Josef Spindelböck
Die Gabe des Heiligen Geistes erbitten
Predigt am
7. Sonntag der Osterzeit
Lesejahr B, 24. Mai 2009
L 1: Apg 1,15-17.20a.c-26; L 2: 1 Joh 4,11-16; Ev: Joh 17,6a.11b-19
Die liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Bevor Jesus vor den Augen seiner Jünger in den Himmel auffuhr,
trug er ihnen auf, im Gebet das Kommen des Heiligen Geistes, des Beistandes und
Trösters, zu erwarten. Tatsächlich versammelten sich in der Folge die Apostel, die Jünger und die gläubigen Frauen,
zusammen mit Maria, der Mutter Jesu,
im Abendmahlssaal, wo sie in Hoffnung und Zuversicht ausharrten, bis die Gabe von oben, eben der Heilige Geist, in Gestalt von
Feuerzungen auf sie herabkam.
In ähnlicher Weise sind auch wir aufgerufen, um das Kommen des Heiligen Geistes zu beten. Wir
haben diesen Geist bereits empfangen in der heiligen Taufe und in der Firmung,
doch ist es gut, stets neu um seine Gaben zu bitten, damit der einmal
empfangene Geist sein göttliches Leben
in uns neu entfache und uns wirklich zu geisterfüllten Menschen mache.
Recht besehen ist ja die Gabe des Heiligen Geistes das
einzig Entscheidende und Notwendige für unser christliches Leben (vgl. Lk
11,13). Denn der Heilige Geist, der
Lebensspender, trägt in sich alle guten Gaben. Er schenkt uns in reicher
Fülle und im Übermaß, was wir zum Leben brauchen. Sowohl die Gaben der
Schöpfung als auch der Erlösung und Heiligung werden uns zuteil durch das
Wirken des Heiligen Geistes.
Jesus Christus hat uns das Vaterunser gelehrt als Ausdruck dessen, was wir vom Vater im Himmel
erbitten sollen. Darin kommt zwar der Heilige Geist nicht ausdrücklich vor, und
doch ist all das, worum wir im
Vaterunser bitten, ein Geschenk eben
dieses Heiligen Geistes:
-
Wir
beten darum, dass der Name Gottes
geheiligt werde. Nur Gottes Heiliger Geist kann uns wirklich erkennen lassen,
wer Gott ist und wie heilig sein Name ist.
-
Wir
beten darum, dass das Reich Gottes zu
uns komme. Das Reich Gottes ist die Gemeinschaft mit Gott dem Vater, dem
Sohn und dem Heiligen Geist. Gottes Heiliger Geist bewirkt die Ankunft dieses
Reiches. Wir sollen Gott um Gott selbst bitten!
-
Wir
beten darum, dass Gottes Wille geschehe.
Überall, wo der Wille Gottes geschieht, erfahren die Menschen das Wirken des
Heiligen Geistes. Gottes heiliger Wille ordnet alles auf das Beste. Im Heiligen
Geist sind wir befähigt, die Werke Gottes zu tun.
-
Wir
beten darum, dass uns das tägliche Brot
geschenkt werde. Sowohl die Gaben der Schöpfung als auch des Heiles haben in
Gott ihren Ursprung. Der Heilige Geist möge uns aufzeigen und unterscheiden
lassen, was wirklich notwendig ist und was uns zum Heile dient, damit wir nicht
durch falsche Versprechen und Verlockungen vom guten Weg abkommen.
-
Wir
beten darum, dass uns Gott die Schuld
vergebe. Nur Gottes Heiliger Geist kann unser Herz rein machen von aller
Sünde und uns mit dem göttlichen Leben erfüllen. Der Heilige Geist befähigt uns
auch zur gegenseitigen Vergebung und
zum Neubeginn.
- Wir beten darum, dass wir nicht in Versuchung geführt werden. Der
Heilige Geist stärkt uns in der Versuchung und Bedrängnis, dass wir treu
bleiben und Gott dienen. In allem mögen wir erfüllt sein von der Liebe zu Gott
und unseren Mitmenschen.
Der heilige
Philipp Neri, dessen Gedenktag am 26. Mai gefeiert wird, war so sehr vom Feuer des Heiligen Geistes erfüllt,
dass er dieses sogar in seinem Herzen spürte. Nach dem Tod waren an der Stelle des Herzens zwei Rippen
erhoben; ein Hinweis für die Glut
der Liebe zu Gott und den Menschen, die ihn erfüllte.
Vielleicht können wir in diesen Tagen bis Pfingsten das Vaterunser besonders in jener
Meinung und Absicht beten, dass wir Gott darin um die Gabe des Heiligen Geistes
bitten. Wir tun das in Einheit mit der
Jungfrau und Gottesmutter Maria. Sie ist die ganz Geisterfüllte; sie möge
uns durch ihre Fürbitte von Gott den Heiligen Geist, den Lebensspender,
erbitten.
Amen.