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Predigt:

Es lebe Christus, der König!

Christkönigssonntag A (20.11.2005)

L1: Ez 34,11-12.15-17; L2: 1 Kor 15,20-26.28; Ev: Mt 25,31-46


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Genau 80 Jahre sind es her, dass der damalige Papst Pius XI. mitten in den Nöten der Zeit am 11. Dezember 1925 seine Enzyklika „Quas primas“ veröffentlichte, mit der das Christkönigsfest in der ganzen Kirche eingeführt wurde. Der Inhalt dieses Festes schloss nichts grundlegend Neues in sich ein: Auf dem Fundament der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung war die Kirche seit jeher davon überzeugt, dass unser Herr Jesus Christus der König all dessen ist, was lebt und existiert. Dennoch schien es dem Papst geboten, einen eigenen Sonntag mit diesem besonderen Inhalt zu verbinden, da die Krise der Moderne ihre tiefste Ursache darin hat, dass das Königtum Christi nicht mehr oder zu wenig anerkannt wird.

Man könnte es sich nun sehr leicht machen und einfach sagen: Die Idee des Königtums Christi hat sich überholt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, von Christus als dem Herrn und König zu sprechen, da es auf der politischen Ebene nur mehr wenige Königtümer gibt. Die Rede vom Königtum Christi sei sogar „antidemokratisch“ und solle daher, um der „political correctness“ zu entsprechen, möglichst vermieden werden.

Wenn wir so verfahren wollten, dann würden wir aber einem Irrtum unterliegen. Denn nach den Worten des Hebräerbriefes (13,8) ist „Jesus Christus … derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.“ Wir beten ihn an als den ewigen und wesensgleichen Sohn Gottes, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dem Vater lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wir beten ihn als das fleischgewordene Wort, das unsere Menschennatur angenommen hat, der in allem uns gleich geworden ist außer der Sünde, um unser Los zu teilen und uns den Weg zum himmlischen Vater zu erschließen. In seiner Auferstehung hat er über Sünde, Tod und Teufel triumphiert und sein Königtum, das nicht von dieser Welt ist, auf machtvolle Weise offenbart.

Welcher Art aber ist das Königtum Christi? Als Pontius Pilatus den vor ihm stehenden, von den jüdischen Autoritäten und einer verhetzten Menschenmenge angeklagten Herrn fragte, ob er ein König sei, antwortete Jesus (Joh 18,37): „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Und das Evangelium nach Matthäus zeigt uns in der eschatologischen Gerichtsszene, dass es diesem König, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit, um zu richten die Lebenden und die Toten, um die Werke und Taten der Liebe gehen wird. Denn: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ – „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“

Diese beiden Stellen aus dem Evangelium zeigen uns, dass wir diesem König, Jesus Christus, begegnen und ihm dienen können, wenn wir erstens auf die Wahrheit hören, für die er Zeugnis abgelegt hat, d.h. wenn wir an ihn als den Sohn des ewigen Vaters glauben, und wenn wir zweitens in jedem Menschen unseren Bruder und unsere Schwester sehen, ja sogar im Nächsten Jesus Christus persönlich annehmen und ihm Gutes tun. Sagen wir nicht, wir hätten keine Möglichkeit dazu oder es gehe über unsere Kräfte! Denn jeder Mensch hat ein Herz, das fähig ist zu glauben und zu lieben – sofern es sich dazu von der Gnade Gottes erwecken lässt –, und es gibt unzählige Gelegenheiten und Möglichkeiten, Gutes zu tun. Nicht auf die Größe unserer Werke kommt es zuerst an, sondern darauf, dass wir sie mit Liebe tun! Wer Christus so dient, der hat ihn wahrhaft als König und Herrn über sein Leben anerkannt.

Pius XI. schloss seine Christkönigsenzyklika mit den Worten: „Gebe Gott, Ehrwürdige Brüder, dass auch die Fernstehenden zu ihrem Heile nach dem sanften Joch Christi verlangen und es auf sich nehmen, und dass wir alle, die wir durch Gottes barmherzigen Ratschluss seine Hausgenossen sind, dieses Joch nicht mit Widerwillen, sondern mit Hingabe, mit Liebe und in heiliger Ehrfurcht tragen. Dann werden wir durch ein Leben, das ganz den Gesetzen des Gottesreiches entspricht, eine reiche Ernte guter Früchte einheimsen und, einst von Christus als gute und treue Diener befunden, in seinem himmlischen Reiche der ewigen Seligkeit und Herrlichkeit teilhaftig werden.“

Mögen wir uns in gläubigem Vertrauen auf neue unserem Erlöser zuwenden, dem Herrn Jesus Christus, der als König lebt und herrscht in Ewigkeit! Amen