Predigt:
Gottvertrauen besiegt die Angst
12. Sonntag im Jahreskreis B (25.06.2006)
L1: Ijob 38,1.8-11; L2: 2 Kor 5,14-17; Ev: Mk 4,35-41
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Ruhige und stürmische Zeiten kennen wir im Leben. Da gibt es Augenblicke und Stunden, wo wir im Frieden mit uns selber sind und mit den Menschen um uns, wo uns die Harmonie der Natur eine Ahnung davon gibt, wie groß der Schöpfer ist und wo wir Gottes Nähe spüren.
Andererseits gibt es wohl in jedem Menschenleben auch Zeiten der Angst und der Verunsicherung. Stabile Orientierungen scheinen weg zu brechen, und wir fühlen uns allein gelassen. Der Ausgang all dessen, was wir erleben, erscheint uns ungewiss, und vielleicht ergeht es uns wie den Jüngern im Boot, die angesichts des Sturmes und der hohen Wellen die Hoffnung schon bald aufgeben wollten. Wo war der Herr? Jesus „lag hinten im Boot in einem Kissen und schlief.“
Das eben gehörte Evangelium von der Stillung des Seesturmes durch Jesus kann uns so wie den Jüngern eine Lehre geben, wie wir uns in ähnlichen Situationen verhalten sollen. Die Jünger haben zuerst falsch reagiert: Panikmache und Angst sind nie eine Lösung, denn dabei wir die vernünftige Überlegung ausgeschaltet und man lässt sich leicht zu Reaktionen hinreißen, die die Notlage nur noch verschlimmern. Aber das ist leichter gesagt als getan!
Und darum dürfen wir es den Jüngern schließlich nicht verübeln, dass sie den Herrn dann doch irgendwann geweckt haben. Ja, sie müssen ihn ziemlich unsanft aus dem Schlaf gerissen haben, und es scheint, als ob sie ihm sogar Vorwürfe gemacht hätten: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“
Auch der Mensch, welcher Schweres erlebt und mitmacht, kann in die Situation kommen, wo er beginnt, mit Gott zu hadern und ihm Vorwürfe zu machen: Wie kann Gott dies und jenes zulassen? Beispielsweise dass ein Kind misshandelt wird und stirbt, währen große Verbrecher lange Zeit oder überhaupt straflos auszugehen scheinen, und ähnliches. Es mag dann wohl auch manchmal die eigene Not zu groß werden, sodass man seufzt und Gott die Frage stellt, ob er denn wirklich da ist, ob er gut ist und uns wirklich helfen soll. Die richtige Antwort müsste lauten: Gott ist da, und er kennt unsere Not. Er wird uns auch helfen zur rechten Zeit, auch dann wenn es scheint, als ob er „schlafen“ würde
Jesus stand auf die Bitte seiner Jünger sofort auf; er drohte dem Wind und dem See, und der Sturm legte sich. Eine große Stille trat ein, die die Jünger erschreckte. Erst jetzt begriffen sie, wer vor ihnen stand. „Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“ fragten sie.
Die Jünger hatten freilich noch etwas aus diesem Erlebnis zu lernen: Ihr Glaube musste stärker werden, ihr Vertrauen sollte sich in noch lebendigerer Weise bewähren. „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“ waren die Worte Jesu an die Jünger.
Mitunter gibt es auch in der Kirche Gottes Sturm und Wellen, und so mancher mag sich verzagt fragen, ob denn Herr der Kirche noch mit uns im selben Boot sitzt. Und doch ist Jesus Christus da! Daher sind auch wir aufgerufen zu Glaube und Gottvertrauen. Er leitet uns, denn Jesus Christus ist durch Petrus, den Felsen, welcher im Amt des Papstes unter uns anwesend ist, der unsichtbare Steuermann der Kirche, mitten in aller Bedrängnis und Verwirrung.
Der Mensch ohne Gott scheint oft weit zu kommen, und doch wird er irgendwann seine Grenzen spüren. Besser ist es, sich von vornherein dieser Grenzen bewusst zu sein. Dies soll uns aber nicht niederdrücken, sondern erst recht ein Anlass sein zu großem Vertrauen. So klein wir vor dem Allmächtigen sind: wir sind seine geliebten Kinder, die er auch in Not und Gefahr nie verlässt. Unterlassen wir daher nie das vertrauensvolle Gebet! Je größer die Not, desto näher die Hilfe Gottes, des Retters. Maria, die Gottesmutter, möge uns mit ihrem mütterlichen Beistand begleiten! Amen
