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Predigt:

Pfingstsonntag A (15.05.2005)

L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13; Ev: Joh 20,19-23


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das heilige Pfingstfest, das wir feiern, lädt uns ein, dass wir uns der göttlichen Person des Heiligen Geistes zuwenden. „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“, heißt es im Großen Glaubensbekenntnis von Nicäa und Konstantinopel („Gotteslob“, Nr. 356).

Wer ist der Heilige Geist? Er ist die dritte Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Er ist wahrer Gott wie der Vater und der Sohn, aus denen er hervorgeht, und doch sind diese drei Personen nur der eine und einzige Gott, da es nur ein göttliches Wesen gibt und nicht drei Götter. Wenn wir den Vater anbeten, dann beten wir zugleich den Sohn an und den Heiligen Geist. Alle Ehre, die wir einer der drei Personen erweisen, wird der Heiligen Dreifaltigkeit insgesamt erwiesen, denn in Gott gibt es keine Trennung, wohl aber die Beziehungen der Personen untereinander. Diese sind geistiger Art, da Gott der absolut vollkommene Geist ist. Er ist der Schöpfer und Herr, der Ursprung alles Guten, die Quelle der Heiligkeit.

Dies alles wird in einer besonderen Weise dem Heiligen Geist zugeeignet, wodurch sein eigentümliches Wirken, in dem er eins ist mit dem Vater und dem Sohn, zutage tritt. Der Geist ist der Lebensspender; im Wasser der Taufe wurden wir beschenkt mit dem Leben Gottes. So sind wir zum „Tempel des Heiligen Geistes“ geworden, der in uns wohnt und uns mit seiner Liebe erfüllt.

Auch wenn wir nicht ausdrücklich daran denken, so ist es der Heilige Geist, der uns zum Guten antreibt, uns beim Tun des Guten unterstützt und es vollendet. Er hat uns gesalbt und uns zu Christen gemacht, d.h. wir gehören aufgrund der Taufe und der Firmung zu Jesus Christus, dem Gesalbten. Der Heilige Geist macht uns zu Priestern, Königen und Propheten. Weil wir durch die Firmung besiegelt sind mit der Gabe des Heiligen Geistes, darum sollen wir entsprechend dieser dreifachen Würde auch wirken:

Priesterlich bringt jeder Christ sich selber Gott dar und weiht ihm das Leben. In besonderer Weise wird das gemeinsame Priestertum aller Getauften und Gefirmten dann ausgeübt, wenn wir beten und am Opfer Christi in der Feier der Eucharistie teilnehmen.

Wie ein König soll der Christ über sich selber herrschen, indem er das Gute tut und das Böse meidet. Der Heilige Geist ist das neue und übernatürliche Lebensprinzip des Christen, und er leitet alle Fähigkeiten der Seele, welche den Leib durchdringt.

Prophetisch geben die Christen Zeugnis von ihrem Glauben, und zwar durch Wort und Tat. Dabei stärkt sie die Kraft des Heiligen Geistes. So gilt wirklich, dass der Herr allezeit bei uns bleibt bis zum Ende der Welt und er uns stärkt und jene Worte eingibt, die nötig sind, um für den Glauben Rechenschaft abzulegen.

In einer besonderen Weise wurde die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria mit dem Heiligen Geist erfüllt. Er hat sie schon im ersten Augenblick ihres Daseins, bei ihrer Empfängnis geheiligt, sodass sie frei war von jeder Sünde und allezeit mit der heiligmachenden Gnade geschmückt war. Bereitwillig wirkte sie mit und folgte allen Anregungen des Heiligen Geistes. Ihren Sohn Jesus, der zugleich der Sohn des himmlischen Vaters war, empfing sie vom Heiligen Geist. Als die Apostel, die Jünger und die gläubigen Frauen vom Herrn Abschied genommen hatten, der in den Himmel aufgefahren war, da zogen sie sich gemeinsam in den Abendmahlssaal zurück, um dort zu beten. Sie waren versammelt, wie es in der Apostelgeschichte heißt, „mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apg 1,14). Zu Pfingsten wurden alle Versammelten mit dem Heiligen Geist erfüllt, der in Gestalt von Zungen wie von Feuer auf sie herabgekommen war. Kraft dieses Geistes gingen die Apostel hinaus und predigten.

Mit dem heutigen Tag, dem 15. Mai, sind es genau 50 Jahre, dass Österreich den Staatsvertrag abschließen konnte. Damit war die Grundlage für die Entfaltung eines freien und demokratischen Österreich gegeben. Der heutige Jubiläumstag ist für uns ein Anlass, Gott dafür zu danken. Zugleich wollen wir beten, dass alle politisch Verantwortlichen vom Heiligen Geist erleuchtet werden, dass sie auch in Gegenwart und Zukunft die richtigen Entscheidungen zum Wohle unseres Landes und der darin lebenden Menschen treffen. Möge insbesondere der Schutz des Lebens sowohl rechtlich wie durch entsprechende andere Maßnahmen auch für die Ungeborenen und die älteren und kranken Menschen stets gegeben sein!

Lassen wir uns entflammen mit den sieben Gaben des Heiligen Geistes: mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rates und der Stärke, der Wissenschaft und der Frömmigkeit sowie der Furcht des Herrn!

Wenn Gottes Kraft in uns wirkt und wir geheiligt sind durch die Gabe von oben, dann brauchen wir uns vor nichts zu fürchten. Wir gehen dann getrost der ewigen Heimat entgegen, erfüllt von Liebe und die selige Vollendung in der Schau des Dreifaltigen Gottes von Angesicht zu Angesicht erwartend. Amen