Predigt:
Hochfest der Erscheinung des Herrn A (06.01.2002)
L1: Jes 60,1-6; L2: Eph 3,2-3a.5-6; Ev: Mt 2,1-12
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Fest der „Erscheinung des Herrn“ stehen die „Hl. Drei Könige“ im Mittelpunkt. Und dennoch wollen nicht sie die eigentliche Beachtung finden, sondern sie zeigen uns den Weg zur Krippe, Christus dem Herrn entgegen. Er ist es, den die Weisen aus dem Morgenland gesucht haben und den sie dann voll Freude als ihren König und Herrn angebetet und verehrt haben!
Der heutige Festtag ist ein Ausdruck dessen, daß das neugeborene Jesuskind für alle Menschen aller Völker und Kulturen gekommen ist. Gottes Liebe schließt niemanden aus, sondern möchte alle Menschen zum Heil führen.
Wie aber sollen jene, denen die frohe Botschaft noch unbekannt ist, zum Glauben an Gott geführt werden? Den drei Weisen aus einem fernen Land war der helleuchtende Stern der von Gott gesandte Wegweiser. Die frommen und Gott suchenden Männer – sie waren reich und einflußreich, also zumindest in diesem Sinn auch „Könige“ – folgten diesem Stern. In ihrem Gewissen erkannten sie, daß sie die wichtigste Tat ihres Lebens setzen mußten und dem hellen Licht nachgehen sollten, um den zu finden, dem Himmel und Erde untertan sind, den Herrn der Welt, der alles mit seinem Lichte erleuchtet.
Als die Weisen nun das Kind in der Krippe fanden, werden sie zuerst wohl etwas verwundert gewesen sein. Sie hatten erwartet, den neugeborenen König der Juden am Hof des Herodes zu finden. Doch Herodes wollte nichts von dem Kind wissen. Er sah im neugeborenen Messias nur einen lästigen Konkurrenten, den er möglichst bald mit allen erdenklichen Mitteln – den Kindermord von Bethlehem eingeschlossen! – los werden wollte. Der Stern blieb über dem Haus des neugeborenen Kindes in Bethlehem stehen. Es gab keinen Zweifel mehr für die „Hl. Drei Könige“: Hier vor ihnen in der Krippe lag der neugeborene Erlöser der Welt, der König der Ewigkeit, dessen Reich ohne Ende ist. Wie müssen sie gestaunt haben über die Weisheit Gottes und über seine grenzenlose Allmacht, die sich in unbegreiflicher Liebe so weit erniedrigt hat, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist und alle unsere Armseligkeit und Schwachheit – die Sünde ausgenommen – mit uns geteilt hat!
Wie können Menschen heute Christus begegnen, wenn sie ihn noch nicht kennen? An erster Stelle sind es wohl wir Glaubenden, die aufgefordert sind, für unseren Glauben auch anderen ein lebendiges Zeugnis zu geben. Dies geschieht dadurch, daß wir in unserem Leben versuchen, den Geboten Gottes entsprechend zu leben und den Glauben auch im Alltag zu bekennen. Ein ganz konkretes Beispiel: Viele Muslime leben bereits in unserem Land. Manche nehmen ihren Glauben sehr ernst. Sie schauen auf das Beispiel von uns gläubigen Christen. Sie fragen sich mit Recht: Wie leben die Katholiken ihren Glauben? Halten sie sich an die Gebote Gottes? Bekennen sie ihren Glauben auch in der Öffentlichkeit?
Wenn wir ehrlich sind, werden wir sagen müssen: Manchmal tun wir im praktischen Leben so, als ob wir keine Christen wären. Wieviel gilt uns beispielsweise das Gebot der Feindesliebe gegenüber extrem lästigen und ungerechten Menschen? Wie viele Christen gibt es doch leider, die eine Feindschaft mit ihren Nachbarn oder Bekannten über Jahre hinweg durchtragen und kaum einen Beitrag zur Versöhnung leisten! Wie groß ist die Zügellosigkeit gerade auch im Hinblick auf die Werte von Ehe und Familie in unseren Breiten. Mancherorts gehört es schon zum Alltag, daß Ehen regelmäßig wieder geschieden werden oder daß man in die Ehe so nebenbei den „Seitensprung“ mit einbaut ...
Da darf die Frage schon berechtigt sein, ob wir den Glauben an Jesus Christus deutlich genug leben, damit auch andere – Nichtglaubende und Andersgläubige – darüber nachdenken und hinfinden zum Erlöser der Welt!
Schließlich sind es die von Gott gesandten „Boten des göttlichen Wortes“, also all jene, die durch das Weihesakrament als Bischöfe, Priester oder Diakone tätig sind in der Verkündigung der frohen Botschaft. Auch hier müssen wir feststellen, daß es in unseren Ländern eher zu wenige als zu viele sind. Die Kirche Österreichs begeht heuer ein „Jahr der Berufung“, in dem besonders auch nach Berufungen zum Priestertum Ausschau gehalten werden soll. Vor allem aber sollen wir um gute Priester beten! Denn der Herr der Ernte wird sie senden, wenn viele ihn darum anflehen.
Trotz aller aufgezeigten Probleme sind wir dankbar dafür, daß sich das Wort Gottes – die Botschaft vom Sohn Gottes, der als Mensch unter uns erschienen ist – auch in der heutigen Zeit einen Weg in die Herzen der Menschen bahnt (auch durch die neuen Medien, sogar durch das Internet ...). Es gibt immer wieder Menschen, die gleich den Weisen aus dem Morgenland ihrem persönlichen Lebensstern folgen und das Jesuskind suchen, das sie noch nicht wirklich kennen, um es dann endlich zu finden und anzubeten.
Sie finden dann Maria und Josef sowie das Kind in ihrer Mitte. Sie entdecken die wahren Werte des Menschseins. Sie finden hin zu jener unbegreiflichen Liebe, die Gott uns erweist, weil er selber nichts anderes und nichts Größeres als Liebe ist. Groß ist der Jubel im Herzen und die Freude über Gottes Gnade. Einmal wird uns diese Freude nicht mehr genommen werden können. Denn sie dauert fort und vollendet sich im ewigen Leben! Amen
