www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

20. Sonntag im Jahreskreis B (17.08.2003)

L1: Spr 9,1-6; L2: Eph 5,15-20; Ev: Joh 6,51-58


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es war eine lange Rede, die Jesus damals in Kapharnaum gehalten hat. Das Thema dieser Rede ist Jesus selber, das Brot des Lebens. Die Worte, die unser Herr hier gesprochen hat, würde man aus dem Munde jedes anderen Menschen für unsinnig halten oder für einen Ausdruck übersteigerter Selbsteinschätzung. Nur ER, der Sohn Gottes, hatte ein Recht, solche Worte zu sprechen.

Von daher ist auch die Kritik maßgeblicher Kreise der Juden an den Worten Jesu zu verstehen. Als der Herr sagte, er selber sei das Brot des Lebens, da nahmen manche der Zuhörer Ärgernis an ihm und fragten: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Sie dachten nur an das irdische Essen und Trinken und kamen so zu ganz abwegigen Vergleichen. Sie rechneten nicht mit der Macht und Weisheit Gottes, der alle Menschen, die von Herzen danach verlangen, mit der himmlischen Speise sättigen will.

Für uns im Rückblick – nämlich aus der Perspektive der Erfüllung dieser Worte des Herrn – ist es ja leicht, liebe Gläubige: Wir erkennen in den Worten Jesu vom Brot des Lebens und davon, dass wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken sollen, die Ankündigung des Geheimnisses der heiligen Eucharistie. In der heiligen Kommunion geschieht ja genau das, was Jesus vorausgesagt hat: Wir empfangen unter den Gestalten des Brotes und Weines den Leib und das Blut Christi. Nur der Glaube vermag die eigentliche Wirklichkeit zu sehen. Hinter dem sichtbaren Zeichen ist der Herr selber gegenwärtig in seiner ganzen Liebe. Er möchte uns teilhaben lassen an seinem ewigen Leben und uns stärken.

Vielleicht hätten wir damals auch protestiert, als wir die Worte Jesu hörten, weil sie uns unverständlich erschienen wären und uns in unseren üblichen Denkschemata provoziert hätten. Es ist auch heute leicht, gewisse Glaubenssätze in Frage zu stellen. Wir Menschen können vieles nicht einsehen und stoßen mit unserem Verstand an unsere Grenzen. Da gehört schon ein gutes Stück Demut dazu und offene Bereitschaft, dass man an den Grenzen des eigenen Denkens doch noch weiter auf Gott vertraut und mit ihm rechnet. Würden wir Gott verstehen, es wäre nicht mehr Gott. Er ist größer als unser Verstand und größer als unser Herz.

Wozu aber gibt uns Jesus diese Speise, dieses Brot vom Himmel, das er selber ist? Er sagt es uns: „Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben.“ Es geht um erfülltes und beglückendes Leben für Zeit und Ewigkeit. Wie viele Menschen fragen nach dem Sinn des Lebens! Wie viele finden keinen Trost in den Widerwärtigkeiten und Leiden ihres Daseins und sind der Verzweiflung nahe! All diesen und uns allen bietet Gott eine Antwort an. Er lädt uns ein, ihm im Glauben unser Leben anzuvertrauen. Er kennt uns und meint es gut mit uns. Er kann uns führen, sodass wir das Ziel des ewigen Lebens erreichen.

Insbesondere verheißt uns Jesus die Auferstehung des Leibes. Wer mit ihm verbunden ist in der heiligen Kommunion, wer seinen Leib und sein Blut empfängt, der wird hineingenommen in die Gemeinschaft seines auferstandenen und verklärten Leibes. Jesus lebt, er stirbt nicht mehr, halleluja! Und alle, die zum ihm gehören, weil sie in der heiligen Kommunion mit ihm eins geworden sind, haben Anteil an seinem Sieg über Sünde und Tod. Der Empfang der heiligen Kommunion – wenn dieser würdig erfolgt – ist ein Unterpfand, eine Zusage der Auferweckung auch unseres Leibes zur Herrlichkeit am Jüngsten Tag.

Die Welt um uns vergeht, und wir mit ihr. Und doch gibt es Bleibendes: Gottes Wort bleibt in Ewigkeit. Wer sich mit Jesus Christus, dem fleischgewordenen Wort Gottes, dem Brot des Lebens, verbindet in Glaube und Liebe, der wird nicht untergehen. Dessen Leben ist bei Gott aufgehoben. Auch wenn er stirbt, so ist sein Leben bei Gott gerettet. Genau das erhoffen wir, liebe Brüder und Schwestern!

Durch die heilige Taufe ist uns das göttliche Leben ins Herz gesenkt. Durch die übrigen Sakramente, vor allem durch die heilige Eucharistie, findet dieses Leben seine Nahrung. Wir wollen uns bemühen, die heilige Kommunion mit tiefem Glauben, frei von schwerer Sünde und mit einem Herzen voll Sehnsucht und Liebe zu empfangen. Je größer unsere Liebe und unsere Sehnsucht, desto größere Wunder wird Gott an uns wirken. Öffnen wir unser Herz wie Maria, die Mutter Gottes! Sie glaubte und vertraute auch da, wo andere zweifelten. Gehen wir nicht weg vom Herrn und seiner Kirche, sondern empfangen wir als Geschenk Gottes das Wasser des Heils aus den Quellen des Lebens! Amen