Predigt:
Erweckt zu neuem Leben mit Gott
10. Sonntag im Jahreskreis C (10.06.2007)
L1: 1 Kön 17,17-24; L2: Gal 1,11-19; Ev: Lk 7,11-19
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In den Evangelien werden verschiedene Totenerweckungen durch Jesus überliefert: Menschen, bei denen jedes Lebenszeichen erloschen war, die man bereits für tot erklärt hatte und durch ein würdiges Begräbnis verabschieden wollte, wurden durch Jesus Christus von den Toten erweckt. So denken wir an die Tochter des Synagogenvorstehers Jaïrus (Mt 9,18–26; Mk 5,21–43; Lk 8,40–56) oder auch an Lazarus (Joh 11,1–44), mit dem Jesus sogar befreundet war. Das heutige Evangelium berichtet von einem bereits verstorbenen jungen Mann aus der Stadt Naïn, der seiner Mutter, einer Witwe, durch Jesus auf wunderbare Weise zurückgegeben wurde.
Wenn damals offensichtlich so viele Menschen Zeugen des für unmöglich Gehaltenen wurden, dann konnten sie darin die Macht Gottes erkennen. Jesus Christus bewies damit, dass er wie ein großer Prophet von Gott gesandt war, ja noch mehr: Weil er die Wunder in eigenem Namen wirkte, waren diese ein klarer Beweis seiner Gottheit. Erinnern wir uns an das eben gehörte Evangelium. Jesus sprach zum toten Jüngling, der bereits auf der Bahre lag und zum Begräbnis geleitet werden sollte: „Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!“ Nicht im Namen eines anderen wirkt Jesus Christus dieses Wunder, sondern in eigenem Namen, weil er als der wesenhafte Sohn Gottes dem himmlischen Vater gleich ist, der ihn gesandt hat.
Wir würden meinen, dass derart offensichtliche Erweise der Macht Gottes die Menschen von selber zum Glauben geführt hätten. Doch dem war nicht so: Zwar glaubten viele an Jesus und sie bekehrten sich; andere aber nahmen an den Wundern Anstoß und erregten sich. Sie schrieben die Zeichen, die doch Gott allein wirken konnte, dem Teufel zu und lehnten es auf diese Weise ab, das Zeugnis Jesu anzunehmen. Gott zwingt eben niemanden zum Glauben, sondern lässt jedem die Freiheit!
Für Jesus geht es in seinen Wundern aber nicht nur um den unmittelbaren Erweis der Machttaten Gottes: Wunder sind auch Zeichen, die hinausweisen über den Augenblick. Die Totenerweckungen Jesu enthalten eine mehrfache Bedeutung als „Zeichen“: Sie sind einerseits ein Vorausbild der Auferstehung Jesu und der verheißenen Auferweckung aller Menschen durch Gott am Ende der Zeiten. Die leibliche Auferweckung ist aber auch ein Bild der geistigen Auferstehung jener, die zuerst durch die Sünde tot waren, nun aber durch die Gnade Gottes in Reue und Umkehr wieder zum Leben erweckt worden sind.
Gott hat jedenfalls Großes vor mit uns allen: In seinem himmlischen Reich will er uns das ewige Leben schenken. Nicht der „zweite Tod“ (Offb 2,11) soll uns widerfahren, sondern die Auferstehung zum Leben. Wenn Christus wiederkommt in Herrlichkeit, wird er die Leiber aller Heiligen auferwecken zum ewigen Leben. Die aber Böses getan haben, werden auferstehen zum Gericht und zur ewigen Verdammnis. Der Leib jener Menschen, die in Liebe und Freundschaft mit Gott verbunden sind, wird verherrlicht werden. Wir können uns dies gar nicht vorstellen, da uns die unendlichen Möglichkeiten Gottes nicht bekannt sind. Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was Gott jenen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9)!
Damit wir dieser Auferstehung zum ewigen Leben teilhaft werden, sind wir eingeladen, uns zu Gott zu bekehren. Immer dann, wenn der alte Mensch der Sünde stirbt (vgl. Kol 3,1–17) und der neue Mensch in der Gemeinschaft mit Christus zum Leben erweckt wird (vgl. Eph 4,17–24), geschieht eine „geistliche Auferstehung“. Das war der Fall bei unserer Taufe; dies ist immer dann der Fall, wenn ein Sünder umkehrt, alles Böse von Herzen bereut und sich von Gott im Sakrament der Buße die Versöhnung neu schenken lässt. Dann jubelt der ganze Himmel, und auch die Kirche auf Erden soll sich freuen. Wo ein Mensch, der gleichsam verloren war, zurückfindet zu Gott, da ist Großes und Unerhörtes geschehen. Er, der geistlich tot war, lebt wieder (vgl. Lk 15,24) und hat zum Frieden mit Gott und den Menschen zurückgefunden.
Darum geht es Jesus Christus in seinem Heilswerk letztlich: Dass wir alle mit Gott versöhnt werden durch seinen Tod und seine Auferstehung und dass wir dann einst das ewige Leben in der Herrlichkeit Gottes empfangen!
Die Totenerweckungen sind also ein Hinweis auf die Gnade der Neuschöpfung, welche uns zuteil wird auf die Fürbitte der Gottesmutter Maria in der Kirche Gottes und die uns befähigt zu einem neuen und seligen, vom Heiligen Geist erfüllten Leben, das sich vollenden soll in der himmlischen Herrlichkeit. Amen
