Josef Spindelböck
Auf den Glauben kommt es an
Predigt am 14. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 5. Juli 2009
L1: Weish 1,13-15; 2,23-24; L2: 2 Kor
8,7.9.13-15; Ev: Mk 5,21-43
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Uns überrascht es vielleicht ein wenig, dass Jesus aufgrund des Unglaubens der Menschen in seiner Heimatstadt Nazareth nur wenige Wunder tun konnte.
War der menschgewordene Sohn Gottes denn nicht allmächtig und frei, das zu tun, was er wollte? Gewiss! Und doch nimmt Gott Rücksicht auf die Voraussetzungen der Menschen. Menschlich gesprochen würde man vielleicht sagen: Jene, die Jesus nicht geglaubt haben, haben es auch nicht verdient, dass er ein Wunder wirkte.
Aber die Begründung muss tiefer gehen: Wunder können den Glauben nicht ersetzen, und Jesus wollte nicht bloß als Wundertäter anerkannt werden, sondern ihm ging es um die echte Bekehrung der Herzen zu Gott hin. Ihm ging es eben nicht um sich selbst und seine eigene Person, sondern um den Willen des himmlischen Vaters. Nur dort, wo echter Glaube vorhanden war, waren auch Wunder möglich. Freilich sind diese dann nicht so zu erklären, dass man sagt: Der Glaube hat die Wunder hervorgebracht, oder gar: Der Glaube, als „Einbildung“ verstanden, war so stark, dass man gemeint hat, es sei ein Wunder geschehen …!
Gerade die Begegnung Jesu mit seinen Verwandten (die als „Brüder“ und „Schwestern“ Jesu bezeichnet werden) zeigt, dass es um mehr geht als um irdische Zuordnungen. Nicht wer mit Jesus leiblich verwandt ist, ist selig zu preisen, sondern wer auf den Willen des himmlischen Vaters hört, den Jesus verkündet, und diesen Willen auch erfüllt. Auf das Tun kommt es an, nicht nur auf das große Reden.
Wie war es bei Maria, der Mutter Jesu? Ist auch sie in eine Reihe mit den übrigen Verwandten zu stellen? Hat auch sie die Sendung Jesu missverstanden und vielleicht gar nicht an Jesus geglaubt? Dieser Gedanke sei ferne! Die Heilige Schrift spricht ja klar davon, dass Maria von Anfang an im vollen Sinne geglaubt hat. Ihr Glaube war es, der dem Wort Gottes eine Wohnung in ihrem Schoß bereitete. Gott wollte von ihr empfangen und aus ihr geboren werden als Mensch, und dies nicht ohne Glauben, sondern auf der Grundlage des Glaubens. Im Glauben gab Maria ihr Jawort zum Heilsplan Gottes. Sie ist damit nicht nur die Mutter Jesu geworden, sondern auch seine erste Jüngerin. Ihre Verwandte Elisabeth hat Maria mit den Worten gegrüßt: „Selig bist du, die du geglaubt hast, dass sich erfüllen wird, was der Herr ihr sagen ließ.“
Das heutige Evangelium zeigt uns, dass es im Reiche Gottes nicht auf eine vornehme Abstammung ankommt oder die Zugehörigkeit zu einer reichen oder bedeutenden Familie. Was zählt, ist allein der Glaube des Herzens und die damit verbundene Hoffnung und Liebe.
Vielleicht stehen auch wir manchmal allein mit unserem Glauben. Es kann sein, dass sogar nahe Angehörige uns mit Unverständnis begegnen und wir wenig Rückhalt in der eigenen Familie haben, wenn wir zum Beispiel am Sonntag in die Messe gehen. Aber dies soll uns nicht entmutigen und auch nicht zu Verbitterung oder Ärger über andere hinreißen lassen. Im Gegenteil! Seien wir dankbar, dass Gott uns auf einen guten Weg führt, und verurteilen wir nicht andere, sondern nehmen wir sie im Herzen mit, wenn wir beten und die heilige Messe mitfeiern.
Unser Glaube und unsere Liebe werden dann reichlich Frucht bringen für das ewige Leben; es geschehen dann wirkliche Wunder der Gnade, die größer sind als das, was man sich an irdisch Wunderbarem so vorstellen mag.
Amen.
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