gebet auf Gott hören, sein Wort, das uns die Kirche verkündet, annehmen und es ins Leben umsetzen. Dann haben wir wirklich ein gutes Fundament gelegt, das keinen Sturm der Anfechtung und Versuchung zu fürchten braucht; es ist die beste Basis für ein „Haus“ mit Wert für die Ewigkeit. Amen