Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Palmsonntag
20. März 2005, Lesejahr A
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Liebe Brüder und Schwestern!
Mit
dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Mit der Kirche treten wir ein
in die Feier des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus. Dabei
könnten die Gegensätze nicht größer
sein, die uns gerade heute am Palmsonntag begegnen.
Zuerst
wird Jesus als Messias von der Menge
des Volkes bejubelt und gepriesen.
„Hosanna dem Sohne Davids!“ Sogar die Kleider werden ausgebreitet und auf den
Boden gelegt, damit Jesus, sitzend auf einer Eselin und ihrem Fohlen, feierlich
in Jerusalem einziehen kann. Welch eine Begrüßung!
Nur
wenige Tage später jedoch holt die
Wirklichkeit der Verfolgung, der Gefangennahme und des Leidens den Herrn ein. Die Gegner können das Volk geschickt auf
ihre Seite ziehen, sodass es nun fordert: „Ans
Kreuz mit ihm!“ Weil niemand da ist, der diesem Unrecht widersteht, wird
Jesus zum Tode verurteilt. Es sieht aus, als ob das Böse endgültig gesiegt
hätte. Auch fast alle seine Jünger haben Jesus verlassen.
Und
doch sind die Ereignisse in Gottes Heilsplan nicht außer Kontrolle geraten: Gott weiß, was er tut und zulässt.
Dort, wo die Sünde und das Böse zu triumphieren scheinen, siegt die Kraft der Liebe. Der Sohn Gottes wird zwar seines Lebens
beraubt, indem er ans Kreuz geschlagen wird und dort stirbt; zugleich gibt er aber sein Leben freiwillig hin für alle Menschen. Es ist nicht schicksalhafte
Notwendigkeit, die ihn den Tod erleiden lässt, sondern der Wille des Vaters,
den der Sohn bis zum Letzten bejaht. Er will den Kelch trinken, den ihm der
Vater reicht, um so sein Heilswerk zu vollenden.
Für
uns Christen sind diese Tage der Betrachtung des Leidens und Sterbens des Herrn
daher nicht zuerst Tage der Trauer, sondern der dankbaren Erinnerung an das Große, was Gott für uns aus Liebe getan
hat. Zugleich erwarten wir den Tag von Ostern,
an dem Jesus Christus von den Toten auferstanden
ist. Das Leben hat endgültig triumphiert; alles Böse, die Sünde, das Leiden und
der Tod, sind besiegt und überwunden.
Legen
wir unser Leben hinein in das
Geheimnis des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn! Dann werden
wir Kraft und Trost finden. Die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit unseres
Lebens wird uns nicht mehr länger ein Ärgernis sein, sondern eine Gelegenheit
zur Bewährung im Glauben. Auch wir gehen durch
Kreuz und Leiden der Auferstehung und Vollendung unseres Lebens bei Gott entgegen!
Für
den, der glaubt, hofft und liebt, ist es undenkbar, dass Gott ihn verlässt.
Jede noch so dunkle Stunde erfährt ihre Aufhellung; für jedes Leiden gibt es
einen Trost. Der Tod wird ein Ende
finden, wenn das Leben in seiner
Fülle triumphiert! Amen.
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