Josef Spindelböck
Das Geheimnis lasst uns künden
Predigt an Fronleichnam
Hochfest des Leibes und Blutes Christi
Lesejahr B, 11. Juni 2009
L 1: Ex 24,3-8; L
2: Hebr 9,11-15; Ev: Mk 14,12-16.22-26
Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Fronleichnamsfest zeichnet sich aus durch die Eucharistiefeier und die damit verbundene feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten sowie durch die viermalige Verkündigung des Evangeliums an den Prozessionsaltären und den damit verbundenen Segen.
An vielen Orten ist diese so festlich gestaltete Prozession ein großartiges Schauspiel und Ereignis. Daran, dass sich möglichst viele beteiligen, vor allem auch Kirchenchor, Musikkapelle und Vereine, zeigt sich, dass es hier um ein gemeinsames Anliegen geht: Gott möge unter uns mit seiner Liebe gegenwärtig bleiben und seinen Segen in reicher Fülle ausgießen über unseren Ort und seine Bewohner!
Was aber ist das Besondere des Fronleichnamsfestes? Wie würden wir als Glaubende einem Außenstehenden das erklären, was wir feiern?
Dazu ist es nötig, auf das Zentrum dieser Prozession zu schauen: Die Pfarrgemeinde feiert nicht sich selbst, und auch der Priester steht nicht im Mittelpunkt, sondern es ist der bei uns in der Brotsgestalt anwesende Herr Jesus Christus! Um ihn geht es, ihn beten wir ihn, ihn loben und preisen wir. Denn das „Allerheiligste“ ist ja Gott selber, der Mensch geworden ist und der uns im Sakrament der Eucharistie seine bleibende Gegenwart geschenkt hat.
Dies alles bringen die Kirchenlieder zum Ausdruck, wie sie besonders an diesem Fest gesungen bzw. auch in der Form von Prozessionsmärschen dargeboten werden. Wir glauben fest und unerschütterlich, dass unser Herr Jesus Christus uns im wunderbaren Sakrament des Altares das Gedächtnis seines Leidens und seiner Auferstehung hinterlassen hat, wie es im Tagesgebet der Messe heißt.
Die Anbetung, die wir dem bei uns im Tabernakel bzw. in der ausgesetzten Monstranz gegenwärtigen Herrn erweisen, gilt nicht einem Stück Brot, wie es der Augenschein nahelegt, sondern dem lebendigen Christus, der am Kreuz gestorben und am dritten Tag von den Toten erstanden ist. In der Sequenz heißt es: „Doch wie uns der Glaube kündet, der Gestalten Wesen schwindet, Fleisch und Blut wird Brot und Wein. Was das Auge nicht kann sehen, der Verstand nicht kann verstehen, sieht der feste Glaube ein.“
So gelten uns die Worte des Herrn, die er zum Apostel Thomas
gesprochen hat: „Selig sind, die nicht
sehen und doch glauben!“
Eben dieser Glaube an die Realpräsenz des Herrn, d.h. an seine wirkliche und wesentliche Gegenwart unter den Gestalten von Brot und Wein, führt uns hin zum Opfer unserer Erlösung, das Jesus am Kreuz dargebracht hat und bei jeder heiligen Messe auf unblutige Weise vergegenwärtigt wird.
In der heiligen Kommunion schenkt sich uns Jesus ganz und wird unsere Nahrung auf dem Pilgerweg des Lebens hin zu Gott. Wir freuen uns, dass auch die Erstkommunionkinder an dieser Prozession teilnehmen, da sie auf diese Weise ihrer Freude über die Begegnung mit Gott Ausdruck verleihen.
Gott geht mit uns auf unserem Lebensweg; er begleitet uns in seiner Liebe und Treue. Unsere Freude und Dankbarkeit für diese Wahrheit wollen wir durch die Prozession mit dem Allerheiligsten auf sichtbare Weise kundmachen.
Möge durch die Mitfeier der heiligen Messe, durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus in seinem Wort und Sakrament sowie durch die Anbetung des unter der Brotsgestalt gegenwärtigen Herrn uns allen die Frucht der Erlösung in reicher Weise zuteil werden!
Amen.
·
Bücher
aus dem Verlag St. Josef
·
Predigten von Josef Spindelböck
·
Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder
·
Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard
Öhlinger
·
Predigten von + Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck