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Predigt:

Vereint mit dem Leiden und Sterben des Herrn

5. Fastensonntag B (02.04.2006)

L1: Jer 31,31-34; L2: Hebr 5,7-9; Ev: Joh 12,20-33


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem Passionssonntag beginnt die unmittelbare Zeit der Vorbereitung auf Ostern. Es geht um die gläubige Verbundenheit mit dem Leiden und Sterben des Herrn Jesus Christus, mit seiner Passion. Dieses Leiden hat der Sohn Gottes als Mensch freiwillig auf sich genommen, um die Schuld der Menschen zu sühnen.

Das Wort „Sühne“ hat mit Versöhnung zu tun. Es geht um die Wiederherstellung des Friedens und der rechten Ordnung, die der Mensch durch seine Abkehr von Gott und durch das Tun des Bösen verletzt und zerstört hatte.

Die Sünde trennt den Menschen vom Quell des Lebens, sie sondert ihn ab von der Gemeinschaft mit Gott und den Mitmenschen. Während es dem Menschen möglich ist, dass er sich freiwillig von Gott abwendet und dadurch die heiligmachende Gnade verliert, ist es ihm umgekehrt nicht einfach möglich, dass er sich aus eigener Kraft aus dem selbstverschuldeten Fall wieder erhebt. Er kann sich nicht einfach wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf herausziehen. Dazu braucht der Mensch einen Retter, einen Erlöser.

Nun aber – so lehrt es unser christlicher Glaube – hat sich Gott selber des Menschen angenommen. Gott wollte nicht einfach den in Sünde gefallenen Menschen verurteilen, sondern er wollte ihn retten. Eben deshalb sandte er seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches, damit er als Mensch unter Menschen freiwillig die Schuld seiner Brüder und Schwestern auf sich nahm und stellvertretend für sie Sühne und Genugtuung beim himmlischen Vater leistete.

Vielleicht kommt der Einwand, ein solcher Gott, der den Tod seines Sohnes fordert, sei doch grausam. Von daher wäre die Vorstellung des Kreuzestodes Jesu als Sühneopfer für unsere Sünden abzulehnen. Wir müssen darauf antworten: Nicht mit menschlichen Kategorien können wir das Mysterium des Todes Jesu Christi erklären. Im Licht des Glaubens aber dürfen wir erkennen, dass Gott in allem und so auch hier ganz und gar Liebe ist. Aus Liebe sandte Gott seinen Sohn zu uns, aus Liebe gab sich der Sohn ganz in die Hände des himmlischen Vaters und nahm er freiwillig den Tod auf sich. Aus Liebe hat er uns erlöst.

Die Grausamkeit liegt nicht auf Seiten Gottes: Sie kommt allein von der Sünde, in die der Mensch aus eigener Schuld gefallen war. Das Geheimnis des Kreuzes zeigt, dass Liebe jedenfalls stärker ist als jede Grausamkeit. Durch seine Liebe hat der Sohn Gottes denHass der Welt besiegt und überwunden.

In der Nachfolge des Gekreuzigten und Auferstandenen sind auch wir dazu fähig, einander in der Liebe Christi zu begegnen, einander zu verzeihen und am göttlichen Leben teilzuhaben.

Insbesondere wollen wir uns dessen bewusst werden, dass im eucharistischen Opfer das Leiden und Sterben des Herrn sowie seine Auferstehung auf sakramentale Weise vergegenwärtigt werden. Das eine und einzige Opfer Jesu Christi am Kreuz wird hier vergegenwärtigt und setzt seine heilbringende Wirkung fort für alle Menschen aller Zeiten. Indem wir mit der Hingabe unseres Herzens am heiligen Messopfer teilnehmen, machen wir uns die Opferhingabe Christi zu Eigen und werden vereint mit seiner Liebe.

Der vor einem Jahr am 2. April 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. hat diese existenzielle Verbundenheit mit dem Kreuzesopfer Christi gerade durch sein Leben und Sterben auf eindrucksvolle Weise bezeugt. Wie er wollen wir uns der Gottesmutter Maria anvertrauen, damit sie uns auf mütterliche Weise beisteht, wenn wir das Kreuz unseres Lebens zu tragen haben. Die Hoffnung auf Auferstehung und Vollendung möge uns bereits jetzt mit Freude und Zuversicht erfüllen! Amen