Predigt:
6. Sonntag im Jahreskreis B (16.02.2003)
L1: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46; L2: 1 Kor 10,31-11,1; Ev: Mk 1,40-45
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im heutigen Evangelium berichtet uns der Evangelist Markus von der Heilung eines Aussätzigen durch Jesus. Diese Krankheit ist in unseren Ländern kaum mehr bekannt. In manchen Entwicklungsländern tritt sie noch unter dem Namen Lepra auf, wobei sie heute, wenn sie frühzeitig erkannt wird, durch Medikamente wirksam bekämpft werden kann. Dafür sind andere Krankheiten an deren Stelle getreten, eine der schlimmsten ist wohl die Immunschwächekrankheit AIDS.
Im damaligen gesellschaftlichen Umfeld waren Aussätzige ausgeschlossen vom normalen Leben. Vor allem aus medizinischen, aber auch aus religiösen Gründen wurden sie gemieden und in eigene Wohnbereiche verbannt. Man wollte sich nicht anstecken und meinte wohl auch oft, jene Menschen seien von Gott gestraft aufgrund ihrer Sünden.
Die Haltung Jesu, wie sie uns in dieser Perikope so anschaulich vor Augen tritt, ist die vorbehaltloser Zuwendung. Er wendet den Blick nicht ab von diesen geächteten Menschen. Er schließt sich nicht der allgemeinen Meinung an, die die Aussätzigen abgeschrieben hat und nur mehr ihr Sterben erwartet. Als Jesus den vor ihm auf die Knie fallenden Aussätzigen sieht, erfaßt ihn tiefes Mitleid. Sein Herz ist voll Liebe und Erbarmen. Vor allem aber erkennt er den tiefen Glauben des kranken Menschen. Dieser spricht nämlich in voller Überzeugung: „Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde.“ Der Aussätzige sagt nicht: „Du mußt mich rein machen.“ Er bittet, und er läßt Jesus die Freiheit zu handeln. Aber er vertraut, und er glaubt.
Was dann folgt ist zweifellos ein Wunder: Jesus streckt die Hand aus, berührt ihn und spricht die Worte: „Ich will es – werde rein!“ Im selben Augenblick verschwindet der Aussatz. Hier zeigt sich auf eindrucksvolle Weise die Macht des Sohnes Gottes. Er kann Sünden vergeben und Krankheiten heilen. Er hat die Macht, alles Böse zu überwinden, ja selbst den Tod!
An dieser Tat und an vielen anderen Zeichen offenbart sich für alle sichtbar, daß das Reich Gottes angekommen ist. Es ist die Heilszeit, die mit dem Kommen Jesu Christi angebrochen ist. Er rettet und heilt aus allem Elend, er befreit die Menschen von aller Krankheit.
Wenn ein noch nicht glaubender, aber suchender Mensch heute danach fragt, wie er denn erkennen können, daß der christliche Glaube wahr ist, so gilt es auf die Worte und Taten Jesu Christi zu schauen, wie sie uns die Evangelien überliefern: Seine Worte sind Geist und Leben, voll innerer Kraft. Kein Hauch von Trug und Irrtum ist in seinem Munde. Die Taten Jesu sind Taten der Liebe und der Zuwendung zu den Menschen, denen er in den Nöten des Leibes und der Seele beisteht, immer auf einzigartig-göttliche und wunderbare Weise. Auf diese Weise zeigt sich, daß Jesus Christus der Gesandte des himmlischen Vaters ist, der der Welt das Heil und die Erlösung bringt. Ja, auch wir dürfen diesen Glauben bekennen: Jesus Christus ist der Retter der Welt! Und angesichts der Verwirrung in der Welt und der bei vielen anzutreffenden Glaubenslosigkeit müssen wir auch sagen: Es ist eine Gnade, daß wir den katholischen Glauben im Herzen tragen dürfen.
Noch einmal zum heutigen Evangelium: Nachdem der Aussätzige geheilt worden war, verbreitete er die Nachricht davon überall. Das Staunen der Menschen war groß, und alle strömten zu Jesus. Diesen Wundertäter wollten sie auch sehen! Es mag sich die Frage stellen, wieso Jesus dem Geheilten verboten hatte, das Wunder bekannt zu machen. Nach dem Willen Jesu hätte er einfach zum Priester des Tempels gehen und dort das Reinigungsopfer darbringen sollen, wie es Mose angeordnet hatte. Statt dessen ging er überall mit der frohen Nachricht herum.
Ein Grund dafür mag darin liegen, daß Jesus nicht das suchte, was man heute „Publicity“ nennt. Es ging ihm einfach darum, Gutes zu tun. Vor allem aber wollte er die Herzen der Menschen ansprechen in ihrer Suche nach dem Guten und Heiligen, das allein in Gott zu finden ist. Es war nicht sein Ziel, der Gaukler für eine sensationslüsterne Masse zu sein. Wer nur das Spektakel sucht, das äußerlich Wunderbare, und nicht zum Wesentlichen vordringt, nämlich zum Glauben und zur Hingabe des Herzens an den Willen Gottes, der hat Jesus noch nicht wirklich erkannt!
Eben darum ist auch die Zeit der vielen Wunder mit dem Leben Jesu zu Ende gegangen. Er hat seiner Kirche alles Nötige hinterlassen, alle Gnadenmittel und Heilsgüter. Er selbst ist auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt unter uns gegenwärtig: im Wort und im Sakrament sowie in der brüderlich-schwesterlichen Gemeinschaft. Aber was nun gefragt ist, ist der treue und hingebungsvolle Glaube. Gewiß, auch später sind Wunder geschehen in der Kirche Gottes. Manche Heilige haben diese wirken dürfen. Aber auch hier ist nicht das äußere Mirakel das Maßgebende, sondern die Einladung zum Glauben.
Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet. Wer nicht glaubt, wird verdammt werden, sagt Jesus einmal. Es geht um die Entscheidung unseres Lebens, zu der uns Gott in Liebe einlädt.
Danken wir Gott dem Herrn jeden Tag für unser Leben und die wunderbaren Gaben, die es bereithält. Gottes Liebe hat auch mit uns ihren Plan. Wir sind des ewigen Heiles bereits teilhaft geworden durch die Gnade der Taufe und der übrigen Sakramente. Einst soll sich all das vollenden in der himmlischen Herrlichkeit. Beten wir zur heiligen Gottesmutter Maria und zu allen Heiligen darum, daß wir im Glauben gestärkt werden, daß unsere Hoffnung wachse und die Liebe zu Gott und den Menschen allezeit unser Herz erfülle! Amen
