Josef Spindelböck
Durch Gott ist der Mensch groß
Homilie am Hochfest Christi Himmelfahrt
17. Mai 2012, Lesejahr B
L 1: Apg 1,1-11; L 2: Eph 1,17-23 oder
4,1-13; Ev: Mk 16,15-20
Die
liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Gewisse Zeitgenossen, die sich selber als
aufgeklärt und intelligent ansehen, meinen, es sei für einen intellektuell
redlichen Menschen angesichts der
Fortschritte in Wissenschaft und Technik nicht mehr möglich, an Gott zu glauben. Der Glaube an Gott wird zum
vorwissenschaftlichen Mythos erklärt, den man um des Menschen willen möglichst
bald verabschieden sollte!
Der
Mensch – so meinen diese Kritiker – können nur dann er selber sein und in
seiner wahren Größe erscheinen, wenn es keinen Gott gäbe. Der Gott, an den wir Christen glauben, wäre
gemäß dieser Vorstellung ein lästiger
Konkurrent des Menschen, der den Menschen bloß klein halten wolle; eine Art
Sklavenaufseher, gegen den es aufzustehen gelte, damit der Mensch autonom, also
unabhängig und frei sei und der Herr seines eigenen Schicksals sein könne.
Abgesehen
von der Hybris, also der Anmaßung,
die in einer solchen Sichtweise liegt: Ist
das wirklich unser Gottesbild? Beten wir als Christen einen Gott an, der
gleichsam auf die Menschen in ihrer Niedrigkeit angewiesen ist, um selber groß
und allmächtig zu sein?
Keineswegs! Gott ist
unendlich vollkommen
und braucht keine Geschöpfe, die er dann versklavt, um selber als Herrscher
dazustehen. Gott ist so groß und gut,
dass er es sich gleichsam leisten kann, freie
Wesen – Engel und Menschen – zu schaffen, die sich sogar gegen ihn
entscheiden können. Denn Gott, der die
Liebe ist, zwingt niemanden zu seinem Glück; er lädt aber alle ein in
sein himmlisches Reich, die bereit sind für seinen Ruf.
Das
Fest Christi Himmelfahrt ist ein
Beweis dafür, dass Gott Großes mit uns Menschen vorhat. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist als wahrer Mensch und Gott in die
Herrlichkeit des Himmels aufgefahren und sitzt dort zur Rechten des Vaters.
Im Tagesgebet der Messe heißt es ganz schlicht und doch tief: „Allmächtiger,
ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“
Der
Mensch als solcher ist erhöht worden durch die Himmelfahrt Christi! Jesus ist
ja einer von uns: er ist zugleich der wahre und einzige Sohn des Vaters; er hat aber durch seine Empfängnis und Geburt aus
der Jungfrau Maria auch unsere Menschennatur
angenommen und ist als Mittler zwischen
Gott und den Menschen heimgekehrt ins himmlische Vaterhaus. Das Menschsein als solches ist in der Person
des göttlichen Wortes emporgehoben in
den Bereich der Gottheit. Es gibt keine größere Erhöhung des Menschen, als
dies in der Himmelfahrt Christi geschehen ist.
Daher
ist Gott keineswegs ein Konkurrent des
Menschen, der dem Menschen seine Erfolge und Leistungen nicht vergönnen
würde! In der pastoralen Konstitution „Gaudium et spes“
hat das 2. Vatikanische Konzil festgestellt: „Der nach Gottes Bild geschaffene
Mensch hat ja den Auftrag erhalten, sich die Erde mit allem, was zu ihr gehört,
zu unterwerfen, die Welt in Gerechtigkeit und Heiligkeit zu regieren und durch
die Anerkennung Gottes als des Schöpfers aller Dinge sich selbst und die
Gesamtheit der Wirklichkeit auf Gott hinzuordnen, so dass alles dem Menschen
unterworfen und Gottes Name wunderbar sei auf der ganzen Erde. … Den Christen liegt es deshalb fern, zu glauben, dass die
von des Menschen Geist und Kraft geschaffenen Werke einen Gegensatz zu Gottes
Macht bilden oder dass das mit
Vernunft begabte Geschöpf sozusagen als Rivale dem Schöpfer gegenübertrete.
Im Gegenteil, sie sind überzeugt, dass die
Siege der Menschheit ein Zeichen der Größe Gottes und die Frucht seines
unergründlichen Ratschlusses sind“ (Nr. 34).
Das
Fest Christi Himmelfahrt lenkt unser
Herz zum Himmel, ohne es von unseren Aufgaben
auf dieser Erde abzulenken. Denn wir dürfen darauf vertrauen, wie das
Tagesgebet es formuliert, „dass auch wir
zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist …“
Amen.
· Predigten von Josef Spindelböck
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· Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger