Josef Spindelböck

Mit Christus zum Leben gelangen

Predigt am Ostersonntag
Lesejahr B, 12. April 2009

L 1: Apg 10,34a.37-43; L 2: Kol 3,1-4 oder 1 Kor 5,6-8; Ev: Joh 20,1-18

Die liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

„Gott aber hat Jesus am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen“: Mit diesen Worten verkündet der Apostel Petrus in seiner Pfingstpredigt den versammelten Menschen die unerhörte Wahrheit von der Auferstehung Jesu Christi. Wir, die wir an Gottes rettende Macht glauben dürfen, freuen uns, dass Jesus lebt!

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu ruht auf dem festen Fundament vieler Zeugen, denen Jesus erschienen ist. Sein Offenbarwerden war nicht eine flüchtige Begegnung und auch nicht einfach eine intensive Vision, die jemand haben mag, wenn er entrückt ist und dabei vielleicht sogar wirklich Gott begegnet, wie es manchen Heiligen zuteil geworden ist. Die Erscheinungen Jesu sind lebendige Ereignisse, wo das Übernatürliche machtvoll hereintritt in unsere Geschichte. Wo es um so Wesentliches geht wie bei der Auferstehung, wollte Gott nicht, dass wir auf einem unzuverlässigen Fundament stehen. Jede Art von Leichtgläubigkeit oder Fantasterei sollte ausgeschlossen werden, damit wir nicht in die Irre laufen, wenn wir Jesus Christus als den Gekreuzigten und Auferstandenen bekennen. Denn „als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden“, verkündet uns der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief. Sein Opfer am Kreuz hat uns gerettet; es erweist seine Macht in der Auferstehung des Herrn, an der auch wir teilhaben sollen.

Die Auferstehung Christi sprengt alle Grenzen menschlicher Vorstellungskraft. Um uns zu vermitteln, dass der Erlöser wahrhaft lebt, hat er sich unserer Wahrnehmungsweise angepasst und ist zuerst den Frauen, dann den Aposteln und vielen anderen Jüngern erschienen. Jesus hat sich berühren lassen; er hat sogar mit ihnen gegessen und getrunken, um ihnen wirklich klar zu machen, dass sie keiner Einbildung oder Suggestion erlegen sind, sondern dass er lebt und bei ihnen ist. Zugleich aber ist der Leib des Auferstandenen nicht mehr den Grenzen von Raum und Zeit unterworfen; auf diese Weise entzieht sich der Herr auch immer wieder der Wahrnehmung der Sinne.

Auferstehung bedeutet also zuerst neues Leben in Gott, Verwandelt-Werden des Leibes in eine neue Seinsweise, in eine neue Wirklichkeit hinein. Der Leib Jesu ist nicht mehr im Grab, er wurde verherrlicht und ist so wahrhaft vollendet.

Gott zeigt uns aber, dass diese Vollendung, an der auch wir einst teilhaben sollen, den ganzen Menschen betrifft. Es geht nicht nur um ein geistiges Auferstehen; der Mensch soll mit Leib und Seele der Herrlichkeit Gottes teilhaftig werden. So ist die Auferstehung Christi ein großes Ja Gottes zum menschlichen Leib. In diesem Leib leben wir hier auf Erden, drücken wir uns aus und teilen wir uns mit. Genau dieser Leib, der zuerst der Vergänglichkeit unterworfen ist und nach unserem Tod ins Grab gelegt wird, erfährt am Jüngsten Tag eine Verwandlung. Wenn Jesus Christus sichtbar wiederkommt in Herrlichkeit, dann wird er die Toten aus den Gräbern rufen, sodass alle, die Gutes getan haben und an ihn glauben, auferstehen zum ewigen Leben. Wer Böses getan hat und bis zuletzt nicht bereit war umzukehren, wird hingegen auferstehen zum Gericht, wie es in der Heiligen Schrift heißt. Denn selbst das einzigartige Geschenk der Vollendung des menschlichen Lebens in Gottes Herrlichkeit wird uns als freien Menschen angeboten; Gott zwingt uns nicht zum ewigen Glück in seiner Liebe, aber er lädt uns dazu ein.

Freude erfüllt heute unser Herz; diese Freude dauert an in der Osteroktav und in der ganzen Osterzeit. Sie möge unser Leben erfüllen, sodass wir in der Kraft Christi des Auferstandenen als neue Menschen leben und so einst zu seligen Vollendung gelangen!

Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at