Josef Spindelböck
Durch das Kreuz Christi zum ewigen Leben
Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 13. September
2009
L 1: Jes 50,5-9a; L 2: Jak 2,14-18;
Ev: Mk 8,27-35
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Der heutige Sonntag steht genau zwischen zwei Festen: Gestern war das
Fest Mariä Namen und morgen ist das
Fest Kreuzerhöhung.
Der Name Maria ist Ausdruck der Freude über das Große, das Gott an ihr
getan hat. Gott hat mit höchstem Wohlgefallen auf sie herabgeschaut und ihr die
Fülle der Gnaden verliehen. Gnade
heißt auch so viel wie göttliches Wohlgefallen, übernatürliche Anmut und
Grazie. All dies ist in Maria verwirklicht; Gott selbst hat an ihr sein Wohlgefallen – um seines Sohnes willen,
den sie als Jungfrau empfangen und geboren hat und dem sie eine menschliche Mutter sein durfte. Maria ist auch
unsere geistliche Mutter; sie weist uns den Weg zu Jesus Christus, ihrem Sohn, der zugleich der ewige Sohn
Gottes ist.
Das morgige Fest
Kreuzerhöhung zeigt uns den Sinn und die Vollendung der Menschwerdung Jesu
Christi auf: Sein Ziel war es, das Menschsein ganz mit uns zu teilen und uns in
Liebe nahe zu sein. Diese Hingabe der
Liebe fand ihre Vollendung am Kreuz,
da Gottes Sohn stellvertretend für uns sündig gewordene Menschen die Schuld der
Welt auf sich nahm und sie sühnte. So hat er uns die Versöhnung mit Gott und untereinander eröffnet.
Im Evangelium dieses Sonntags geht es um die Frage, wer Jesus wirklich
ist. Petrus bekennt, erleuchtet vom Heiligen Geist: „Du bist der Messias.“ Doch noch ist die Zeit nicht gekommen, dies
öffentlich zu verbreiten. Niemand würde es in der rechten Weise verstehen. Denn
der Triumph des Erlösers kommt nicht ohne sein Leiden zustande. Er ist ja nicht
gekommen als der Richter, sondern als der Erlöser.
Und so begann Jesus die
Jünger „darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den
Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei
Tagen werde er auferstehen.“
Diese Voraussage war für den
Moment zu stark für die Zuhörer, sodass ihm Petrus sogar Vorwürfe machte. Aber Jesus nahm nichts von seinen
Worten zurück, denn er wusste dass er sie einlösen würde in seinem Kreuzesopfer
und in seiner Auferstehung.
Auch der Weg der Nachfolge Christi führt über das Kreuz:
„Wer mein Jünger sein will, der verleugne
sich selbst, nehme sein Kreuz
auf sich und folge mir nach.“
Wir wissen, wie schwer dies
sein kann. Und doch liegt gerade hierin unser ganzer Trost. Es geht nicht
darum, sich selbst Kreuze zu „basteln“ oder Kreuze zu suchen. Es genügt
vollkommen als Weg der Heiligkeit,
wenn wir das uns von Gott zugedachte
Kreuz jeden Tag neu annehmen und es
in Liebe und Geduld tragen.
Letztlich geht es um nichts
anderes als darum, dass auch wir zu einer Opfergabe
der Liebe werden: zur Ehre Gottes und
zum Heil der Menschen. In Einheit mit Jesus, dem Gekreuzigten und
Auferstandenen, haben wir die Kraft von Gott her, unser Lebenskreuz sogar in
Freude zu tragen. Es wird uns nicht niederdrücken, sondern aufrichten.
Denn die Worte des Herrn
gelten auch uns: „Wer sein Leben um
meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, der wird es retten.“ Wer sich hingibt, der empfängt; wer
aus Liebe sein Leben verliert, der wird es gewinnen zum ewigen Leben.
Amen.
· Bücher aus dem Verlag St. Josef
· Predigten von Josef Spindelböck
· Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder