Predigt:
Die unvergängliche Osterfreude der Christen
3. Sonntag der Osterzeit B (30.04.2006)
L1: Apg 3,12a.13-15.17-19; L2: 1 Joh 2,1-5a; Ev: Lk 24,35-48
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Worin besteht die Osterfreude der Christen? Wie wird sie sichtbar? Wodurch zeichnet sie sich aus? Gibt es etwas, das glaubende Menschen von Nichtglaubenden unterscheidet? Merkt man es den Christen wirklich an, dass sie erlöst sind?
Diese Fragen sind durchaus ernst gemeint. Wir bewegen uns damit nicht nur an der Oberfläche dessen, was wir wahrnehmen, sondern gehen in die Tiefe. Welche Freude soll uns Christen auszeichnen, wenn wir wirklich daran glauben, dass wir durch Christi Tod und Auferstehung erlöst sind von der Sünde und allem Bösen?
Als der Herr den Aposteln erschien, da freuten sie sich. Oder doch nicht? Wenn wir das heutige Evangelium aufmerksam betrachten, dann heißt es zuerst, dass die Jünger „erschraken“ und „große Angst“ hatten, als Jesus in ihre Mitte trat und zu ihnen sagte: „Der Friede sei mit euch!“ Seltsamerweise ist es also nicht spontane Freude, die sie erfüllte, sondern Furcht und Angst. Sie meinten nämlich, einen Geist zu sehen, wie der Evangelist Lukas erklärt. Und vor Geistern fürchtet man sich ja bekanntlich (falls man an sie glaubt)
Aber der Auferstandene möchte keineswegs, dass seine Jünger in dieser Angst und in diesen Zweifeln gefangen sind. Darum spricht er sie gleich direkt daraufhin an, indem er fragt: „Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“
Der auferstandene Herr geht auf die Zweifel und Ängste seiner Jünger ein. Er gibt ihnen Zeit zu realisieren, dass er es ist, der vor ihnen steht. Um ihnen alle Bedenken zu nehmen, fordert er sie dazu auf, ihn anzufassen, ihn zu berühren. „Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“, sagt er und zeigt ihnen seine Hände und Füße. Auf diese Weise können sie wirklich sehen, dass ER es ist, der gekreuzigte und jetzt auferstandene Herr!
Und dann kommt die Freude ins Spiel
Wir würden jetzt erwarten, dass diese Freude überschäumend ist und jede gegenteilige Überlegung und jeden Zweifel wegwischt und zum Verschwinden bringt. Und doch schreibt Lukas, dass sie zwar staunten, es aber „vor Freude“ immer noch nicht glauben konnten, dass Jesus vor ihnen stand. Welch ein Schauspiel! Offenbar gibt es Dinge, die so groß und wunderbar für uns sind, dass wir uns auch da noch schwer tun, sie zu glauben, wenn wir sie „sehen“ und sich die Wirklichkeit unmittelbar vor unseren Augen präsentiert.
Schließlich lässt sich Jesus Christus, der Herr, ein Stück gebratenen Fisches von den Jüngern geben und isst es vor ihren Augen. Langsam schwinden alle Zweifel, und die wahre Osterfreude setzt sich durch.
Würde es uns, liebe Gläubige, nicht auch ähnlich ergehen, wenn wir dem auferstandenen Herrn auf sichtbare Weise gegenüber stünden? Könnten wir sofort glauben und uns sofort freuen? Wohl kaum. Denn der Einbruch des Übernatürlichen in unsere Welt, den viele „aufgeklärte“ Zeitgenossen gar nicht für möglich halten, ist etwas derart Ungewohntes und Neues, dass der natürlich denkende Mensch damit einfach „überfordert“ ist: Gott selber muss dem Menschen das Licht seiner Gnade schenken, damit er glauben kann!
Wir wollen Gott auf die Fürbitte der heiligen Gottesmutter Maria um die wahre Osterfreude bitten, die aus einem festen Glauben an die Auferstehung Christi kommt. Die Kirche betet in dieser Osterzeit die Antiphon des „Regina Caeli“:
Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja!
Den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Halleluja.
Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja,
denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.
Lasset uns beten. – Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns durch seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.
In dieser Antiphon wird die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, die ja zusammen mit vielen anderen Frauen zur Gemeinde der ersten Jünger Christi gehörte, in besonderer Weise Anteil an der Freude des Auferstandenen erhielt. Wenn wir Maria, unsere himmlische Mutter, bitten, dass sie uns etwas von dieser Osterfreude schenkt, dann wird sie uns diese Bitte bestimmt erfüllen! Es ist eine Freude, die vom Heiligen Geist ins Herz gesenkt wird und die überfließt auf unsere Mitmenschen, auf unsere Umgebung. Jene Freude kann uns niemand nehmen, und sie wird sich einst vollenden in der ewigen Seligkeit, in der „unvergänglichen Osterfreude“ des Himmels, die wir von Gott erbitten. Amen
