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Predigt:

Allerheiligen A (01.11.2005)

L1: Offb 7,2-4.9-14; L2: 1 Joh 3,1-3; Ev: Mt 5,1-12a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zwei besondere Fest- und Gedenktage sind es, die zu Beginn des Monats November sowohl die Gläubigen wie auch viele Nichtpraktizierende und Nichtglaubende ansprechen und zum Innehalten anregen: Allerheiligen und Allerseelen. Dabei denken viele im Zusammenhang mit dem Schmuck der Gräber ihrer Verstorbenen und mit dem Gebet für sie auch an das eigene menschliche Schicksal. Wir sind nur Gast auf Erden; ein jeder muss einmal sterben, und auf diese Grundgegebenheit unseres irdischen Lebens gilt es eine Antwort zu suchen und zu finden.

Wichtig ist die Reihenfolge der beiden heiligen Tage, die wir begehen. Zuerst kommt das Hochfest Allerheiligen, und erst dann folgt Allerseelen. Dies weist uns darauf hin, dass wir als Christen der Wirklichkeit des Todes nicht mit Resignation und Hoffnungslosigkeit begegnen, sondern aus dem Glauben an die Auferstehung Christi und an die österliche Vollendung aller zum Heil berufenen Menschen auch unser Leben unter das Licht dieser Hoffnung über den Tod hinaus stellen dürfen.

„Allerheiligen“: Wer sind die Heiligen des Himmels, die wir feiern? Es sind und waren Menschen wie Du und ich, die sich bewährt haben in unterschiedlichen Lebenslagen und Lebensaufgaben. Junge und Alte, Gesunde und Kranke, einfache und hochgebildete Menschen, Angehörige verschiedenster Berufe und Lebensstände, Eheleute und Alleinstehende, Priester und Ordensleute, ganz gewöhnliche, unbekannte Menschen beiderlei Geschlechts aus dem Volk, aber auch Menschen in einflussreichen politischen Positionen. Die Schar der Heiligen – das sind alle Geretteten, die das Ziel des ewigen und seligen Lebens bei Gott erlangt haben. Ihre Zahl ist unvorstellbar groß. Der ganze Himmel jubelt und wir mit ihnen! So ist heute vor allem ein Freudentag über das Ziel unseres Menschseins, und auch unsere Trauer über den Heimgang von Angehörigen und Freunden ist von diesem Licht der Hoffnung auf Vollendung überstrahlt.

Wenn es aber so ist, dann darf uns diese Feier aller Heiligen nicht gleichgültig lassen. Die Frage muss uns bewegen: Wie kommen wir zu ihnen? Wie erhalten wir einmal Anteil an der ewigen Seligkeit bei Gott? Was können und sollen wir tun? Nun aber ist es ein grundlegender Glaubenssatz, den die Kirche festhält, dass Gott einem jeden Menschen kraft des Erlösungsopfers Jesu Christi ausreichend Gnade gibt, dass er gerettet werden kann. Freilich muss der Mensch diese Gnade Gottes auch annehmen und mit ihr mitwirken. Doch wir dürfen in Dankbarkeit anerkennen: Gott selber ist es, der will, dass wir heilig werden! Er will unsere Rettung, er ist unser Erlöser. Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4).

Das vorausgesetzt ist nach unserem Beitrag zu fragen. Die Grundregel lautet: Folge deinem recht gebildeten Gewissen! Denn jeder Mensch hat gleichsam einen „inneren Kompass“ für Gut und Böse im Herzen. Dieser ist dem Menschen von seinem Schöpfer eingestiftet und zeigt ihm, wie er handeln soll. Das Gewissen ist dem Menschen als Anlage und als Fähigkeit gegeben, die er entfalten und ausbilden muss. Jeder Mensch, der zum Vernunftgebrauch gelangt ist, weiß um Gut und Böse. Er hat die Möglichkeit, seinem Gewissen zu folgen, jenem inneren Gesetz, das er sich nicht selber gibt und das ihn mit Gott verbindet. Hier zeigt sich die Bedeutung richtiger Gewissensbildung. Die Eltern sind dafür verantwortlich, dass das Gewissen ihrer Kinder auf die Werte des wirklichen Guten hin orientiert wird. Erwachsene Menschen sind selber dafür verantwortlich, dass sie die Wahrheit über das Gute suchen und im Leben verwirklichen.

Uns allen hilft dabei als gläubige Christen das Wort der göttlichen Offenbarung. Gott hat uns auf vielfache Weise im Alten Bund und zuletzt im Neuen Bund in seinem Sohn Jesus Christus mitgeteilt, wie wir ein gutes Leben führen können. Wesentlich ist es, an Gott zu glauben, sein Wort anzunehmen und ihn aus ganzem Herzen zu lieben sowie den Nächsten wie sich selbst. Darin sind alle übrigen Gebote eingeschlossen.

In besonderer Weise werden wir zum Tun des Guten angeregt durch die Seligpreisungen Jesu, die er in seiner Bergpredigt ausgesprochen hat. Wer sich diesen Geist zu Eigen macht, der ist auf dem Weg der Heiligkeit und Gerechtigkeit. „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!“ Das ist unser Ziel: die ewige und selige Gemeinschaft mit Gott und seinen Heiligen. Die unübersehbar große Schar der Heiligen ruft uns zu: Heiligkeit, d.h. Gottverbundenheit in Liebe, ist auch für dich möglich. Bemühe dich darum! Gibt nicht auf. Dann wird es einst ein großes Wiedersehen mit vielen Freunden geben in der Herrlichkeit des Himmels. Mit Maria, der Königin aller Heiligen, werden wir Gott preisen dürfen in ewiger Freude. Amen.