Josef Spindelböck

Eine Zeit des Übergangs

Predigt am Fest
der Taufe des Herrn
8. Januar 2012, Lesejahr B

L1: Jes 42,5a.1-4.6-7 (oder Jes 55,1-11);
L2: Apg 10,34-38 (oder 1 Joh 5,1-9); Ev: Mk 1,7-11

Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch online

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Das Fest der Taufe des Herrn markiert einen wichtigen Übergang: Mit diesem Tag endet (in der ordentlichen Form des römischen Ritus) die liturgische Weihnachtszeit; die Zeit im Jahreskreis beginnt. Dies hat seine tiefere Begründung im Leben des Herrn selbst: Während wir zu Weihnachten das Kind Jesus anbeten und verehren, tritt jetzt der erwachsene Jesus hervor: Er ist ungefähr 30 Jahre alt und beginnt nach seiner Taufe durch Johannes mit seiner öffentlichen Lehrtätigkeit.

Drei Jahre hat Jesus öffentlich gewirkt: er hat die Botschaft vom Himmelreich verkündet, zu dem sich die Menschen bekehren sollen; er hat Kranke geheilt, Trauernde getröstet, Sünder wieder aufgerichtet, ihnen die Umkehr ermöglicht und so Versöhnung mit Gott geschenkt; er hat machtvolle Wunder gewirkt, die ein Zeichen sind für seine wahre Gottessohnschaft und ein Beweis seiner göttlichen Sendung.

Damit aber Jesus überhaupt mit seiner öffentlichen Tätigkeit beginnen konnte, brauchte er sozusagen jemanden, der ihn hier einführte und den Menschen vorstellte. Dieser ist Johannes der Täufer. Er sagt von sich selber, das er geringer ist als der, der nach ihm kommt, und dass er nicht wert ist, die Riemen von seinen Sandalen zu lösen.

Und doch war das Volk zuerst der Meinung, Johannes könnte vielleicht selbst der lange erwartete Prophet oder gar der Messias sein! In Scharen zog das Volk zu ihm hinaus an den Jordan; die Menschen bekannten ihre Sünden und ließen sich taufen, um dem kommenden Gericht Gottes zu entgehen, vor dem Johannes die Menschen warnte. Er war eben ein richtiger Bußprediger.

Was aber hat Jesus hier verloren, als er sich einreiht unter die Schar der Menschen, die von Johannes getauft werden wollen? Die wenigsten kennen ihn, und doch ist er der eingeborene Sohn Gottes, der eins ist mit seinem Vater im Himmel und der ihm gleich ist im göttlichen Wesen. Als Johannes Jesus tauft, da öffnet sich der Himmel, und Gott selbst bezeugt es: Dieser ist sein geliebter Sohn; auf ihn sollen die Menschen hören.

Damit ist für Johannes die Zeit seines eigenen Zurücktretens gekommen; er weiß, dass der Messias gekommen ist, dem er den Weg bereitet hat. Seine Ehre und seine Freude bestehen gerade darin, ihm Platz zu machen und die Menschen zu ihm hinzuführen. Bald werden die ersten Jünger des Johannes Jesus nachfolgen, weil sie erkannt haben: dieser ist der Messias, und er wird als das Lamm Gottes die Sünde der Welt hinweg nehmen. Jesus wird die Menschen mit Heiligem Geist taufen; in ihm erfüllt sich, was die Propheten verkündet haben.

Wir selber sind durch den Glauben und die christliche Taufe mit unserem Erlöser verbunden. Der dreieinige Gott wohnt in unserem Herzen, da er uns mit seiner Liebe erfüllt. Wir haben schon Anteil an der Freude des Himmelreiches. Gott ist bei uns, er stärkt und tröstet uns. Er möge einst für immer vollenden, was er in seiner Gnade an uns begonnen hat!

Amen.

 

 

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


Beschreibung: Sankt Josef