Josef Spindelböck

Kommt mit und ruht ein wenig aus!

Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 19. Juli 2009

L 1: Jer 23,1-6; L 2: Eph 2,13-18; Ev: Mt 6,30-34

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Am letzten Sonntag haben wir im Evangelium gehört, wie Jesus seine Apostel je zu zweit ausgesandt hat, um den Menschen das Reich Gottes zu verkünden.

Im heutigen Evangelium kehren sie von ihrer missionarischen Praxis zurück und berichten Jesus von allem, was sie getan und gelehrt haben. Es müssen viele Eindrücke gewesen sein, die die Apostel zu verarbeiten hatten. Sicher hat es sowohl schöne und ermutigende, aber auch leidvoll-bedrückende Erfahrungen gegeben, wie das eben so ist, wenn ein vom Herrn Ausgesandter (ein „Apostel“) das Wort Gottes verkündet und bei manchen Gehör findet und bei anderen wiederum nicht.

In echter Menschlichkeit sieht Jesus, dass die Apostel nun erschöpft sind und etwas Ruhe brauchen. Sie können nicht immer nur arbeiten und unterwegs sein; sie müssen auch wieder Kraft sammeln, zu sich selber finden und Zeit haben für das Gebet. Eben deshalb sagt Jesus zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Und es heißt weiter im Evangelium: „Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“

Daraufhin fuhren Jesus und die Apostel „mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.“

Wie gut kann man doch die Situation der Apostel verstehen! Sie brauchen etwas Distanz zu all dem, was sie erlebt und erfahren haben. Ihre vielen Eindrücke müssen sie erst verarbeiten, und in den Gesprächen mit Jesus können sie wichtige Fragen klären. Allerdings heißt es dann im Evangelium, dass die Menschen sie gleichsam nicht zur Ruhe kommen lassen …! Und Jesus erbarmt sich dieser suchenden Menschen, die auf Heil und Erlösung hoffen. Er lehrte sie lange, heißt es. Denn er ist der gute Hirte, der für seine Schafe stets da ist, wenn sie ihn brauchen.

Für uns, liebe Brüder und Schwestern, ist die Sommerzeit vielleicht auch eine Gelegenheit zur Erholung. Sei es, dass die Kinder in den Ferien Abstand zur Schule gewinnen und dabei hoffentlich nicht alles Gelernte ganz vergessen, sei es, dass es in vielen Berufen die Möglichkeit gibt, ein paar Wochen Urlaub zu nehmen und so die nötige Erholung für Leib und Seele zu finden. Nur wer ab und zu wirklich auftankt, kann dann auch wieder etwas leisten und etwas weitergeben von dem, was er empfangen hat.

Die Worte Jesu „Kommt mit … und ruht ein wenig aus“ können auch für uns gelten, wenn wir sie recht verstehen. Gerade durch die Urlaubs- und Erholungszeit ergeben sich viele gute Gelegenheiten für eine Vertiefung unserer familiären und freundschaftlichen Beziehungen. Endlich hat auch einmal der Papa etwas mehr Zeit für seine Kinder …! Die Ehegatten, die durch den Stress des Alltags zu sehr in der Gefahr waren, einander entfremdet zu werden, können endlich wieder Zeiten des innigen Beisammenseins und des vertieften Gesprächs wahrnehmen. Man hat die Möglichkeit für Sport, Hobbys und gemeinsame Unternehmungen; es gibt jetzt endlich Zeit, ein schon längst geplantes gutes Buch zu lesen … Und, und, und.

Eines sollen und wollen wir im Urlaub bzw. in den Ferien nicht vergessen: Der „direkte Draht nach oben“, d.h. die Verbindung mit Gott ist das Wichtigste. Wenn wir unsere Gedanken ordnen und nachdenken über unser Leben, dann werden wir vielleicht wie von selber zum Beten hin geführt, indem wir die Größe und Schönheit der Schöpfung wahrnehmen und Gottes gütige Vorsehung in unserem eigenen Leben anerkennen. Und was wäre dabei, wenn wir uns bewusst Zeit nehmen zum Lesen der Heiligen Schrift, oder wenn wir vielleicht sogar mit einem interessierten Menschen ein Glaubensgespräch führen? Haben wir nur Mut, denn auch unsere Zeit braucht Apostel des Glaubens!

Der Heilige Geist wird unsere Herzen erleuchten und uns zur rechten Zeit eingeben, was für uns und andere besonders wichtig ist. Bleiben wir mit Jesus Christus, dem guten Hirten, verbunden und vertrauen wir uns der Fürbitte der Gottesmutter Maria an!

Amen.

 

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