Dr. theol. habil. Josef Spindelböck

Vom Verfolger des Glaubens zum Bekenner Christi

Predigt am Hochfest der Apostel
Petrus und Paulus

29. Juni 2008

L 1: Apg 12,1-11; L 2: 2 Tim 4,6-8.17-18; Ev: Mt 16,13-19

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Mit dem Vorabend des Hochfestes der Apostel Petrus und Paulus (28. Juni 2008) beginnt das Paulus-Jahr, das der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. für die ganze Kirche ausgerufen hat. Es dauert bis zum 29. Juni 2009 und ist ein besonders Jubeljahr anlässlich der Zweitausendjahrfeier der Geburt des heiligen Paulus, die von den Historikern zwischen 7 und 10 n. Chr. angesetzt wird.

In der Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom wird unter dem Altar jener Sarkophag aufbewahrt und verehrt, der die sterblichen Überreste des Apostels Paulus enthält. Deshalb finden in diesem Jubiläumsjahr dort auch die meisten Feiern statt.

Der heilige Apostel Paulus erlitt nach der Überlieferung in Rom das Martyrium im Jahre 64 oder 67, und zwar bei der durch Kaiser Nero angezettelten Christenverfolgung nach dem Brand von Rom. Auch Petrus wurde getötet: Wie es heißt, starb Paulus durch das Schwert, während Petrus gekreuzigt wurde, und zwar mit dem Haupt nach unten.

Paulus von Tarsus hieß ursprünglich Saulus; er war ein frommer und gesetzestreuer Jude, unterrichtet in der Gesetzesschule des Gamaliel. Als er hörte, dass bestimmte Anhänger eines gewissen Jesus von Nazareth verkündeten, dass dieser nach seinem schändlichen Kreuzestod von den Toten auferstanden sei, empfand er dies als Gotteslästerung. Schließlich hatte dieser Jesus behauptet, Gott sei sein Vater, und er und der himmlische Vater seien eins. Das war für den frommen Juden Paulus eine Zumutung. Er sah in seinem Fanatismus und seiner Verblendung nur eine Möglichkeit: Er musste die Anhänger des „neuen Weges“, wie man die Christen nannte, bis aufs Blut verfolgen und nach Möglichkeit ausrotten. So kam es zu verschiedenen Verfolgungen der ersten Christen in Jerusalem und darüber hinaus. Der heilige Stephanus fand bei dieser Verfolgung den Tod, und Saulus war mit dem Mord einverstanden.

Eines Tages jedoch erreichte ihn die Gnade Gottes: Saulus wurde von einem Licht überwältigt und zu Boden geschleudert. Er hörte die Stimme Jesu, der ihm die Frage stellte: Saulus, warum verfolgst du mich? Dies zeigte ihm die Gegenwart des Auferstandenen in seiner Kirche an. Saulus ließ sich taufen und wurde als Paulus zu einem begeisterten Verkünder der frohen Botschaft. Obwohl er zuerst kein Jünger Jesu gewesen war, wurde er nun zu einem ganz entschiedenen Boten des Glaubens, zu einem wirklichen Apostel.

Auf seinen Reisen, die ihn durch Kleinasien und nach Griechenland führten und schließlich nach Rom, erfuhr Paulus so manche Widrigkeiten. Im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, der uns rettet, bestand er alle Gefahren und Bedrängnisse. In seinen Briefen hat er uns das Zeugnis seines Glauben und seiner Liebe zu Gott und den Menschen hinterlassen.

Ganz grundlegend für den heiligen Paulus ist, dass alle Menschen auf Erlösung angewiesen sind. Jene Urkatastrophe der Menschheit, die biblisch als der Sündenfall der Stammeltern Adam und Eva beschrieben wird, bedeutete deren Trennung von Gott und den Verlust übernatürlicher Gaben, aber auch die Beeinträchtigung und Schwächung mancher natürlicher Fähigkeiten. Gott aber überließ die Menschen nicht ihrem Schicksal, sondern versprach ihnen den Erlöser. Zuerst wurde das Volk Israel durch die Propheten auf dessen Kommen vorbereitet. Doch der Erlöser Jesus Christus war nicht nur zu den Söhnen und Töchtern seines eigenen Volkes gesandt, sondern zu allen Menschen. Alle waren und sind sie auf die Gnade Gottes angewiesen.

Die frohe Botschaft, die Paulus verkündete, lautet: Durch Jesus Christus, durch sein Leiden und Sterben am Kreuz, sind wir gerettet von der Sünde und dem ewigen Tod. Wir sind mit Christus hineingenommen in ein neues Leben. Durch die Taufe haben wir teil an seiner Auferstehung. Unser Herz ist neu geworden durch das Geschenk des Heiligen Geistes. Wir sind eine neue Schöpfung geworden, sodass uns der „alte Sauerteig“ der Sünde und des Todes nichts mehr anhaben kann.

Weil wir mit Jesus Christus verbunden sind in Glaube und Liebe, darum rechtfertigt uns Gott. Wer in der Gemeinschaft mit Gott lebt, bringt gute Frucht, er übt Werke der Liebe.

Es war eine einzigartige Berufung, die den heiligen Paulus auszeichnete. Dabei wusste er, dass er alles der Gnade Gottes verdankte. Er war nicht stolz, sondern blieb sich in Demut der großen Gaben Gottes bewusst. Aber er wusste sich gedrängt, vielen Menschen die Botschaft von der rettenden Liebe Gottes zu verkünden!

In diesem Sinn wollen wir diesen großen Apostel des Glaubens ehren, der an der Seite des Apostels Petrus steht. Mögen die heiligen Apostel für uns eintreten in Gottes himmlischer Herrlichkeit, damit auch wir einst das ewige Leben empfangen! Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at