Josef Spindelböck
Vom Aussatz
geheilt und wie neugeboren
Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis
15. Februar 2009, Lesejahr B
L 1: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46; L 2: 1 Kor 10,31
- 11,1; Ev: Mk 1,40-45
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im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Im Evangelium dieses Sonntags
werden wir zu Zeugen jenes unbegrenzten
Vertrauens, das gerade kranke und von verschiedensten Leiden gequälte
Menschen gegenüber Jesus zum
Ausdruck gebracht haben. Ein Aussätziger
litt ja damals nicht nur an einer praktisch unheilbaren Krankheit, sondern war auch sozial
stigmatisiert. Alle mieden ihn aus Furcht vor Ansteckung, und er selbst
musste sich von den Wohn- und Aufenthaltsorten der übrigen fern halten. Er konnte
von Glück reden, wenn ihm wenigstens das nötige Essen bereit gestellt wurde,
sodass er den Rest seiner Lebenszeit auf diese isolierte und geächtete Weise
verbringen musste, fernab von allen, die er bisher kannte und die ihm zuvor
zugetan waren.
Dazu kam noch das alttestamentliche Gottesbild, das in Krankheiten und Unglücksfällen, die
den einzelnen oder die Gemeinschaft betrafen, allzu schnell und direkt eine Strafe Gottes sah. Wie schnell konnte
da das Vorurteil entstehen: „Dieser oder jener Mensch ist krank oder behindert,
er selber oder seine Eltern müssen wohl gesündigt haben!“ Und gewiss haben auch
die Betroffenen selbst unter diesen Vorstellungen gelitten und sich zugleich
mit der Erfahrung der Krankheit und des sozialen Ausgestoßenseins als Sünder
gefühlt, die Gott bestrafen will und die nicht wissen, ob er ihnen überhaupt
vergeben will.
Als Jesus Christus einen solchen Aussätzigen ganz selbstverständlich
annimmt und ihm Heilung und Heil schenkt,
da ereignet sich für den Betroffenen eine entscheidende
Wende in seinem Leben. Er fühlt sich wie
neugeboren. Ihm ist nicht nur die Gesundheit
neu geschenkt, was er nach menschlicher Einschätzung nicht mehr erwarten konnte,
sondern er darf auch wieder in seinen Freundes-
und Bekanntenkreis zurückkehren. Und vor allem: Gott selbst hat ihm gezeigt,
dass er nicht ausgeschlossen ist von
seiner Gemeinschaft der Liebe und des Lebens. Welche Freude, welcher Jubel
erfüllt da das Herz dieses zuvor so geplagten, wirklich armen Menschen!
Der geheilte Aussätzige vergisst
in seiner Freude auf die Weisung Jesu, er möge sich zwar den Priestern zeigen,
um sich die Heilung bestätigen zu lassen, im Übrigen aber nicht zu viel
Aufsehen von diesem Wunder machen. Denn Jesus möchte nicht, dass er einseitig
nur als Wundertäter bekannt wird. Doch der gute Mann geht umher und erzählt allen vom wunderbaren Wirken
Gottes!
In
unserer Zeit, liebe Brüder und Schwestern, gibt es Gott sei dank aufgrund der
medizinischen Möglichkeiten und sozialen Hilfestellungen viele der damaligen
Probleme nicht mehr. Doch wenn wir bestimmte Not in unseren Breiten nicht mehr
so ausdrücklich wahrnehmen, gibt es diese Not
und dieses Alleingelassensein
von Menschen dennoch. Kennen wir nicht alle vereinsamte Menschen, die keinen Anschluss an die Gesellschaft
finden, die von anderen gemieden werden oder die einfach „übersehen“ werden? Sind
es nicht sogar manchmal die eigenen Verwandten, die einen Familienangehörigen,
mit dem sie sich vielleicht schwer tun, links liegen lassen und sich nicht um
diese Person kümmern?
Wenn wir aufmerksam und mit dem Blick
der Liebe durch das Leben gehen, dann werden wir fremde Not wahrnehmen und vielleicht auch da oder dort helfen können oder zumindest etwas Trost und Erleichterung vermitteln
können. Und diese Erfahrung der Liebe und des Angenommenseins, die wir als
Christen den Kranken und Leidenden sowie den Ausgegrenzten vermitteln können,
ist vielleicht für die Betroffenen wie ein
Lichtstrahl der Liebe Gottes, die gerade für sie in diesem Augenblick
konkrete Gestalt gewinnt.
Lassen
wir auch ab von allem vorschnellen Urteilen, etwa nach der Art: „Dieser oder
jener hat sich sein Unglück selbst verdient!“ Zwar gibt es Zusammenhänge zwischen unverantwortlichen Handlungen und
Lebensstilen und gewissen daraus resultierenden Folgen; doch steht uns ein Urteil über die moralische Schuld eines anderen nicht zu. Wir können nicht ins Herz des
Nächsten blicken, und wissen nicht, was ihn vielleicht zu dieser oder jener
Entscheidung und Handlung getrieben hat. Das
letzte Urteil liegt allein bei Gott, welcher zugleich ein gerechter Richter
und ein barmherziger Vater ist!
Alle Armen und Leidenden
wollen wir der Fürbitte der Gottesmutter
Maria empfehlen. Sie sah die Not ihrer Mitmenschen und hat sich eben
aufgrund ihrer einzigartigen Gottesliebe auch für sie eingesetzt. Möge uns
Gottes Heiliger Geist in allem Guten stärken und uns zu Boten der Freude machen
für unsere Mitmenschen! Amen.