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Predigt:

28. Sonntag im Jahreskreis B (12.10.2003)

L1: Weish 7,7-11; L2: Hebr 4,12-13; Ev: Mk 10,17-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn wir eben die Worte gehört haben, leichter gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich komme, so mag uns das wohl etwas erschrecken. Schließlich gehören wir Menschen des westlichen Europa größtenteils zu den Wohlhabenden; im Vergleich mit den Bürgern der Entwicklungsländer sind wir tatsächlich „reich“, und auf diesem Hintergrund soll und kann uns das Wort Jesu durchaus unter die Haut gehen.

Was aber sollen wir tun? Wie können wir das Heil erlangen? Diese Frage zu stellen soll uns ein Herzensanliegen sein. Denn das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, dass wir vor lauter Sattheit und Selbstzufriedenheit die Sehnsucht nach der Erlösung durch Gott verlieren. Denn wer – scheinbar – schon alles hier auf dieser Erde hat, was braucht der noch etwas vom Himmel zu erwarten? So jedenfalls die Ansicht nicht weniger, solange es ihnen gut geht und sie materiell zufrieden gestellt sind.

Aber nochmals zurück zu unserem Problem: Sind wir als „Reiche“ abgeschrieben? Können Menschen, denen es materiell besser geht, das Heil nicht erlangen? Wenn der Vergleich mit dem Kamel und dem Nadelöhr wirklich stimmt, dann lautet auch unsere bange Frage an Jesus: „Wer kann dann noch gerettet werden?“

Er gibt uns eine Antwort der Ermutigung und des Trostes, indem er sagt: „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.“

Was heißt das? Gott verlangt nichts anderes und genau dies, dass wir unsere Selbstsicherheit, unser Selbstvertrauen fallen lassen und uns ganz ihm in die Arme werfen – wie ein Kind, mit grenzenlosem Vertrauen, ohne auf eigene Leistungen zu pochen oder an den eigenen Vorteil zu denken!

Wenn wir das tun und uns im Gebet dazu durchringen, dann sind wir wirklich frei. Wir erlangen eine Art von „geistiger Armut“, die nötig ist, um in das Reich Gottes einzugehen. Der von Jesus für den jungen reichen Mann geforderte Verzicht auf alles, was er hat, ist auch für uns nötig – zumindest dem Geiste nach. Sofern es uns möglich ist, mit den Notleidenden auch materiell zu teilen, soll uns auch das ein Anliegen sein.

Wir sollen die nötigen Dinge des Lebens besitzen und nutzen, als besäßen wir sie nicht. Es geht um eine Haltung innerer Losgelöstheit, die uns frei macht für uns selber, für unsere Mitmenschen und vor allem für Gott. Wer dazu fähig ist – und es ist bestimmt eine Gnade, die Gott uns schenken muss, die wir aber annehmen oder auch ablehnen können –, der empfängt einen Frieden, den die Welt mit all ihren Verheißungen und Verlockungen nicht geben kann. Der Vorgeschmack der ewigen Seligkeit, die wir einst in Gottes Herrlichkeit und Liebe im Himmel finden sollen, vermag uns schon auf dieser Welt zuteil zu werden.

Fassen wir also Mut, und haben wir Vertrauen! Verlieren wir uns nicht in der Sattheit dieser Welt, sondern öffnen wir unser Herz für Gott und die Mitmenschen. Was zählt, sind nicht Hass, Unversöhnlichkeit und Egoismus, sondern das offene Herz der Liebe, in der wir an das Gute glauben und dieses mit Gottes Kraft auch tun.

Könnte uns hier nicht besonders die heilige Gottesmutter Maria helfen? Sie verehren wir als Königin des heiligen Rosenkranzes. In diesem Gebet reinigt Gott die Wünsche unseres Herzens und lenkt uns hin auf das eigentliche Ziel unseres Lebens. Wenn wir uns als Kinder Gottes in die Schule Mariens, unserer Mutter, nehmen lassen, dann werden wir wahrhaft frei und sind bereit für das Kommen des Reiches Gottes. Wer glaubt und liebt, der darf hoffen! Lassen wir nicht nach im Guten und lieben wir Gott und den Nächsten mit all unseren Kräften. Dann erfüllen wir das Gebot Christi und werden das Himmelreich erben. Amen