Predigt:
Die Herrlichkeit der Verklärung
2. Fastensonntag B (04.03.2012)
L1: Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18; L2: Röm 8,31b-34; Ev: Mk 9,2-10
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als Jesus die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg führt, da wissen sie noch nicht, was sie dort oben erwartet. Vielleicht wird es irgendein schönes Naturschauspiel sein; denken wir nur an einen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang in den Bergen! Welche wunderbare Stimmung kann da die Natur vermitteln, und in dieser Schönheit öffnet sich sozusagen ein Fenster ins Ewige, ein Strahl von der Herrlichkeit Gottes erscheint uns.
Aber das was dann geschieht übersteigt alles natürlich Vorstellbare und Erfahrbare bei weitem: Nicht die Natur bietet ein Schauspiel, sondern an Jesus selbst geschieht Unbegreifliches. Er ist plötzlich ganz im Licht; und dieses Licht kommt nicht von der Sonne, sondern es ist ein Verwandelt-Werden von innen her, das Jesus hier widerfährt. Er selber strahlt auf in Herrlichkeit, und die Schönheit dessen, was sich den Zeugen der Verklärung hier bietet, ist etwas noch nie Dagewesenes, Einzigartiges.
Wie auf einer Bühne treten dann noch weitere Akteure oder Darsteller auf: Plötzlich sind Mose und Elija anwesend und unterhalten sich mit Jesus. Der Alte Bund – bezogen in Mose auf das Gesetz und in Elija auf die Propheten – begegnet dem Neuen Bund in Jesus Christus. Die alttestamentliche Verheißung erwartet die neutestamentliche Erfüllung. Jesus Christus ist der wahre Gesetzeslehrer; in ihm geht auch die Prophetie aller göttlichen Voraussagen in Erfüllung.
Und dann – unüberbietbar – bezeugt Gott der Vater selber gegenüber Christus: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Es ist gleichsam der Schlussakkord des übernatürlichen Geschehens auf dem Berg! Jesus Christus ist der Sohn Gottes; er ist der Vermittler der göttlichen Offenbarung. Auf ihn sollen und dürfen wir bauen. Er verkündet uns die Wahrheit und Liebe des himmlischen Vaters. Er weist uns den Weg in die ewige Herrlichkeit.
Weil aber all dies noch vor dem Tod und der Auferstehung Jesu geschehen ist, gibt er seinen Jüngern eine Weisung: Sie sollen anderen gegenüber nicht davon sprechen, was sie erlebt haben, „bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.“ Erst dann nämlich werden sie selber das Geschehene richtig einordnen können; und nach der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, der wiederum als der Verherrlichte erscheint, können die Apostel das Ereignis auf dem Berg als Vorankündigung des Kommenden begreifen. Es war wie ein Vorausleuchten jener Herrlichkeit, die Jesus Christus in der Auferstehung von seinem himmlischen Vater empfangen hat.
An diesen Herrn Jesus Christus glauben auch wir: Er ist als Mensch einer von uns geworden, und er hat das Leiden und den Tod auf sich genommen, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen. Amen
