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Predigt:

Das Kreuz als Hoffnungszeichen

Fest Kreuzerhöhung A (14.09.2008)

L1: Num 21,4-9 oder Phil 2,6-11; Ev: Joh 3,13-17


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In Saudi-Arabien, einem streng islamischen Land, ist es ein Ärgernis, wenn jemand ein Kreuz offen zeigt. Wer dies tut, muss mit Sanktionen rechnen, bis zur Inhaftierung. Es wurde sogar eine Weisung erlassen, wonach es Angestellten einer britischen Fluggesellschaft verboten ist, um ihren Hals ein Kreuzchen zu tragen oder eine Bibel mitzunehmen, wenn sie einen Flug nach Saudi-Arabien begleiten.

In unserem zumindest von der Tradition her noch christlich geprägten Land Österreich begegnet uns das Symbol des Kreuzes oftmals: Nicht nur auf den Kirchtürmen und in den Kirchen und Kapellen sehen wir das Zeichen unserer Erlösung, sondern auch in öffentlichen und privaten Gebäuden und Räumen treffen wir es an. Natürlich wird das Kreuz auch von vielen als Schmuckgegenstand angesehen und getragen, mit dem sie ganz Verschiedenes verbinden. Es kann sein, dass jemand hier wirklich ein Bekenntnis zu Jesus Christus ablegt, oder aber, dass man das Kreuz nur als Ziergegenstand ansieht oder gar wie ein heidnisches Amulett betrachtet, das eben „Glück“ bringen soll.

Heute am Fest „Kreuzerhöhung“ ist eine gute Gelegenheit, über die tiefere Bedeutung dieses Zeichens nachzudenken!

Vergessen wir zuerst nicht: Ein Mensch am Kreuz, ja noch vielmehr: der menschgewordene Gottessohn selbst am Kreuz – das ist eine ungeheure Provokation! Müsste man da nicht empört rufen: Wie kann man denn nur so etwas darstellen? Was soll das? Ist das Kreuz mit dem toten Jesus nicht eine Verherrlichung des Negativen? Wird hier nicht dem Leiden und dem Tod in destruktiver Weise gehuldigt, anstatt dass man sich dem Leben zuwendet und sich des Glücks auf Erden erfreut?

Diese und ähnliche Vorwürfe und Missverständnisse sind wiederholt gegen die christliche Religion im Allgemeinen und gegen die Darstellung des gekreuzigten Herrn Jesus Christus erhoben worden. Umso wichtiger ist es für uns Christen zu wissen, warum wir das Kreuz verehren und was es wirklich für uns bedeutet!

Keineswegs geht es nämlich darum, das Leiden als solches oder gar den Tod zu verherrlichen. Im Gegenteil! Gerade das Beispiel des leidenden und sterbenden Herrn am Kreuz zeigt uns, dass das Leiden und der Tod nicht das Letzte ist. Jesus Christus hat in Liebe zu seinem himmlischen Vater und zu uns Menschen all das ertragen, was ihm die Menschen in ihrem Hass und in ihrer Verblendung angetan haben. Er ließ sich nicht vom Bösen besiegen, sondern siegte gerade dadurch, dass er in Liebe sein Leben hingab für uns Menschen. Im Zeichen des Kreuzes verehren wir den Sieg des Gekreuzigten über alle Bosheit der Welt und über den Tod, denn unser Herr Jesus Christus ist von den Toten auferstanden am dritten Tag! Er schenkt auch uns das ewige Leben.

So verstanden wird das Kreuz zum Hoffnungszeichen. Es gibt uns Trost in allen Lebenslagen, mag kommen was will. Nie wird uns die Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Erlösers verlassen. Gott steht zu uns bis zum Ende und schenkt uns im Tod die Vollendung. Ja, sogar wenn wir uns als Sünder bekennen müssen und in reuevoller Zerknirschung zu sagen haben, dass wir in diesem Sinn mit schuld sind am Tod Christi: Die Liebe des Erlösers gilt auch uns und lässt uns nicht ins Bodenlose fallen. Wir erfahren Heil und Vergebung, sodass wir gerade im Blick auf das Kreuz immer wieder einen neuen Anfang im Guten wagen können.

Ist das nicht etwas zutiefst Positives, liebe Brüder und Schwestern? Das Kreuz zeigt uns, wie sehr wir geliebt sind. Es lädt uns auch ein, Gott zu lieben und in seiner Kraft auch unsere Brüder und Schwestern. Jeder Mensch in Not, dem wir konkret helfen können, ist unser Nächster. Für dich, für mich, für uns alle ist Jesus Christus am Kreuz gestorben. Folgen wir ihm nach in der Hingabe der Liebe, sodass wir unser Leben für unsere Mitmenschen einsetzen, und zwar als Ganzhingabe bis in den Tod!

Das Kreuz ist für uns kein Symbol des Untergangs, sondern der Hinweis und das Bekenntnis zu einer Liebe, die stärker ist als der Tod. Vor allem Maria, die Mutter Jesu, hat es geglaubt und als erste erfahren: Im Kreuz schenkt uns Gott das ewige Leben! Darum wollen wir das Kreuz hochhalten als Zeichen der Liebe und der Hoffnung auf ewige Vollendung im Reiche Gottes. Amen.