Predigt:
Hochfest der Erscheinung des Herrn B (06.01.2003)
L1: Jes 60,1-6; L2: Eph 3,2-3a.5-6; Ev: Mt 2,1-12
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vielleicht haben Sie in den letzten Tagen einen ganz besonderen Besuch bekommen. Da hat jemand an Ihre Tür geklopft oder angeläutet oder Sie auf andere Weise auf das Kommen aufmerksam gemacht. Und plötzlich haben Sie den Besuch gesehen und gedacht: „Da sind sie wieder – die Heiligen Drei Könige!“ Im Rahmen der Dreikönigsaktion waren in ganz Österreich wieder die Sternsinger unterwegs, um für kirchliche Projekte in aller Welt zu sammeln und auf diese Weise unsere gläubige Solidarität wirksam werden zu lassen für die Ärmsten der Armen. Allen, die dafür offen waren und etwas gespendet haben, ein herzliches „Vergelts Gott!“
Heute am Hochfest der „Erscheinung des Herrn“ feiert die Kirche die Begegnung der Weisen aus dem Morgenland mit dem neugeborenen Jesuskind. Von ferne waren sie angereist. Da sie reiche Männer waren und die Reise weit war und lange dauerte, hatten sie vermutlich regelrechte Karawanen ausgestattet, wie wir dies ja auch an so manchen Krippendarstellungen beobachten können. Elefanten und Kamele, Träger und Begleiter, dazu viele kostbare Gaben, unter denen vor allem Gold, Weihrauch und Myrrhe Erwähnung finden, gehörten zu diesem hohen Besuch!
Die „Heiligen Drei Könige“, wie sie in der Volksüberlieferung genannt werden, durften die ersten Heiden sein, die das Jesuskind fanden und es anbeteten. Sie entstammten nicht dem jüdischen Volk, zu dem der Messias zuerst kommen wollte. Ihr Glaube mag sich verschieden gestaltet und geäußert haben. Auf jeden Fall waren sie suchende und gottesfürchtige Männer. Ihr Herz war offen für den Anruf der Gnade Gottes. So konnten sie dem Stern folgen, der eines Tages am Himmel zu sehen war und ihnen die Geburt eines großen Königs verkündete.
Wie sind wir zum Glauben an dieses Kind in der Krippe gekommen? Bei vielen wird es so gewesen sein, daß sie durch ihre Familie hineingewachsen sind in das christliche Glaubensverständnis und in die christliche Praxis. Wir wurden getauft und katholisch erzogen. Später im Leben hat es vielleicht so manche Krise gegeben, wo es uns nicht immer leicht gefallen ist zu glauben. Da mußten wir hindurch. Doch letztlich wurde uns dieser Glaube wieder neu geschenkt. Er hat sich in gewisser Weise gewandelt, indem er gereift ist, und ist doch derselbe geblieben. Hoffen und beten wir zu Gott, daß er diesen Glauben in uns stärken möge!
Es gibt aber auch den anderen Weg zum Glauben. Es ist der Weg jener, die aus der Ferne kommen. Sie ahnen zwar etwas vom unsagbaren Geheimnis, spüren in sich den unstillbaren Drang, dem Göttlichen zu begegnen, wissen aber noch nicht so recht, wo und wie sie dieses suchen und finden könnten. Da schlagen sie alle möglichen Wege ein; es können auch Irrwege dabei sein. Und plötzlich ist die Stunde der Gnade da. Es ist eine Stunde bewußter Entscheidung, aber noch mehr der Erwählung und Berufung, die uns ermöglicht wird durch die Begegnung mit jenem Gott der Liebe, den die Kirche verkündet und an den wir glauben. Diese Begegnung kann sich in verschiedener Weise vollziehen: durch den Kontakt mit gläubigen Menschen (Freunde, Ehepartner, Bekannte, ...) und ihr überzeugendes Beispiel, durch Anfragen und Diskussionen, durch die Lektüre eines guten Buches, ja sogar durch einen Film, der einen im Tiefsten ergreift, durch ein äußeres oder auch ein inneres Erlebnis, und vieles mehr. Letztlich ist es immer Gott selbst, der uns da anspricht. Er fragt den suchenden Menschen: „Bin ich es Dir wert, daß Du mir dein Ja gibst? Willst Du mir Dein Leben anvertrauen und es mir schenken?“
Selig jener Mensch, der dann wie die Weisen aus dem Morgenland seinem persönlichen Lebensstern folgt, der diesen nicht ignoriert oder bewußt beiseite schiebt. Denn auch das ist möglich. Wir können durchaus sagen: „Andere Dinge sind mir wichtiger in meinem Leben; wozu brauche ich Gott?“ Man kann den Ruf Gottes bewußt überhören, auf diese Weise geistig schwerhörig sein oder taub. Aber Gott lockt immer wieder. Er drängt sich zwar nicht auf, aber er lädt freundlich ein, sein Heilsangebot anzunehmen. „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20)
Wenn dann alle diese Gerufenen zur Krippe gekommen sind, dann gibt es ein großes Staunen! Von überallher sind sie gekommen, aus allen Himmelsrichtungen, aus allen Völkern und Nationen. Menschen aller Hautfarben sind dabei, aus allen Gesellschaftsschichten und allen möglichen Berufen. Hoch und niedrig hat sich da versammelt an der Krippe und kniet nieder. Gerechte und Sünder haben den Ruf Gottes gehört und sind der wunderbaren Gnadenführung Gottes gefolgt – entweder der Botschaft der Engel wie die Hirten oder auch dem Stern am Himmel wie die Weisen aus dem Morgenland. Sie haben nun das Kind in der Krippe gefunden, den Erlöser und Herrn. Glaubend knien sie nieder und beten an! Denn großes Heil ist uns widerfahren. Dankbarkeit erfüllt das Herz.
Ja, die Wege zum Glauben an den menschgewordenen Sohn Gottes sind vielfältig. Wichtig ist, daß wir hinfinden zum Wesentlichen der Botschaft. Das göttliche Leben ist uns erschienen. Wir sind durch die heilige Taufe zu Kindern Gottes geworden und sollen in dieser Gnade der Kindschaft leben. Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria und den heiligen Josef, uns das Kind in der Krippe zu zeigen. Möge Glaube, Hoffnung und Liebe unser Herz erfüllen. Dann vermögen wir Zeugen der frohen Botschaft zu sein. Vielleicht sind dann auch wir ein Stern für andere, die noch auf der Suche sind – daß auch sie zum Kind in der Krippe finden und es anbeten! Amen
