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Predigt:

27. Sonntag im Jahreskreis B (05.10.2003)

L1: Gen 2,18-24; L2: Hebr 2,9-11; Ev: Mk 10,2-16


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Was uns aus der eigenen Lebenserfahrung selbstverständlich scheint, wird im Buch Genesis, dem ersten Buch der Heiligen Schrift, ausdrücklich zum Thema gemacht. Es war Gottes Plan und Wille mit dem Menschen, dass er nicht allein sei. Mann und Frau ergänzen einander und sollen sich gegenseitig eine Hilfe sein für das Leben.

Wenn Jesus diese wichtige Wahrheit aufgreift und daran erinnert, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat und dass dies gut war, dann zeigt er den Wert und die Würde der ehelichen Gemeinschaft auf. Von dieser Verbindung gilt: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Denn die beiden sind in Liebe eins geworden und gehören zueinander.

Obwohl Jesus selber um des Himmelreiches willen ehelos lebte (er ist ja der eigentliche „Bräutigam“ aller Menschen, die ihm in der Kirche als „Braut“ gegenüberstehen), hat er doch die hohe Bedeutung von Ehe und Familie anerkannt. Dies zeigt sich unter anderem an seiner Teilnahme an der Hochzeit von Kana, wo er mit seiner Mutter und seinen Jüngern eingeladen war. Dort hat er auch sein erstes Wunder gewirkt, als er auf die Bitte seiner Mutter Maria Wasser in Wein verwandelt hat.

Im heutigen Evangelium geht es darum, dass Jesus Christus die Ehe als unauflösliche Gemeinschaft der Liebe und des Lebens schützen will. Es kann und darf nicht sein, dass die Ehescheidung oder gar die Wiederheirat bei noch lebendem verlassenen Ehepartner als etwas Normales hingestellt wird. Dem ursprünglichen Plan Gottes entspricht es nicht, dass ein Mann – wie Mose es wegen der „Herzenshärte“ des Volkes erlaubt hatte – eine Scheidungsurkunde ausstellen könne und seine Frau aus der Ehe entlassen dürfe.

Dies zu betonen, darf auch die Kirche in unserer Zeit nicht müde werden. Auch wenn es scheinbar modern ist, wechselnde „Lebensabschnittspartner“ zu haben und die eheliche Treue vielfach in Misskredit geraten ist (auch durch die mediale Darstellung und Aufbereitung von realen und fiktiven Skandalen und Affären), so gibt es doch bleibende Einrichtungen und Gegebenheiten, die das Menschsein als solches betreffen. Hierzu gehört die Unauflöslichkeit der vor Gott und der Kirche geschlossenen sakramentalen Ehe.

Wie viel an Sicherheit und Vertrauen ist doch in einer guten Ehe gegeben, wenn ein Partner dem anderen wirklich zusagt, dass er das ganze Leben lang mit dem Gatten oder der Gattin verbunden bleiben will! Es ist eine Gemeinschaft in guten und in bösen Tagen, in Freud und Leid. Das Leben mit der ständigen Ungewissheit, ob der Partner einen nicht verlässt, belastet viele Menschen, die zwar eine Beziehung eingehen, aber nicht den Mut und die Kraft haben, den letzten Schritt zu setzen und vor Gott und der Kirche ihr feierliches und uneingeschränktes „Ja“ zueinander zu sprechen. Und doch ist auch und gerade bei solchen unverheiratet zusammenlebenden Paaren oft die Sehnsucht da nach einer wirklich stabilen Verbindung, die der Ehe gleichkommt.

Gewiss: Die Ehe ist in der Weise, wie sie manchmal gelebt wird, in eine Krise geraten. Doch die Ehe als solche, als wirkliches Lebensideal, ist weiterhin von unschätzbarem Wert für Mann und Frau, für Kirche und Gesellschaft und nicht zuletzt für die Kinder, die aus dieser Verbindung hervorgehen.

Wie viel an Liebe und Geborgenheit können Kinder aus einer stabilen ehelichen Beziehung empfangen. Gibt es hingegen in der Partnerbeziehung der Eltern laufend Krisen und Spannungen, so belastet das auch die Kinder. Die vielen Ehescheidungen sind gerade auch auf diesem Hintergrund als Gefahr anzusehen, da sie das Fundament der Gesellschaft erschüttern und den Kindern als Hauptbetroffenen oft viel Leid und Schmerz bereiten.

Danken wir Gott, dem Herrn, dass es gute Ehe und Familien gibt. Ermutigen wir junge Leute, sich gut vorzubereiten und dann miteinander vor Gott und der Kirche den Bund der Ehe zu schließen! Es darf nicht sein, dass man einfach zusammenlebt und tut, als ob es keinen Unterschied gäbe zwischen Heiraten und nicht Verheiratet-Sein. Vor allem sind es die Kinder, die ein Recht haben auf eine gute Familie, in der die Eltern einander in Liebe verbunden sind und in der sie auch selber Glück und Angenommensein erfahren.

Als man Kinder zu Jesus brachte, damit er sie segnete, wandte er sich ihnen voll Liebe zu. Er wies sie nicht zurück, wie seine Jünger dies tun wollten, sondern sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“

Möge es auch vielen Eltern gegeben sein, die Kinder, die Gott ihnen schenkt, in Liebe anzunehmen. Offenheit für das Kind heißt gewiss auch auf manche eigenen Vorstellungen von unabhängiger Lebensplanung zu verzichten. In Wirklichkeit wird Ehepaaren, die bereit sind, Kinder anzunehmen und sie nicht durch Verhütung oder gar Abtreibung ausschließen, in Wirklichkeit viel mehr geschenkt als das, worauf sie um der Kinder willen verzichten.

Wer ein Kind aufnimmt und annimmt, der nimmt Gott selber auf, der es nicht gescheut hat, als Kind geboren zu werden von der Jungfrau Maria. Der Sohn Gottes wollte in einer menschlichen Familie aufwachsen. Der heilige Josef durfte die irdische Vaterstelle vertreten, die heilige Maria war dem Jesuskind eine liebevolle Mutter. Beide, Maria und Josef, waren einander in ehelicher Liebe verbunden. Auch wenn ihre Ehe den sexuellen Vollzug nicht verwirklichte (was gewiss eine einzigartige Ausnahme war), so waren doch Liebe und Treue gegeben.

Darauf kommt es auch heute an in unseren Ehen und Familien. Bitten wir Gott um seinen Beistand für alle Menschen, die eine Ehe eingehen wollen, sowie für alle, die schon verheiratet sind. Wenn Ehe und Familie gut gelebt wird, dann geschieht hier eine Vorwegnahme jenes Glücks, das wir alle beim himmlischen Hochzeitsmahl einst erfahren sollen! Amen