Josef Spindelböck
Ganz schön bist Du, Maria!
Predigt am
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
8. Dezember 2011, Lesejahr
B
L 1: Gen 3,9-15.20; L
2: Eph 1,3-6.11-12; Ev: Lk 1,26-38
Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch
online
Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Das heutige
Hochfest lässt uns, wenige Wochen vor Weihnachten, die gnadenvolle, allzeit von Sünden reine Jungfrau und Gottesmutter Maria
feiern.
Dabei ist es
nicht so, als ob wir heute das Empfangenwerden Jesu im jungfräulichen
Schoß Marias im Fest begehen würden: Denn dies wird ja am Hochfest der Verkündigung des Herrn an Maria
gefeiert. Vom 25. März sind es
bekanntlich genau neun Monate bis zum
25. Dezember, dem Hochfest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus.
Beim
heutigen Fest geht es vielmehr darum, dass Maria
selber als kleines, noch ungeborenes Kind im Schoß ihrer Mutter ins Leben
getreten ist. Wir feiern ihre Empfängnis, also jenen Augenblick, als sie
von ihren Eltern Joachim und Anna auf natürliche Weise gezeugt wurde. Gott aber
hat schon diesen Moment auf einzigartige Weise geheiligt, indem Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins
an frei war von jeder Sünde: von
der Erbsünde und auch von jeder persönlichen Sünde. Sie wird mit Recht
als die Jungfrau „voll der Gnade“ bezeichnet, weil sie die Liebe Gottes in
ihrer Fülle empfangen hat, um später dem Sohne Gottes eine würdige Mutter zu
werden.
Wir preisen
heute also die Makellosigkeit der
Jungfrau Maria, ihre Sündenlosigkeit, ihre Gnadenfülle. Genau das ist
gemeint, wenn wir den Begriff der Unbefleckten
Empfängnis verwenden. Das ganze Wesen Marias ist Empfänglichkeit für Gott: Sie setzte dem göttlichen Gnadenwirken
nie ein Hindernis entgegen, sondern wirkte – sobald sie dazu fähig war – in voller Freiheit mit am Heilsplan
Gottes.
Die Lehre
von der Erbsünde und ihren Folgen besagt, dass normalerweise jeder Mensch in einem
unheiligen Zustand ins Dasein tritt. Das erste Menschenpaar – Adam und Eva – verloren durch ihre Sünde, nämlich die Auflehnung gegen Gott, die heiligmachende Gnade. Der
Unheilszustand, in dem sie sich danach befanden, wurde zum Erbe all jener, die
von ihnen abstammen. Nur der neue Adam –
Jesus Christus – konnte uns „Adamskinder“ befreien aus der Verstrickung in die Unheilsmacht der Sünde. Mit
Jesus Christus ist auf untrennbare Weise verbunden die neue Eva: Maria! Sie wurde von
Jesus gleichsam im Voraus erlöst
und war nie der Macht der Sünde und des
Todes unterworfen. In ihr hat die Gnade und das Leben triumphiert. So hat
Gott ein weithin leuchtendes Zeichen der Hoffnung aufgerichtet. In Maria ist
uns der Anfang des Heils geschenkt.
Sie ist die Ersterlöste und die vollkommen Erlöste.
Ihre
Gnadenfülle hat sie von Gott empfangen, um auch uns in mütterlicher Vermittlung
daran Anteil zu geben. Wir sind erlöst
durch Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes. Maria ist die ihm von Gott zugedachte mütterlich-bräutliche Gefährtin. Ihrem unbefleckten Herzen wollen wir uns aufs
Neue anvertrauen! Sie zeigt uns den Weg
zum Herzen ihres Sohnes Jesus Christus. In ihm finden wir das Heil und das
Leben.
Amen.
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