Josef Spindelböck

Der eine Gott in drei Personen

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag
Lesejahr B, 7. Juni 2009

L1: Dtn 4,32-34.39-40; L2: Röm 8,14-17; Ev: 28,16-20
Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die überhaupt „gottlos“ in dem Sinn sind, dass sie nichts Höheres über sich anerkennen und allein sich selbst zum Maßstab aller Dinge machen. Freilich leben viele so, als ob es Gott nicht gäbe (wir sprechen von „praktischen Atheisten“), und auch Christen geben mitunter ein schlechtes Beispiel, sodass sie durch ihre Taten in Widerspruch zu dem stehen, was sie mit den Lippen bekennen.

Die wirkliche Frage für jeden suchenden Menschen ist aber: Wer ist Gott? Wie können wir eine Vorstellung von ihm erhalten? Von welcher Art ist dieses „höhere Wesen“, das es doch aller Wahrscheinlichkeit nach einfach geben „muss“?

Die Religionsgeschichte der Menschheit gibt Zeugnis für diese tastende und oft auch irrende Suche der Menschen nach der Wahrheit Gottes. Was hat es doch für verschiedene Vorstellungen vom Göttlichen gegeben, das man teilweise in der Natur gesucht hat (z.B. in der Vergöttlichung der Sonne) oder auch in Werken von Menschenhand (wie den Statuen und Darstellungen mitunter regelrecht dämonischer Götzen)!

Und wir wären wohl für immer im Ungewissen geblieben, hätte nicht Gott selbst zu uns gesprochen durch die Patriarchen und Propheten im Alten Bund und durch seinen Sohn Jesus Christus und dessen Apostel im Neuen Bund. Gott wollte die Menschen nicht im Unklaren über sich lassen, sondern er hat sich uns geoffenbart: Er selber hat die Brücke zu uns geschlagen, indem er uns seinen Sohn gesandt hat und den Heiligen Geist!

Der heutige Dreifaltigkeitssonntag zeigt uns auf, zu welchem Gott wir beten dürfen: Es ist der eine und einzige Gott in drei Personen, der uns geschaffen, erlöst und geheiligt hat und der uns so sehr liebt, dass er alles für uns getan hat, was möglich ist. Er hat sich uns selbst geschenkt in seinem Sohn Jesus Christus und in der Gabe des Heiligen Geistes!

Hätten wir nicht diesen Glauben an den einen, dreipersönlichen Gott, dann wüssten wir nicht, zu wem wir beten sollten. Wir würden hilflos umherirren und im Ungewissen bleiben, ob Gott uns wirklich hört und erhört. So aber haben wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist die Zuversicht, dass Gott unser Vater ist und er uns liebt und zur ewigen Vollendung in seinem Reiche führen will.

Alle christlichen Gebete bringen die Beziehung zum persönlichen Gott zum Ausdruck: Die liturgischen Gebete zeigen uns, dass wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist zum Vater im Himmel beten. Weil Gott in seinem Wesen aber ein einziger ist und die drei göttlichen Personen nicht in Konkurrenz zueinander treten, darum ist es auch möglich und sinnvoll, dass wir direkt zu Gott dem Vater beten oder uns an Jesus Christus wenden oder an den Heiligen Geist. In allem beten wir den einen und dreifaltigen Gott an!

Gott ist uns nahe, weil er uns geschaffen hat. Er ist uns noch näher gekommen in seiner Liebe, weil die zweite göttliche Person – das ewige Wort oder der Sohn Gottes – Mensch geworden ist. Gott wohnt sogar durch den Heiligen Geist in unserem Herzen und ist uns auf diese Weise näher, als wir uns selbst sind und sein können. O unaussprechliches Geheimnis der göttlichen Gnade und Liebe!

Und diese kraft der Taufe geschenkte übernatürliche Teilhabe an Gottes eigener Natur macht uns in Jesus Christus auch untereinander zu Brüdern und Schwestern, da wir alle Kinder Gottes sind, die das ewige Leben erben sollen.

So können wir sagen: Der Glaube an den dreifaltigen Gott schenkt uns Kraft und Zuversicht für unser Leben. Wir sind nicht allein gelassen im weiten Universum, sondern von Gott ganz persönlich geliebt und angenommen. Er selber kümmert sich um uns und lenkt unser Leben, der ewigen Vollendung entgegen!

Die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria will uns durch ihr Beispiel und ihre liebevolle Fürbitte zum dreifaltigen Gott hinführen. Sie möge uns Gott als Vater zeigen sowie seinen Sohn Jesus Christus, den sie als Mensch empfangen und geboren hat, und den Heiligen Geist, der ihr Herz immer mit seiner Liebe erfüllt hat!

Amen.

 

·         Newsletter Sankt Josef

·         Bücher aus dem Verlag St. Josef

·         Predigten von Josef Spindelböck

·         Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·         Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger

·         Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at