Josef Spindelböck
Die Zeichen des Reiches Gottes
Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis
8. Februar 2009, Lesejahr B
L
1: Ijob 7,1-4.6-7; L 2: 1 Kor 9,16-19.22-23; Ev: Mk 1,29-39
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns, dass sich die
von Gott geschenkte Erlösung schon in diesem Leben hier auf Erden auswirkt.
Gewiss: Wir erwarten die ewige und
selige Erfüllung und Vollendung unserer Hoffnung im Himmel, wenn wir Gott
schauen dürfen von Angesicht zu Angesicht. Doch schon hier auf Erden wird uns gleichsam ein Unterpfand, ein Angeld,
ein Vorgeschmack dessen geschenkt,
was da kommen soll.
Die vielen Wunder
und Zeichen, die Jesus wirkte, sollten den Menschen bewusst machen: Heute ist das Heil Gottes zu euch gekommen. Gott hat tatsächlich Großes getan an
seinem Volk, er schenkt allen, die auf ihn hoffen, die Erlösung. Die Krankenheilungen und Austreibungen von Dämonen aus
Besessenen waren machtvolle Erweise der
Güte Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist. Das Reich Gottes ist nahe!
Von einem Ort zum anderen musste Jesus ziehen, da die
Menschen auf ihn warteten. Auch wenn sie das Geheimnis seiner Gottheit noch
nicht erkannten, in welcher er eins ist mit dem Vater und dem Heiligen Geist,
so spürten diese Menschen spürten einfach: In Jesus von Nazareth ist uns Gott auf
einzigartige Weise nahe. Das eigentliche
Geschenk, das die an ihn Glaubenden empfingen, waren nicht die körperlichen
Heilungen, sondern die Gemeinschaft mit
Gott. Diese ist an sich etwas Unsichtbares, da sie sich im Herzen des
Menschen vollzieht und ereignet. Das „neue
Herz“, das uns Gott in der Gnade des Heiligen Geistes schenkt, zeigt sich
aber auch an „neuen Taten“, eben an Werken der Liebe. So hat unser Herr
Jesus Christus immer wieder klar gemacht, dass es nicht genügt, ihm nur wegen
der Wunder und äußeren Zeichen nachzufolgen. Die Bekehrung des Herzens und der Glaube an ihn, der in der Liebe wirksam
wird, ist das Wesentliche.
Für Gott macht es keinen
Unterschied, welches
„Vorleben“ ein Mensch geführt hat: Hauptsache, die betreffende Person macht dann
ernst mit dem Leben aus dem Glauben, wenn der göttliche Ruf an sie ergeht! Wir
Menschen urteilen da oft anders;
für uns sind manche Menschen schon endgültig abgeschrieben. Wir sind gar nicht
mehr bereit, ihnen eine erste oder gar eine zweite Chance zu geben, wenn sie
versagt haben. „Bei diesem oder jenem ist Hopfen und Malz verloren.“ So und
ähnlich urteilen wir und bedenken gar nicht, wie sehr wir durch eine solche selbstgerechte Haltung in der Gefahr stehen, uns selber vom Heil
auszuschließen.
Auch der Apostel
Paulus hat sich ähnlich wie sein Meister und Herr nicht geschont. In der
Nachfolge Christi ist er von einem Ort zum anderen gezogen und hat den Menschen
die frohe Botschaft von Jesu Tod und
Auferstehung verkündet. In der Lesung haben wir gehört, dass er sich
freiwillig gleichsam „für alle zum
Sklaven gemacht“ hat, „um möglichst viele zu gewinnen.“ Der Seeleneifer des Apostels Paulus möge
auch uns erfüllen. Gott sendet alle aus, die an ihn glauben, dass sie die
Botschaft vom Heil an andere weitergeben. In erster Linie ist hier das persönliche gute Beispiel verlangt.
Dann werden wir auch andere überzeugen können.
Lassen wir uns nicht
irritieren durch manche Vorgänge in Kirche und Welt! Jesus Christus schreitet auch heute
machtvoll durch die Welt, und wir dürfen seine Zeugen sein. Die Liebe zu Gott und zueinander soll das Unterscheidungsmerkmal aller sein, die
an Jesus Christus glauben. Auch wenn es mitunter zu Auseinandersetzungen kommt,
so soll der Weg zur Versöhnung immer
wieder offen stehen. Eben darum bemüht sich unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI., auch wenn es
Personen gibt, die seinen guten Willen in Frage stellen und sein gutes Wirken
durch ihr Verhalten oder ihre Worte belasten.
In diesem Sinn empfehlen
wir uns besonders der Fürbitte der Gottesmutter Maria, die wir am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, als „Heil der Kranken“ verehren. Gott möge seine rettende Macht an allen
zeigen, die körperlich oder seelisch
leiden; er möge alle aus der Finsternis
des Irrtums und der Sünde befreien und uns zu einem neuen Miteinander aus der Freude des Glaubens an Gott befähigen,
damit wir für alle Suchenden in der Welt zu einem Licht werden können, das
Hoffnung gibt und Leben verheißt!
Amen.