Dr. Josef Spindelböck
Predigt am Fest des Weihetages der
Lateranbasilika
9. November
2003
(32. Sonntag
im Jahreskreis, Lesejahr B)
L 1: Ez
47,1-2.8-9.12; L 2: 1 Kor
3,9c-11.16-17; Ev: Joh 2,13-22
Die aktuellen Messtexte finden Sie im Schott!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es uns vielleicht überraschen,
dass an diesem Sonntag ein Kirchweihfest gefeiert wird. Manches wird uns
klarer, wenn wir daran denken, welche Kirche im Mittelpunkt dieses Festes
steht: Es ist die dem allerheiligsten Erlöser und seit dem 12. Jahrhundert auch
dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Lateranbasilika in
Rom. Sie führt den Titel „Mutter und
Haupt aller Kirchen des Erdkreises“. Bereits Kaiser Konstantin hat die
Kirche errichtet, und sie wurde im Jahre 324 von Papst Silvester I.
konsekriert.
Von daher ist die Feier dieses
Festes ein Ausdruck der Verbundenheit
mit der Weltkirche. Die Kirche existiert in den einzelnen Teilkirchen oder Diözesen, welche man
auch gern als Ortskirchen bezeichnet. Wesentlich sind die Zugehörigkeit zu
einer Pfarre und die gemeinsame
Feier der hl. Messe. Doch gerade hier, im Gottesdienst der Pfarre, werden wir
immer wieder verwiesen auf die notwendige Einheit mit dem Bischof als dem verantwortlichen Hirten der Diözese und dem Papst als dem obersten Hirten der
Gesamtkirche. Die von Christus eingesetzten Hirten leiten das Volk Gottes und
sollen es der ewigen Vollendung im Reiche Gottes entgegenführen.
Unter „Kirche“ verstehen wir
nicht nur ein besonderes Bauwerk, das wegen seines Alters und künstlerischen Wertes
dem Denkmalschutz unterliegt. „Kirche“ meint vielmehr die von Gott dem Vater
zusammengerufene und im Heiligen Geist geeinte Gemeinschaft all jener, die an Jesus Christus glauben. Wenn man
mitunter die Meinung hört: „Ich glaube an Gott, aber ich brauche keine Kirche
dazu!“, oder auch den Slogan „Jesus ja,
Kirche nein“, so klingt das vordergründig plausibel, und doch ist es grundfalsch. Der Glaube an Gott ist
nämlich nicht etwas Individuelles und Subjektives, sondern etwas Gemeinsames
und uns von Gott her Übergebenes. Der heilige Paulus hat einmal die Frage
gestellt, wie denn die Menschen an Gott glauben könnten, wenn niemand da wäre,
der gesandt ist, diesen Glauben zu verkünden (vgl. Röm
10,14 f). Wir brauchen die Apostel und Zeugen des Glaubens. Die Kirche ist von
Anfang an auf das Amt der Apostel gegründet, deren Nachfolger die rechtmäßig
bestellten Bischöfe sind.
Bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten war es wichtig, dass
die einzelnen „Kirchen“ in der Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe
untereinander standen. Es sollte auch dort, wo man räumlich getrennt war,
letztlich nur eine Herde und einen
Hirten geben. Zur Sicherung dieser Einheit hat Jesus den „Felsenmann“, nämlich Simon Petrus bestimmt, der im jeweiligen
Bischof von Rom, dem Papst, seinen Nachfolger findet. Damit die Kirche wirklich
katholisch, d.h. allumfassend und weltumspannend, ist, müssen die einzelnen
Teilkirchen oder Diözesen in Einheit miteinander und mit dem Haupt aller
Kirchen des Erdkreises, nämlich der römischen Kirche, stehen, die vom Papst
geleitet wird.
Diese Bindung an das sichtbare
Oberhaupt der Kirche ist von Christus gewollt, der seiner Kirche auch heute
noch beisteht und in ihr gegenwärtig ist. Wir dürfen uns nicht von der
Glaubenseinheit in der Verbindung mit dem
Papst und dem Bischofskollegium abtrennen lassen. Es gilt vielmehr, diese
Zugehörigkeit zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche mit
Dankbarkeit anzunehmen und ein frohes Zeugnis dafür zu geben.
Was erwarten Nichtglaubende und Suchende von uns? Wir sollen zu dem
stehen, wovon wir überzeugt sind. Der Glaube an Gott ist nicht etwas, wofür wir
uns schämen müssten, sondern ein Licht, das unser Herz erleuchtet und auch
anderen Menschen Hoffnung zu geben vermag.
Die Vollendung der Kirche als
Gemeinschaft der Glaubenden erwarten wir in der Herrlichkeit des himmlischen Jerusalem. Dort wird
unbeschreiblicher Jubel sein, und einer wird sich am Glück des anderen
mitfreuen. Die himmlische Kirche der Engel und Heiligen (die „triumphierende
Kirche“) ist es, die uns auch jetzt begleitet, wenn wir (als „streitende
Kirche“) noch auf Erden „im Tale der Tränen“ pilgern. Zur Kirche gehören auch
die Seelen jener Verstorbenen, die im Reinigungsort (Fegefeuer) noch geläutert
werden und der Anschauung Gottes entgegengehen („leidende Kirche“).
Wer dürfte schließlich die Mutter
der Kirche vergessen, die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria? Sie kennt uns und sie liebt uns.
Unter ihrem Schutz sind wir geborgen. In ihr verwirklicht sich die mütterliche Dimension der Kirche, die
ebenso wichtig ist wie ihr hierarchisches Element! Möge uns die Freude an der
Kirche Gottes erfüllen, damit wir Zeugen der frohen Botschaft Gottes sind bis
an die Grenzen der Erde. Amen.
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Predigt zum Weihetag der Lateranbasilika von + Prälaten
Univ. Prof. Dr. Ferdinand Holböck
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