Josef Spindelböck

Gottes Wort wird Fleisch

Predigt am Christtag
25. Dezember 2008, Lesejahr B

Messe in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr 1,1-6; Ev: Joh 1,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Etwas überspitzt könnte man sagen: Früher war es üblich, einander zu Weihnachten Briefe zu schreiben und Karten zu senden. Heute pflegen nur mehr wenige diesen Brauch: Telefon und Internet haben diese Form der Kommunikation in den Hintergrund treten lassen. Wahrscheinlich haben auch Sie schon einige Weihnachts-SMS oder E-Mails erhalten …!

Wie tritt Gott mit uns Menschen in Verbindung? Er wählt den bestmöglichen Weg der Kommunikation. Nicht mehr irgendwelche Worte und prophetische Ankündigungen sollten genügen, er wollte vielmehr selbst zu uns kommen. Dazu sendet Gott der Vater seinen Sohn, welcher das ewige Wort genannt wird, zu uns. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“, hören wir im Prolog des Johannesevangeliums.

Wir waren Gott nicht zu gering. So stieg er selbst zu uns herab. Am Anfang hatte Gott den Menschen aus dem Staub der Erde gebildet und ihm den Lebensatem eingeschaffen, heißt es in der Heiligen Schrift. Der Mensch war im Plan Gottes schon immer zur Unsterblichkeit, zu ewigem Leben in der Gemeinschaft mit Gott berufen.

Als der Mensch durch eigene Schuld die ursprüngliche Herrlichkeit und Gnade verlor, da überließ ihn Gott nicht seinem Schicksal. Immer wieder hat er den Menschen seinen Bund angeboten und ihnen schließlich in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus den Weg zum Heil aufs neue erschlossen.

Wer kann da auf Dauer gleichgültig bleiben, wenn Gott selbst zu uns kommt, wenn er einer von uns wird? Oder sollten wir das Licht, das in die Finsternis kam, übersehen? Wollten wir achtlos an dem vorbeigehen, der in die Welt kam und der jeden Menschen erleuchtet? Begreifen wir doch: Im Glauben an den menschgewordenen Erlöser liegt die Chance unseres Lebens!

„Wär´ Christus tausendmal zu Bethlehem geboren, doch nicht in dir: du bliebst noch ewiglich verloren.“ So singt der Dichter Angelus Silesius, und er hat recht. Denn zu Weihnachten kommt es darauf an, ob es ein Fest ist auch für unser Herz oder ob wir alles so an uns vorüberziehen lassen, als ob es uns nichts anginge.

Nehmen wir den Sohn Gottes auf, der Herberge nehmen will auch in unserem Herzen. Dann werden wir mit Friede und Freude erfüllt!

Wer den Sohn Gottes im Glauben annimmt, der wird zum Kind Gottes, heißt es im Evangelium nach Johannes. Gott teilt sein innerstes Leben mit uns. Er hebt uns empor auf seine Ebene, indem er zu uns herabsteigt. Ein wunderbarer Tausch vollzieht sich: Gott wird Mensch, damit wir zu Kindern Gottes werden. Wir gehören jetzt ganz zu seiner Familie, und er sorgt für uns in bestmöglicher Weise.

Dieses Glück, das wir von Gott empfangen, wollen wir freilich nicht für uns selber behalten. Es gilt, das Empfangene mit anderen zu teilen. Zum Ausdruck dessen beschenken sich die Menschen zu Weihnachten. Gott selbst hat uns das größte Geschenk gemacht: seinen Sohn. Machen wir auch uns selber zu einer Gabe der Liebe für die anderen – ganz sicher werden auch wir reichlich empfangen und froh werden im Herzen! Amen.

Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at