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Predigt:

Osternacht A (30.03.2002)

L1: Gen 1,1-2,2; L2: Gen 22,1-18; L 3: Ex 14,15-15,1; L 4: Jes 54,5-14; L 5: Jes 55,1-11; L 6: Bar 3,9-15.32-4,4; L 7: Ez 36,16-17a.18-28; Epistel: Röm 6,3-11; Ev: Mt 28,1-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der Lob des Lichtes im „Exsultet“ sowie die Lesungen des Alten und Neuen Testaments haben uns vorbereitet auf die frohe Botschaft des Engels an die Frauen, die wir eben gehört haben: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“

Eben dieses Wort gilt heute auch uns, die wir versammelt sind zur nächtlichen Feier. Das Dunkel des Todes und der Sünde wurde überwunden durch das Licht aus der Höhe, das unsere Herzen erleuchtet. Es ist keine fromme Erzählung oder ein Mythos, den wir in dieser heiligen Nacht feiern, sondern die Wirklichkeit unseres Glaubens. Ja, der Herr ist wahrhaft auferstanden, er lebt für immer in der Herrlichkeit seines Vaters und möchte auch uns mit seiner Liebe und seinem Leben beschenken.

In den Berichten der Evangelien von der Auferstehung Christi kommt immer wieder der Hinweis auf das leere Grab vor. Die frommen Frauen suchten den Leichnam Jesu, um ihn zu salben. Doch das Grab war leer! Der Lebendige war nicht mehr bei den Toten zu finden. Als sie dem Herrn dann persönlich begegneten, da erkannten sie mit Gewißheit: Er lebt! Und sie verkündeten diese frohe Botschaft seinen Aposteln und Jüngern.

Was aber kann uns das leere Grab sagen? Es ist ein Hinweis, daß mit dem Leichnam Jesu etwas geschehen sein muß. Es ist die Voraussetzung dafür, daß wir sagen können: Jesus ist auferstanden. Für sich allein begründet das leere Grab allerdings noch nicht den Osterglauben.

Umgekehrt gilt jedenfalls: Wäre das Grab des Herrn nicht leer gewesen, dann wäre die Botschaft von der Auferstehung leicht widerlegt worden. Denn Auferstehung besagt ja nicht irgendein Weiterleben, sondern die Auferweckung eben jenes Leibes, der gestorben war. Dieser Leib, mit dem Jesus am Kreuz gelitten hat, eben dieser Leib, der wirklich tot war, wie durch die Lanze des Soldaten bezeugt wurde, eben dieser Leib wurde auferweckt!

Das Christentum ist keine rein geistige Religion. Freilich: Wir glauben an die Unsterblichkeit der Seele. Aber wir glauben auch daran, daß Gott der Herr einmal alles Materielle „heimholen“ und verwandeln wird, wozu auch unser Leib zählt. Wie das geschieht, können wir uns nicht vorstellen. Daß er die Macht dazu hat, sehen wir am Beispiel des Herrn! Christus ist der Sohn Gottes und zugleich ist er wahrer Mensch wie wir. Als Mensch wurde er auferweckt, als der Sohn Gottes ist er aus eigener Kraft auferstanden von den Toten.

Uns ist die frohe Botschaft verheißen: Jeder, der glaubt und sich taufen läßt, wird mit Christus auferstehen, wenn er die Liebe bewahrt bis zum Tod! So dürfen wir als österliche Menschen durch dieses Leben gehen. Unser Leib ist kostbar, so sehr, daß er einst der Auferstehung für würdig befunden wird.

Das verbindet uns mit allen, die uns vorangegangen sind im Glauben. Möge uns die Fürbitte der Gottesmutter Maria hinführen zu einem starken und lebendigen Osterglauben! Verkünden wir durch unser Wort und unser Leben: Christus lebt! Er ist erstanden. Ja, er ist wahrhaft auferstanden! Amen