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Predigt:

Dem Stern der Wahrheit folgen

Hochfest der Erscheinung des Herrn B (06.01.2009)

L1: Jes 60,1-6; L2: Eph 3,2-3a.5-6; Ev: Mt 2,1-12


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Gott ist auf der Seite aller ehrlich nach der Wahrheit Suchenden. Das zeigt uns das Beispiel der Weisen aus dem Morgenland, die durch den Stern am Himmel geleitet den Weg zum neugeborenen Jesuskind fanden.

Wie hatten doch diese Männer aus einem fernen Land in heiligen Schriften und in der Beobachtung der Gestirne geforscht und Ausschau gehalten nach dem ihnen noch unbekannten Gott! Es müssen wahrhaft „weise“ Männer gewesen sein. Weisheit ist mehr als Wissen. Weisheit lehrt die Dinge in rechtem Licht zu sehen und die Ordnung der Welt zu erkennen. Die Weisheit vermag hinter allem Geschaffenen den Schöpfer alles Guten wahrzunehmen, Gott den Herrn.

Vergegenwärtigen wir uns den Standpunkt so mancher heutiger Wissenschaftler, so wäre es durchaus auch für die Gelehrten aus jenem fernen Land möglich gewesen zu sagen: „Wir wissen über alles Bescheid. Wir sind die Elite. Was kümmern uns die anderen?“ Sie hätten sich selbstzufrieden zurücklehnen können und den Stern am Himmel vielleicht gar nicht besonders beachten müssen. Wie leicht geschieht es, dass Menschen sich selbst überschätzen und in stolzer Selbstgefälligkeit jede weitere „Belehrung“ oder Erkenntnis von außen ablehnen, nach dem Motto: „Wir wissen schon genug. Wir haben alles durchschaut. Es gibt nichts mehr, was unserem Wissen noch verborgen wäre.“ War dies nicht die Geisteshaltung einer gewissen „aufgeklärten“ Wissenschaft in den Jahrhunderten des Fortschrittsglaubens, wo der Mensch plötzlich gemeint hat, alles wäre in seiner Macht und er bräuchte auch keinen Schöpfer mehr, um das Leben auf wahrhaft menschliche Weise führen zu können? – Katastrophale Erfahrungen insbesondere im 20. Jh. haben uns eines Besseren belehrt: Wo der Mensch sich selbst überschätzt und an die Stelle Gottes setzt, da findet er zu keiner wirklichen Verbesserung seines Lebens, sondern zur Gefährdung seiner selbst und zur Zerstörung, wie die Beispiele der Kriege und der Vergiftung der Umwelt beweisen.

Die Weisen aus dem Morgenland, die wir als die „Heiligen Drei Könige“ verehren, gaben sich nicht zufrieden mit dem Erreichten. Sie hielten Ausschau nach Größerem: nach etwas, das sich der Mensch nicht selber beschaffen oder herstellen kann, das er sich nicht selber verdankt, sondern das er sich letztlich nur „von oben her“ schenken lassen kann. So waren sie offen und bereit für die Gnade Gottes. Der Heilige Geist erleuchtete ihre Herzen und führte sie, sodass sie dem wunderbaren Himmelsereignis die rechte Deutung geben konnten und schließlich nach vielen Mühen und Gefahren zum Kinde Jesus hinfanden. In ihm erkannten sie den Retter der Welt, den König des Weltalls. Ihn beteten sie an und brachten ihm ihre Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Das hohe Fest „Erscheinung des Herrn“ ist ein Trost für uns alle und eine großartige Verheißung für all jene, die Gott aus ganzem Herzen suchen. Mögen sie auch noch so weit weg sein von der Wahrheit Gottes: Gott selbst wird jene suchenden Menschen eines Tages sicher zu ihm führen, wenn sie sich bemühen, ihrem „Stern“ zu folgen. Dieser Stern ist für einen jeden Menschen sein Gewissen, das ihm von Gott selbst eingestiftet ist. Es zeigt uns das Gute, das wir tun sollen, und ruft uns auf, das Böse zu meiden. Wer diesem Stern seines Lebens folgt und sich bemüht um ein Leben der Liebe, kommt Gott immer näher. Auch wenn er vielleicht den wahren Gott noch nicht kennt und den Erlöser noch nicht gefunden hat, so ist doch Gott bereits in verborgener Weise im Herzen dieses nach Wahrheit suchenden Menschen anwesend und lenkt ihn hin auf das eigentliche Ziel seines Lebens.

Wir wollen Gott danken, dass wir die frohe Kunde von der Menschwerdung und Erlösung durch den Sohn Gottes, Jesus Christus, vernommen haben. Ihn beten wir an wie die Hirten und wie die Weisen aus dem fernen Land. Ihn, den König des Weltalls, bitten wir um Frieden: in den Herzen, in den Familien, in der ganzen Welt. Er möge auch jene Menschen zu sich führen, die noch fern sind und seiner besonderen Barmherzigkeit bedürfen. Denn Gott will nicht, dass jemand verloren gehe; seine Liebe schließt niemanden aus. Er lässt auch in tiefster Finsternis einen Stern aufleuchten, dem es zu folgen gilt,  bis schließlich das Heil aufstrahlt in hellem Glanze. Amen.