Josef Spindelböck
In Ehrfurcht und Liebe
zum Tisch des Herrn hinzutreten
Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 16. August
2009
L 1: Spr 9,1-6; L 2: Eph 5,15-20; Ev: Joh 6,51-58
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Evangelium dieses Sonntags setzt Jesus seine Katechese über das lebendige Brot vom Himmel fort. Er selbst ist dieses Brot sagt er, und er gibt sein Fleisch und Blut hin für das Leben der Welt.
Der Evangelist Johannes berichtet, dass viele Menschen an den Worten Jesu Anstoß nahmen. Sie konnten sich
nicht vorstellen, wie Jesus seine Ankündigung verwirklichen wollte. Sie konnten
nur an Kannibalismus denken, und das stößt naturgemäß ab. Ihre Empörung darüber bringen sie mit den
Worten zum Ausdruck: „Wie kann er uns
sein Fleisch zu essen geben?“
Dabei aber weist Jesus den Weg zum richtigen Verständnis dieses Geheimnisses, das wir in der heiligen Eucharistie feiern.
Er sagt nämlich: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank.“ Wir dürfen daran glauben und sollen in Ehrfurcht und Liebe zu diesem Sakrament hinzutreten: Unter den Gestalten des Brotes und des Weines gibt sich uns der Herr wahrhaft zur Speise; er ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben.
Das, worum es in der Heiligen Eucharistie geht, ist tiefste Gemeinschaft mit Gott dem Vater durch seinen Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist. Gott hat einen Weg gewählt, auf dem er uns nahe sein konnte, und dieser Weg sind die sakramentalen Zeichen: eben die sichtbaren Gestalten von Brot und Wein. Bei der Wandlung der Messe darf der Priester in der Person Christi die entscheidenden Worte sprechen: „Das ist mein Leib – das ist mein Blut (für euch).“ Die Opferhingabe Jesu am Kreuz, in der er uns sein Leben schenkt, wird auf unblutige Weise vergegenwärtigt.
Die Frucht dieses Opfers empfangen wir im Mahl der heiligen Kommunion: Jesus Christus selber, der wahre Gott und Mensch, will mit uns Mahl halten und gewährt uns Gemeinschaft.
Allein der Glaube weist uns den Weg: Was wir sehen und schmecken, nehmen wir mit unseren Sinnen als Brot wahr. Was wir empfangen ist Christus selbst, der Gekreuzigte und Auferstandene. Der Glaube begreift das Wesentliche, die Sinne nehmen nur das Äußere wahr. Und wenn nun die Heilige Kommunion ausgeteilt wird, so empfangen die vielen doch alle denselben Christus. Jesus Christus ist nicht geteilt, wir alle haben teil an dem einen Leib Christi, ja wir alle bilden in Christus einen einzigen Leib. Darin wurden wir aufgenommen in der Heiligen Taufe, darin werden wir gestärkt und bleiben wir eingegliedert durch das Sakrament der heiligen Eucharistie.
Wenn der Priester bei der Kommunion nicht nur den Leib Christi empfängt, sondern auch das Blut Christi, so geschieht dies zur größeren Verdeutlichung des Zeichens. Alle aber empfangen den ganzen Christus, ob sie nun unter der einen Gestalt des Brotes kommunizieren oder – wie dies in besonderen Fällen auch möglich ist – auch unter der Gestalt des Weines.
Wesentlich aber ist es, dass wir Jesus Christus mit einem gläubigen und liebenden Herzen empfangen. Ein gedankenloses Kommunizieren wäre ein Unrecht gegenüber dem Geheimnis der Liebe, das uns Gott anvertraut hat. Unser Diözesanbischof Klaus Küng hat in seinem zweiten Hirtenwort zur Seelsorge vom 25. Jänner 2009 auch wichtige Worte zum Kommunionempfang gefunden; er bittet um wohlwollende Aufnahme seiner Erinnerungen.
So darf ich abschließend den entsprechenden Teil des Hirtenbriefs unseres Bischofs zu Gehör bringen. Er schreibt:
„Denkt aber ebenso daran, wie wichtig es ist, dass Eure Herzen, wenn Ihr Euch dem Altar nähert, um die hl. Kommunion zu empfangen, dafür bereitet sind. Erinnert Euch an das Wort des hl. Paulus: ‚Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt‘ (1 Kor 11,27-29).“
Weiter führt der Bischof aus:
„Es ist wichtig, regelmäßig – und immer wenn nötig – das Bußsakrament zu empfangen. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es: ‚Wer Christus in der eucharistischen Kommunion empfangen will, muss im Stande der Gnade sein. Falls jemand sich bewusst ist, dass er eine Todsünde begangen hat, darf er die Eucharistie nicht empfangen, ohne vorher im Bußsakrament die Lossprechung empfangen zu haben‘ (Nr. 1415). Ein reines Herz öffnet die Augen für die Geheimnisse Gottes und macht empfänglich für die Impulse des Heiligen Geistes. Es lohnt sich, auf diese Einzelheiten zu achten. ‚Die Hand des Herrn ist nicht zu kurz‘ (Jes 59,1), das gilt auch für unsere Zeit. Jeder, der zur Kommunion geht, soll auch innerlich dafür bereit sein. Das regelmäßige Bußsakrament ist für das christliche Leben äußerst wichtig. Ein reines Herz macht empfänglich für die Impulse des Heiligen Geistes. ‚Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit‘ (Hebr 13,8).“
Amen.
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