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Predigt:

3. Adventsonntag B (15.12.2002)

L1: Jes 61,1-2a.10-11; L2: 1 Thess 5,16-24; Ev: Joh 1,6-8.19-28


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In dieser Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten sind wir bereits beim 3. Adventsonntag, der den Namen Gaudete trägt, angelangt. Freuet euch!, so lautet die Botschaft heute (entnommen den Anfangsworten der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher). Es ist einerseits die Vorfreude auf das kommende Fest, und andererseits ist es für uns, die wir bereits an Jesus Christus glauben, auch die Freude über das bereits Geschehene. Uns ist Gott bereits begegnet. Wir glauben schon an ihn, an den Immanuel, den Gott ist mit uns.

Johannes der Täufer spricht von dem, der mitten unter den Menschen steht, den sie noch nicht kennen. Johannes soll das Volk Israel auf den Erlöser vorbereiten. Auch uns ist Johannes der Täufer von der Liturgie der Kirche als adventlicher Wegweiser auf Christus hin gegeben. Er war der Vorläufer Christi, der letzte der alttestamentlichen Propheten, der bereits an der Schwelle zum Neuen Bund steht. Seine Bußtaufe am Jordan sollte die eigentliche Taufe des Messias vorbereiten.

Viele Menschen haben sich auf das Wort des Johannes hin bekehrt. Seine Predigt war mitunter drastisch. Wir würden heute vielleicht sagen: Es war eine Drohbotschaft. So kann man nicht reden! Und doch: Seine Worte waren von großer Liebe erfüllt, bei all ihrem Ernst. Es ging ihm um die Größe und Herrlichkeit Gottes und zugleich um die Menschen, denen Gott nahe sein will.

All das ist in Jesus Christus in Erfüllung gegangen. In ihm sind alle Sehnsüchte und Erwartungen der Menschen an ihr Ziel gelangt. Gott ist mit uns, er ist der Immanuel, den die Jungfrau geboren hat (vgl. Jes 7,14).

Wir können nun voll Zuversicht die Frage stellen: Wenn Gott mit uns ist, wer ist dann gegen uns? (vgl. Röm 8,31). Paulus fragt weiter: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Er gibt die Antwort: Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat (Röm 8,35.37). So können wir angesichts der zahlreichen Nöte und Gefahren des Lebens sagen: Nichts kann uns letztlich schaden und bedrängen, wenn Gott bei uns ist.

Ähnlich hat es die heilige Theresa von Avila formuliert, wenn sie die trostvollen Worte an uns richtet: Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe. Alles erreicht der Geduldige und wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt. Ja, Gott allein genügt (Solo Dio basta!)

Es ist der menschenfreundliche Gott, der uns im Kind von Bethlehem erschienen ist. Eben auf die Feier seiner Geburt bereiten wir uns im Advent vor, und dieses Geheimnis leuchtet uns heute schon auf! Bald werden wir voll Freude bekennen: Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes und Retters (vgl. Tit 3,4).

Menschwerdung Gottes! Das bedeutet unendliche Herablassung, unendliche Nähe. Gott wird einer von uns. Er begleitet uns, er ist unser Freund, er steht zu uns. Er verläßt uns nicht. Sein Bund mit uns bleibt ewig: Christus ist seiner Kirche treu. Nur wir können untreu sein, indem wir die Liebe Gottes nicht annehmen.

Die wirklich frohe Botschaft besagt: Im Leben und im Sterben ist Gott uns nahe. Das gilt besonders auch für Situationen der Angst und des Scheiterns, der scheinbaren Hoffnungslosigkeit. Auch wenn wir Gott nicht spüren, er ist bei uns!

Wie kann unsere Antwort darauf aussehen? Gottes Liebe zwingt uns nicht. Wir könnten ihn auch ablehnen und die selbstgewählte Einsamkeit, das selbstgewählte Scheitern, die ewige Nacht wählen und sie der ewigen Freude und Liebe vorziehen. Möge es anders sein und in unseren Herzen licht werden, wie es die Kerzen des Adventkranzes andeuten.

Unsere Antwort auf das Geheimnis der Menschwerdung Gottes soll sein: Glaube! Gebet! Hoffnung, Liebe!

Dem menschgewordenen Gott begegnen wir am innigsten im Empfang der hl. Sakramente: besonders in dem der Buße (Beichte!) und des Altares (hl. Eucharistie). Bemühen wir uns um die liebend-ehrfürchtige Begegnung mit dem menschgewordenen Gott. Bereiten wir uns neu vor auf die heiligen Geheimnisse, die wir Sonntag für Sonntag feiern.

Noch etwas wollen wir zum Abschluß bedenken: Der Weg, dem Gott und Menschen Jesus zu begegnen, führt uns zu Maria, seiner Mutter. Mit welch großer Liebe hat sie ihn empfangen und seine Geburt ersehnt. Ihr Herz hat keinen anderen Wunsch, als auch uns den unergründlichen Reichtum Christi zu offenbaren. In ihm finden wir alle Schätze der Weisheit, das Leben in Fülle. So kann uns Maria, die adventliche Ikone Christi, hinführen zum tiefen Glauben an die Menschwerdung des Sohnes Gottes. Wer sich von ihr geleiten läßt, wird gut sein Ziel erreichen  hier im Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe und einst in der ewigen Herrlichkeit in der unverhüllten Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht! Amen