Josef Spindelböck

Weihnachten wird an der Krippe entschieden

Predigt am 4. Adventsonntag
18. Dezember 2011, Lesejahr B

L 1: 2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16; L 2: Röm 16,25-27; Ev: Lk 1,26-38

Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Immer heller wird es, je näher wir dem Weihnachtsfest kommen. Die vier Kerzen des Adventkranzes drücken die freudige Erwartung aus, und der Kinderreim bezeugt es: „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier; dann steht das Christkind vor der Tür!“

Ja, ist es wirklich so? Wen oder was erwarten wir eigentlich zu Weihnachten? Warten wir noch auf das Christkind oder nicht doch auf die materiellen Güter, von denen manche nie genug bekommen können? Eine deutsche Elektronikkette („Media Markt“) verwendet den Werbeslogan: „Weihnachten wird unter dem Baum entschieden.“ Das will heißen: Es kommt allein auf die Geschenke an und deren Qualität und Preis. Doch wenn dies unsere einzige Hoffnung und Erwartung zu Weihnachten wäre, dann hätten der Materialismus und der Konsumrausch gesiegt!

Demgegenüber wollen wir als Christen sagen: „Weihnachten wird bei der Krippe entschieden.“ Auf die Geburt des menschgewordenen Sohnes Gottes kommt es an. Das Jesuskind ist das wahre Christkind, das wir erwarten. Es beschenkt uns mit seiner Liebe und mit ewigem Leben, und das ist mehr, als wir uns irgendwo kaufen können.

Die alttestamentliche Lesung aus dem zweiten Buch Samuel lässt uns teilhaben an der großen Verheißung, die Gott dem König David und dem ganzen Volk Israel gibt: Nicht David braucht für Gott den Herrn ein Haus zu bauen, also einen Tempel, sondern Gott selber wird für den König David und seine Nachkommen ein Haus errichten. Gemeint ist hier zunächst die davidische Dynastie, also die künftigen Herrscher aus Davids Haus. Aber vor allem ist es der kommende Erlöser, der Messias, der dem Haus Davids entstammen wird. Im Evangelium nach Lukas erfahren wir, um wen es sich handelt!

Der Jungfrau Maria wird vom Engel Gabriel gesagt, sie werde ein Kind empfangen; ihm solle sie den Namen Jesus geben. Das Einzigartige dieses Menschenkindes wird es sein, dass es „groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“ wird. Und als Bestätigung der alttestamentlichen Verheißung hört Maria die Worte des Engels: „Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“ Über das Haus Jakob, also über das Volk Israel, wird er „in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“

Die frommen Juden wussten, dass mit dem Erscheinen des Messias die Weltzeit an ihren entscheidenden Wendepunkt gekommen war. Nun beginnt wirklich die Heilszeit. Die Jungfrau Maria lebt ganz aus diesem alttestamentlichen Verständnis heraus, und so sagt sie nach kurzem Bedenken und der darauf folgenden Erklärung des Engels aus ganzem Herzen ihr Ja zur Menschwerdung des Sohnes Gottes.

Eben die Geburt dieses Kindes Jesus feiern wir zu Weihnachten; darauf bereiten wir uns vor. Die alles entscheidende Frage für uns wird sein: Glauben wir an dieses Kind? Sehen wir die Verheißung Gottes im Sohn der Jungfrau Maria erfüllt? Ist Jesus Christus auch für uns persönlich der Heiland und Retter, dem wir unser Leben anvertrauen wollen?

Wenn dies so ist, dann wird Weihnachten für uns nicht unter dem Baum entschieden, sondern unter dem Stern von Bethlehem, beim Kind in der Krippe. Amen.

 

 

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


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