Josef Spindelböck
Vater, verherrliche deinen
Namen!
Predigt am 5. Fastensonntag
29. März 2009, Lesejahr B
L
1: Jer 31,31-34; L 2: Hebr 5,7-9; Ev: Joh 12,20-33
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Evangelium des 5. Fastensonntags stellt uns die
Situation vor Augen, als sich Jesus vor
seinem Leiden und Sterben in Jerusalem einfand. Viele Menschen hatten schon
von Jesus gehört, von seinen Wundern und Taten, von seinen machtvollen Worten,
und er selber wusste, was er riskierte,
wenn er in Jerusalem öffentlich auftrat. Er hatte bereits zu viele Feinde; auch der Hohe Rat hatte schon
einen informellen Tötungsbeschluss
gefasst (Joh 11,53).
Doch als Jesus durch seine Jünger von der Sehnsucht vieler Menschen erfährt, die
ihn sehen und hören möchten, entspricht er diesem Wunsch. Er will sie nicht
enttäuschen, denn dazu ist er ja in die
Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis zu geben, wie er später Pilatus
gegenüber erklären wird (Joh 18,37).
Und so stellt uns Johannes im Evangelium dieses Sonntags
die letzte öffentliche Rede unseres
Herrn vor: Darin bekundet Jesus,
dass er um den Ernst seiner Lage weiß. Er ist bereit zum Leiden und Sterben am Kreuz, denn: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.“
Uns allen ist sein Verweis auf das Weizenkorn bekannt, den er an dieser Stelle macht: „Wenn das
Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber
stirbt, bringt es reiche Frucht.“ So wird auch sein eigener Tod, den er in Liebe zu den Menschen auf sich nimmt, reiche Frucht bringen für das Heil der
Menschen.
Es genügt aber nicht, dass wir Menschen bloß passiv
zusehen und wahrnehmen, dass unser Herr
den Tod auf sich nimmt. Er ruft alle
Menschen in seine Nachfolge, gerade in dieser unmittelbar bevorstehenden „Stunde“
seines Leidens, die zugleich seine Verherrlichung durch den himmlischen Vater
sein wird.
Denn wer jetzt untätig bleibt oder in falscher Sorge um
sich selbst nach eigener Sicherheit strebt, wird gerade das, was er sucht,
verlieren: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in
dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ Nicht im
Egoismus finden wir das Heil, sondern in der Selbsthingabe aus Liebe.
Und so ruft uns Jesus zur Nachfolge auf; dazu dass wir in seinen Dienst treten. Denn: „Wenn
einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“
Abschließend erklärt Jesus den Menschen noch den Sinn
seines bevorstehenden Leidens und Sterbens. Gott hält gleichsam Gericht über diese Welt; im Sühneopfer Christi am
Kreuz wird das Böse endgültig besiegt, auch wenn das Sterben Jesu zunächst wie eine Niederlage aussieht. Denn „jetzt
wird der Herrscher dieser Welt
hinausgeworfen werden.“
Und auf eindrucksvolle Weise kündigt Jesus auch die Art
und Weise seines Todes an, indem er spricht: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“
Der Gekreuzigte breitet die Arme aus über die ganze Welt
in Liebe und zieht alle Menschen zu sich. Zu ihm, dem am Kreuz Verherrlichten, den der himmlische Vater von den Toten erwecken wird, sollen sie
kommen und im Glauben an den Erlöser das Heil finden.
Auch wir blicken im
Geiste auf den Durchbohrten,
wenn wir jetzt die zwei Wochen der unmittelbaren Vorbereitung auf Ostern
beginnen. Das Johannesevangelium zeigt uns, dass im Leiden und Sterben des Gottessohnes ein verborgener Sinn waltet.
Der himmlische Vater hat Jesus „bereits verherrlicht“ und wird „ihn wieder verherrlichen“. Wer an den Sohn Gottes
glaubt, wie Maria und die übrigen treuen Jünger und Apostel, der wird mit
Christus leben, auch wenn er stirbt. Wir
brauchen nichts zu fürchten, wenn wir uns mit dem am Kreuz leidenden und
durch seine Liebe bis in den Tod zugleich triumphierenden Erlöser verbinden.
Die ewige Frucht
seines Leidens und Sterbens möge auch uns zuteil werden!
Amen.