Josef Spindelböck

Pilger des Friedens in Jerusalem

Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit
Lesejahr B, 10. Mai 2009

L 1: Apg 9,26-31; L 2: 1 Joh 3,18-24; Ev: Joh 15,1-8

Die liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Die erste Lesung aus der Apostelgeschichte erzählt vom eben bekehrten Saulus, der durch das Damaskuserlebnis zum Paulus geworden war. Nicht mehr wie zuvor suchte er nach Wegen, die Christen aufzuspüren und zu verfolgen, sondern jetzt trat er selber als Zeuge für den auferstandenen Herrn Jesus Christus auf, der ihm auf dem Weg nach Damaskus erschienen war.

Als er wieder zurückkam nach Jerusalem, da wollten die übrigen Christen dem neubekehrten Paulus zunächst nicht trauen: Sie konnten es einfach noch nicht fassen, dass er kein Christenverfolger mehr war, sondern jetzt zu ihnen gehörte. Erst durch die Vermittlung des Barnabas wurden die Jerusalemer Christen von der Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit der Bekehrung des Saulus-Paulus überzeugt. „So ging er [= Paulus] bei ihnen in Jerusalem ein und aus, trat unerschrocken im Namen des Herrn auf und führte auch Streitgespräche mit den Hellenisten. Diese aber planten, ihn zu töten.“ Paulus hatte also nicht nur Freunde, sondern auch Gegner und Feinde. Sein Bekenntnis zum Erlöser Jesus Christus bedeutete für ihn so manche Verfolgung, so manches Leiden. Dies alles aber ertrug er mit großer innerer Freude, denn für ihn war es der Inhalt seines neuen Lebens, dass er nun zu Christus gehörte. Er wollte das hinter sich lassen, was vergangen war (vgl. Phil 3,13), und nach vorne hin ausblicken, wo er von Gott den Siegeskranz des ewigen Lebens erwartete, der ihm bereitet war (vgl. 1 Kor 9,25).

In diesen Tagen sind wir über die Medien Zeugen eines anderen Jerusalempilgers: Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., besucht als Bote des Friedens und der Versöhnung das Heilige Land und kommt dorthin im Namen Jesu Christi. So wird er, nachdem er Jordanien verlässt, am Montag in Jerusalem erwartet; am Mittwoch ist er in Bethlehem, am Donnerstag in Nazareth und am Freitag wieder in Jerusalem, wo der Besuch endet.

Seit unser Herr Jesus Christus vor 2000 Jahren in Palästina gelebt hat und dort die Worte des ewigen Lebens verkündete und uns die Heilsgemeinschaft mit Gott schenkte, ist vieles geschehen. Nicht immer sind die Christen dem Wort ihres Erlösers und Meisters treu geblieben. Es gab so manche Uneinigkeit, Abfall vom Glauben, Verrat durch ein nicht dem Evangelium entsprechendes Leben. Und doch sind es viele gewesen, die wirklich ernst gemacht haben mit einem Leben aus dem Glauben. Sie waren gute Rebzweige am Weinstock, der Christus ist, und haben durch ihn reiche Frucht gebracht. Sie haben sich bemüht, das Gebot Christi nicht nur mit Worten zu bezeugen, sondern durch die Tat ins Leben umzusetzen: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“ (Joh 13,34)

Heute am Muttertag dürfen wir in Dankbarkeit an die vielen Frauen und Mütter denken, die in der Geschichte des Christentums aus der Kraft ihrer Gottverbundenheit und ihrer Liebe für ihre Familie da waren und es auch heute sind. Denn die Kraft des christlichen Glaubens ist als solche nicht verloren gegangen; und es sind auch in unserer Zeit viele Frauen und Mütter, die sich einsetzen für das Leben ihrer Kinder und die mit Engagement und Hingabe in Familie und Gesellschaft, in der Gemeinschaft der Kirche und auch im öffentlichen Leben wichtige Dienste ausüben. Ihnen, liebe Frauen und Mütter, sei von Herzen dafür gedankt!

Besonders wird aber ein jeder von uns heute an seine eigene Mutter denken und ihr – wenn sie noch lebt – ein Zeichen der dankbaren Liebe schenken! Jener Frauen und Mütter, die schon heimgegangen sind zu Gott, wollen wir im Gebete gedenken.

Wir bitten die Gottesmutter Maria, die Mutter unseres Herrn Jesus Christus und die geistliche Mutter aller Christen, dass sie in besonderer Weise bei Gott für uns eintritt und uns allen Gnade und Segen erfleht – für unsere Frauen und Mütter, aber auch für uns alle, die wir den Müttern so vieles Gute verdanken.

Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at