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Predigt:

Gründonnerstag A (28.03.2002)

L1: Ex 12,1-8.11-14; L2: 1 Kor 11,23-26; Ev: Joh 13,1-15


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es ist wieder Gründonnerstag geworden. Die Kirche denkt heute in besonderer Weise an das „Letzte Abendmahl“, das der Herr vor seinem Leiden und Sterben mit seinen Jüngern gefeiert hat. Es war einbezogen in das jüdische Paschamahl, das jährlich gefeiert wurde zum Dank für die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft der Ägypter.

Was aber geschah am jenem denkwürdigen Abend vor dem Leiden und Sterben des Herrn?

Beim Letzten Abendmahl hat unser Herr Jesus Christus mit den Aposteln jenes Geschehen vorweggenommen, das er schon bald darauf am Kreuz durch die Hingabe seines Leibes und Blutes für uns vollziehen sollte. Es ist das Opfer Jesu Christi, das unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig gesetzt wurde und das die Kirche kraft des Auftrages Christi gegenwärtig setzen darf, wenn der Priester in der Person Christi jene Worte spricht, mit denen unser Herr selbst damals dieses heilige Geschehen vollzogen hat: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ – „Das ist mein Blut, das für euch und für die vielen vergossen wird.“

Aufs engste mit dieser sakramentalen Dimension verbunden ist der Dienst der Liebe, den der Herr den Seinen geleistet hat, indem er ihnen kurz vor seinem Leiden und Sterben noch die Füße wusch. Er, der Herr und Meister, leistete freiwillig einen Sklavendienst. Ein Beispiel wollte er uns geben, damit wir füreinander da sind in Liebe und einander beistehen, wo wir einander brauchen. Das Vorbild des Herrn soll uns motivieren. Seine Liebe soll unser Maß sein: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

In dieser Liebe hat unser Herr Jesus Christus das Leiden und Sterben auf sich genommen. Er leistete der rohen Gewalt keinen Widerstand, sondern nahm das ungerechte Urteil auf sich. Nur so konnte er den Haß und die Feindschaft der Menschen überwinden. Durch seine Hingabe der Liebe hat er unsere Schuld getragen und hinweggenommen. Für alle, die glauben, ist er zum Retter geworden, der uns das ewige Leben schenkt.

Ja, zugegeben: Wir Menschen sind überfordert mit einem solchen Anspruch der Liebe! Nur Gott selber, der Mensch geworden ist, konnte ein derartiges Übermaß an Liebe schenken und durch sein Leben und Sterben besiegeln. Damit wir aber die Kraft haben zum Mitvollzug dieser Liebe, wollte er uns das größte Geschenk machen, das möglich war: Er hat sich selbst geschenkt in seinem heiligen Leib und Blut. Er wollte unter uns gegenwärtig bleiben in der Hingabe seines Leibes und Blutes, immer dann, wenn wir die Heilige Messe feiern. In der Heiligen Kommunion empfangen wir wirklich den Herrn und dürfen seine Liebe und sein göttliches Leben in unser Herz aufnehmen.

Dabei denken wir bereits an die Auferstehung des Herrn. Denn der Tod am Kreuz war nicht das Letzte. Bei der Heiligen Messe wird nicht nur das Sterben des Herrn gegenwärtig, sondern auch und vor allem seine Auferstehung und Verherrlichung.

In der heiligen Kommunion empfangen wir keinen toten Leichnam, sondern den lebendigen Christus. Er gibt auch unserer Seele das Leben! Nur wenn wir den Leib und das Blut Christi ehrfürchtig und würdig empfangen, können wir das Leben Gottes aufnehmen. Sonst würde uns der Leib des Herrn nichts nützen. Paulus sagt, daß jenen, die den Leib Christi nicht von gewöhnlicher Speise unterscheiden, dieser Leib des Herrn zum Gericht wird.

So legt es uns der Zusammenhang der Sakramente nahe, daß wir auch das heilige Sakrament der Buße schätzen. Jesus hat es eingesetzt, damit unsere Sünden vergeben werden. Wer reingewaschen ist im Blute des Lammes, ist zum Ostermahl geladen! Darauf wollen wir uns in den nächsten Tagen vorbereiten.

Begleiten wir in geistiger Weise den Herrn Jesus Christus auf seinem Kreuzweg. Lassen wir uns dabei von seiner heiligen Mutter Maria führen, die wie keine andere mitgelitten hat mit ihrem Sohn, indem sie in ihrem Herzen all sein Leiden mitfühlen und miterleben durfte. Wenn wir dem Herrn treu nachfolgen unter das Kreuz, werden wir auch teilhaben dürfen an seiner Auferstehung! Amen