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Predigt:

Ostersonntag A (31.03.2002)

L1: Apg 10,34a.37-43; L2: Kol 3,1-4 (oder: 1 Kor 5,6b-8); Ev: Joh 20,1-18 oder Mt 28,1-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ist die Kirche leibfeindlich? Wenn wir diese Frage am Ostersonntag zu stellen wagen, so kann die Antwort mit Blick auf den wahrhaft auferstandenen Herrn Jesus Christus nur heißen: Keineswegs! Der menschliche Leib ist in Christus zu einer Herrlichkeit und Unvergänglichkeit erhöht worden, wie sich dies niemand hätte vorstellen können.

Auferstehung des Herrn aus dem Grab – das bedeutet Abschiednehmen von der Vergänglichkeit und Bekleidetwerden mit Unsterblichkeit; Auferstehung ist Verwandlung in das Leben Gottes hinein, das alle Dimensionen des Menschseins umfaßt und ergreift; Auferstehung Christi zeigt den endgültigen Sieg an über die Sünde und alles Böse, weil die Liebe Gottes immer stärker ist als der Tod.

Wir dürfen uns die Auferstehung Christi nicht zu „jenseitig“ vorstellen. Gewiß, der auferstandene Leib Christi ist den Gesetzen der Raumzeitlichkeit enthoben: An jedem Ort und zu jeder Zeit kann er gegenwärtig sein, wie die Erscheinungen des Auferstandenen beweisen. Andererseits ist es derselbe Leib, mit dem der Herr am Kreuz für uns gelitten hat, jener Leib, mit dem er am Kreuz gestorben und im Grabe gelegen ist. Als man ihn nach drei Tagen dort suchte, war der Leichnam Jesu nicht mehr dort. Engel verkündeten die frohe Botschaft: Er ist auferstanden! Jesus selbst erschien den Frauen und den Aposteln, um ihnen zu zeigen, daß er lebt in unvorstellbarer Herrlichkeit seines verwandelten Leibes.

Was aber bedeutet das für unser Leben? Auch uns hat Gott einen Leib geschenkt. Wir sollen diesen Leib achten und ehren, da wir für ihn verantwortlich sind. Durch die Taufe ist der ganze Mensch geheiligt. So wohnt Gottes Geist auch in unserem Leib. Machen wir diesen Leib nicht zum Werkzeug der Sünde, sondern tun wir damit Gutes, indem wir Werke der Liebe vollbringen!

Die große Hoffnung trägt uns, besonders in Kreuz und Leiden und angesichts des uns alle erwartenden Todes: Dieser unser Leib wird auferstehen. Durch die Macht Gottes wird er einst verwandelt werden, wenn Christus am Jüngsten Tag in Macht und Herrlichkeit erscheint, um zu richten die Lebenden und die Toten. Dann wird alle Traurigkeit ein Ende haben, den Tod wird es nicht mehr geben und wir werden die Herrlichkeit Gottes schauen und erfahren dürfen auch in unserem Leib.

Noch etwas wollen wir bedenken: Wenn wir die Heilige Kommunion empfangen, so wird uns „der Leib Christi“ gereicht. Es ist Jesus Christus selbst, der Auferstandene, der unter der Gestalt des Brotes ganz bei uns geblieben ist. Wir werden durch die Heilige Kommunion gleichsam einverleibt in die Gemeinschaft mit ihm. So ist die Kirche ein Leib und ein Geist in Christus, wie der Priester im 3. Hochgebet bekennt. Wir gehören zusammen durch den auferstandenen Herrn!

Unser katholischer Glaube ist nicht leibfeindlich. Auch die größten sittlichen Forderungen, wie sie beispielsweise das Leben und die eheliche Keuschheit und Treue schützen, dienen der Achtung und Ehrfurcht des Leibes. Darin drückt sich die Wertschätzung für Gottes Schöpfung aus, für alles, was wir sind und haben.

Maria, die Mutter Gottes, darf bereits Anteil haben an der Herrlichkeit des Auferstandenen, da sie von Gott mit Leib und Seele aufgenommen wurde in den Himmel. Sie möge uns mit ihrer Fürbitte helfen, damit wir allezeit mit dem Herrn verbunden sind, der mit seinem Leib am dritten Tag von den Toten erstanden ist und auch uns Großes verheißt im ewigen Leben! Amen