Predigt:
Christus, der Herr, ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!
Ostersonntag B (16.04.2006)
L1: Apg 10,34a.37-43; L2: Kol 3,1-4 (oder: 1 Kor 5,6b-8); Ev: Joh 20,1-18
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Im Glaubensbekenntnis beten wir Sonntag für Sonntag, dass wir an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, unseren Herrn, glauben, der unter Pontius Pilatus gelitten hat, gekreuzigt wurde, gestorben ist und begraben wurde, der in das Reich des Todes hinab gestiegen ist und am dritten Tage von den Toten auferstanden ist.
Bei diesem Bekenntnis handelt es sich nicht einfach um eine „trockene Glaubensformel“, die für unser Leben ohne Bedeutung wäre. Im Gegenteil! So wichtig ist der Kirche der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi, dass es einfach ganz wesentlich zum Christ-Sein gehört, die Auferstehung zu bejahen und auch zu bekennen. Wer dies nicht tut, ist kein Christ mehr. Das Osterfest lässt uns die Freude an der wirklichen Auferstehung des Herrn gemeinsam feiern und erfahren. „Der Herr ist wahrhaft auferstanden“ (Lk 24,34). Mit dem Bekenntnis zur Auferstehung Christi von den Toten steht und fällt der christliche Glaube.
Wäre der Kreuzestod Jesu das Ende gewesen, könnten wir uns nicht Sonntag für Sonntag versammeln, um im heiligen Messopfer den Tod und die Auferstehung Christi zu feiern. Wäre Christus nicht auferstanden, dann gäbe es keine christliche Taufe zur Vergebung der Sünden und zur Annahme in der Kindschaft Gottes, denn wir würden dann nicht in Wasser und Heiligem Geist mit Christus begraben und mit ihm auferweckt. Gäbe es keine Auferstehung von den Toten, dann wäre unser Glaube sinnlos, wie der Apostel Paulus schreibt (vgl. 1 Kor 15,12–14). Wir wären dann noch in unseren Sünden, es gäbe keine göttliche Vergebung und kein ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit.
Das Evangelium nach Johannes berichtet uns von den Schwierigkeiten der Apostel und Jünger mit dem Osterglauben. Das Erlebnis des Leidens und der Kreuzigung des Herrn sowie sein Tod müssen so furchtbar für sie gewesen sein, dass sie es zuerst nicht wahrhaben wollten, dass am dritten Tag nach der Kreuzigung etwas geschehen war. Selbst als sich Petrus und Johannes persönlich überzeugten, dass das Grab leer war, kamen sie noch nicht zum Osterglauben. Es heißt zwar, dass der „andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein“ ging; „er sah und glaubte.“ Unmittelbar anschließend wird aber festgestellt, dass sie „noch nicht aus der Schrift“ wussten, „dass er von den Toten auferstehen musste.“ Es handelt sich beim Anblick des leeren Grabes also noch nicht um den Osterglauben. Es ist eher ein menschliches sich Vorantasten, um dem Unbegreiflichen näher zu kommen. Der Osterglaube begegnet uns erst später, als Jesus Christus selbst den Aposteln als der Auferstandene erscheint, mit ihnen spricht, sich von ihnen berühren lässt und mit ihnen isst und trinkt.
Früher als die Apostel hat allerdings Maria Magdalena zum Glauben an den auferstandenen Herrn gefunden. Sie meinte zuerst, dem Gärtner zu begegnen; doch als sie der Fremde mit ihrem Namen ansprach („Maria“), da erkannte sie, dass es der Herr war. Welche Freude und welcher Jubel erfüllten nun ihr Herz! Sie wollte Jesus, den auferstandenen Herrn, am liebsten festhalten, doch er hinderte sie daran und trug ihr auf: „Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ Und „Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.“ Auf diese Weise hat diese mutige Frau als erste den übrigen Jüngern und den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung Jesu verkünden dürfen.
Auch wenn man ihren Worten zuerst mit Skepsis begegnet ist, so kam es in der Folge doch auch zu Begegnungen der Jünger und Apostel mit dem auferstandenen Herrn. Er zeigte ihnen, dass er wirklich lebt. Sein Leib, mit dem er gelitten hatte und gestorben war, war nun verklärt und verherrlicht. Er war nicht mehr den Gesetzen des Raumes und der Zeit unterworfen, und dennoch war es dem Auferstandenen möglich, mit den Jüngern zu essen und zu trinken. Mit der Auferstehung Jesu trat alles Bisherige in ein neues Licht. Der Tod Jesu am Kreuz wurde nicht mehr als Niederlage gesehen, sondern als Sieg der Liebe Gottes über alles Böse verstanden.
Mit der Auferstehung Jesu wurde eine Hoffnung in die Herzen der Glaubenden eingesenkt, die unzerstörbar ist: Denn der Auferstandene verheißt auch uns Anteil an seinem Ostersieg und ewiges Leben! Auch unser Leib wird einmal auferweckt werden, und der ganze Mensch soll mit Leib und Seele hinein genommen werden in die Herrlichkeit Gottes. Als Christen glauben wir, dass Jesus Christus lebt, denn er ist wahrhaft auferstanden. Machen wir diese Botschaft in der ganzen Welt bekannt, denn sie ist der Ursprung und der Quell wahrer Freude! Amen
