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Predigt:

Fest der Verklärung des Herrn B (06.08.2000)

L1: Dan 7,9-10.13-14 oder: 2 Petr 1,16-19; Ev: Mk 9,2-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Auf diesen 18. Sonntag im Jahreskreis fällt heuer das Fest der Verklärung des Herrn. Wie wir es eben im Evangelium gehört haben, wurde hier vor den Augen von drei auserwählten Jüngern – Petrus, Jakobus und Johannes – Christus der Herr auf wunderbare Weise verwandelt. Er wurde „verklärt“, gleichsam im voraus verherrlicht, um so noch vor seinem Leiden und Sterben am Kreuz anzukündigen, in welcher Herrlichkeit er von den Toten auferstehen werde.

Wenn wir mit offenen Augen durch das Leben gehen, dann bemerken wir, liebe Gläubige, daß sich vieles verändert, gleichsam verwandelt. Es gibt Wandlungen hin zum Guten, aber auch zum Schlechten. In der Natur verändert sich im Laufe der Jahrtausende und Jahrmillionen das Antlitz der Erde: wo vorher Eis und Kälte war, dort ist nachher blühendes Leben möglich und umgekehrt. Wo es vorher flach und eben war, entstanden durch das Wirken gewaltiger Vulkane und Eruptionen die Gebirgsmassen. Und in der belebten Natur finden wir ein ähnliches Bild: ein Kommen und Gehen verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die nicht einfach durch „blinden Zufall“ in diese Welt treten, sondern der weisen Ordnung des Schöpfers folgen. Ein besonderes Beispiel für Verwandlung ist wohl der Schmetterling: Aus der unansehnlichen Raupe wird nach den Gesetzen des Lebens plötzlich ein wunderschöner Schmetterling!

Und wie ist es im Menschenleben? Gibt es da nur Stillstand oder nicht doch auch Veränderung in vielerlei Hinsicht, gibt es auch hier Verwandlung? Schon bevor der Mensch geboren wird, hat er neun Monate im Mutterleib gelebt und sich entwickelt. Nach der Geburt wächst das kleine Kind heran, es wird größer, der Mensche erlebt seine Jugend, das Erwachsenwerden, das Älterwerden. Dies alles soll auch mit einem seelischen und charakterlichen Reifen verbunden sein. Im Tod sehen wir Christen nicht das Ende, sondern den Eingang in die ewige Vollendung des Menschseins in der Gemeinschaft mit Gott.

Als die Apostel und Jünger mit Christus durch die Lande gezogen sind, da haben sie wohl gehofft, das würde immer so bleiben. Jesus selber wollte aber einen anderen Auftrag zu erfüllen. Nur durch Kreuz, Leiden und Tod sollte er in die Herrlichkeit des himmlischen Vaters eingehen und so auch uns den Weg zum Himmel bereiten. Das einzusehen war für die Menschen praktisch unmöglich. So wählte Jesus ein besonderes Ereignis, um den Aposteln seine göttliche Größe kundzutun: Er wurde auf dem heiligen Berg vor ihren Augen verklärt und verherrlicht. Dies sollte gleichsam im voraus geschehen, damit sie das Nachfolgende leichter verkraften und besser verstehen konnten. Er wollte sie mit wahrhaft göttlicher Pädagogik auf das Unzumutbare seines Leidens und Sterbens vorbereiten.

Warum, liebe Brüder und Schwestern, tun wir uns oft so schwer mit dem Leben? Wir jammern und klagen, wenn uns irgend etwas Unangenehmes oder ein Unglück trifft, so als ob das letzte Wort schon gesprochen wäre. Doch der Glaube lehrt uns: Die Vollendung, die uns Gott verheißen hat, steht noch aus. Er kann alles zum Guten hin wenden, was immer es auch sei. Selbst wenn wir uns in Schuld und Sünde verstrickt haben, wird uns Gottes Gnade einen Weg eröffnen, wieder in die Gemeinschaft der Liebe und des Lebens mit Gott zu gelangen. Geben wir also nie auf! Denn unser Leben wandelt sich ständig, und auch wir sind berufen teilzunehmen an Christi Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung.

Wie der Herr selbst wahrer Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria und alles Menschliche auf sich genommen hat, um uns von der Sünde zu erlösen, so sollen auch wir in der Gemeinschaft mit ihm vom Tod zum Leben gelangen. Sein Plan der Liebe und des Heiles ist es, alle Menschen zur Vollendung in der seligen Anschauung Gottes im Himmel zu führen. Lassen wir dies doch zu! Schenken wir Gott unser ganzes Vertrauen.

Wem könnten wir uns da besser anvertrauen als der Fürsprache und liebenden Nähe der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria? Sie hat daran geglaubt und vertraut, daß Kreuz, Leiden und Tod im Leben ihres Sohnes Jesus Christus nicht das Letzte sein würden, und sie ist nicht enttäuscht worden, denn er ist auferstanden!

Großes ist auch uns verheißen, wenn wir den Glauben und die Liebe bewahren bis ans Ende. „Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet!“ (Mk 13,13) Durch Gottes Macht ist auch unser Leben ein Geheimnis der Verwandlung. Ja, wir glauben an die Auferstehung des Leibes und das ewige Leben! Amen