Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag (Tag der Weltkirche)
19. Oktober 2003 (Lesejahr B)
L 1: Jes 53,10-11; L 2: Hebr 4,14-16; Ev: Mk 10,35-45

Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

An diesem 29. Sonntag im Jahreskreis begehen wir den „Weltmissionssonntag“, auch „Sonntag der Weltkirche“ genannt. Der Auftrag Jesu Christi an seine Apostel und Jünger, allen Völkern der Erde die frohe Botschaft zu verkünden, gilt auch für uns. Mission heißt Sendung, und wie Gott der Vater seinen Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist in die Welt gesandt hat, so sendet er auch uns zu den Menschen, dass wir das Evangelium von der rettenden Liebe Gottes bezeugen.

Es fügt sich, dass in diesen Tagen unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., sein 25-jähriges Pontifikatsjubiläum feiern kann. Wir sind Gott dankbar für diesen Papst, der schon seit einem Vierteljahrhundert die Kirche Gottes auf Erden als sichtbarer Stellvertreter Jesu Christi und als Nachfolger des Apostels Petrus leitet. Wie viel hat dieser Papst schon bewegen können bei Menschen aus allen Völkern und Ländern! Überall wo er hinkommt, legt er Zeugnis ab für den Glauben an Jesus Christus, den einzigen Retter und Erlöser der Welt.

Der Papst ruft alle Menschen dazu auf, Christus den Weg zu bereiten. „Öffnet die Tore für Christus!“ ist seine Einladung, der auch wir immer wieder Folge leisten sollen. Es geht darum, dass wir der Botschaft des Glaubens keine Hindernisse entgegenstellen, sondern bereit sind, auf Gottes Wort zu hören und es auch zu tun.

In diesem „Jahr der Bibel“ sollen wir empfänglich werden für die Botschaft des Evangeliums. Denn was wir uns selber im Geistes angeeignet haben, das vermögen wir auch zu leben und an andere weiterzugeben. So sollen wir bereit sein, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Das Gebet des Rosenkranzes kann uns helfen, die Glaubensgeheimnisse zu meditieren. Wir denken darüber nach, was Gott an uns Großes getan hat durch seinen Sohn Jesus Christus, der empfangen wurde vom Heiligen Geist und geboren wurde aus der Jungfrau Maria.

So ist es bestimmt das schönste Geschenk für unseren Heiligen Vater zu seinem Jubiläum, wenn wir unser eigenes christliches Leben erneuern. Es braucht lebendige Zeugen für Jesus Christus, Boten, die bereit sind, sein Wort der Wahrheit der Welt zu verkünden!

Beten wir auch für unseren Heiligen Vater, dass er trotz seines Alters und seiner Krankheit die Kirche noch gut zu leiten vermag, so lange es Gottes Wille ist!

Zum Weltmissionssonntag haben sowohl die Bischöfe Österreichs wie auch der Papst Botschaften herausgegeben. Die Bischöfe weisen darauf hin, dass wir an der Einzigartigkeit des Erlösers Jesus Christus festhalten müssen. Es gibt keinen anderen Weg zum Heil als den, den Gott selber uns in seinem Sohn durch die Kirche gewiesen hat. Als besonderen Schwerpunkt sehen die Bischöfe heuer die Aufmerksamkeit und Hilfe für das Land Ruanda, das vor einigen Jahren einen äußerst blutigen Bürgerkrieg mitgemacht hat. Aufbauarbeit und Friedensstiftung im Sinn des Evangeliums tun dort Not.

Der Heilige Vater ruft uns in seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag dazu auf, vor allem auf das Gebet zu vertrauen. Wie die Apostel im Abendmahlssaal mit Maria um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet haben, so möge auch die Kirche eins sein im Gebet, um so in ihrer Sendung gestärkt zu werden durch die Gabe des Heiligen Geistes. Das betrachtende Gebet des Rosenkranzes soll uns helfen im Streben nach Heiligkeit, die immer ein Geschenk Gottes ist und in der Vollkommenheit der Liebe besteht. Dann werden wir glaubwürdige Zeugen sein für das Evangelium. Weiters regt uns der Papst dazu an, „das barmherzige Antlitz Jesu in den Brüdern und Schwestern“ zu suchen, „insbesondere in den Armen und Notleidenden, und in all jenen, die dem Glauben und dem Evangelium fern stehen.“ Eine besondere Verwirklichung dieser Berufung ist sicher durch Mutter Teresa von Kalkutta geschehen, die an diesem Sonntag selig gesprochen wird. Wie hat sie doch in allen Armen das Antlitz Christi gesehen und Gott mit ihren Schwestern und vielen anderen Menschen gerade in den Notleidenden gedient!

Nochmals lädt uns der Heilige Vater dazu ein, den Rosenkranz zu beten, besonders im Anliegen des Friedens. Er schreibt: „Allen möchte ich empfehlen, das Gebet des heiligen Rosenkranzes auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene zu verstärken, um vom Herrn die Gnaden zu erlangen, derer die Kirche und die Menschheit ganz besonders bedürfen. Ich lade wirklich alle ein: die Kinder und Erwachsenen, die Jungen und die Alten, die Familien, die Pfarrgemeinden und die Ordensgemeinschaften. Unter den vielen Anliegen möchte ich auf das des Friedens hinweisen. Der Krieg und die Ungerechtigkeiten haben ihre Wurzel im geteilten Herzen. Wenn der Rosenkranz unseren Lebensrhythmus bestimmt, wird er zu einem bevorzugten Mittel, das in den Herzen der Menschen, in den Familien und unter den Völkern Frieden schafft.“

Danken wir Gott für seine Liebe, uns seien wir bereit, die Erfahrung des Glaubens ganz im Sinne des Missionsgedankens mit anderen zu teilen! Amen.

 

·        Papstbotschaft zum Weltmissionssonntag 2003

·        Hirtenbrief der Österreichischen Bischöfe zum Weltmissionssonntag 2003 (PDF)

·        Predigt des + Prälaten Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck zum Weltmissionssonntag

·        Weitere Predigten

 


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