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Predigt:

11. Sonntag im Jahreskreis C (13.06.2004)

L1: 2 Sam 12,7-10.13; L2: Gal 2,16.19-21; Ev: Lk 7,36-8,3


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn wir die Evangelien vom Leben unseres Herrn Jesus Christus auf Erden hören, lesen und betrachten, dann gewinnen wir einen Eindruck von dem, was der Erlöser für uns getan hat. Er wandte sich den Menschen zu in der Liebe des himmlischen Vaters, der ihn gesandt hatte. Er kam zu suchen und zu retten, was verloren war. Denn nicht die Gerechten bedürfen des Arztes, sondern die Sünder.

Die barmherzige Erlöserliebe unseres Herrn wird deutlich im heutigen Evangelium von der Sünderin, die die Füße des Herrn mit kostbarem und wohlriechendem Öl salbte, nachdem sie diese mit Tränen der Reue und des Schmerzes benetzt hatte und ihm diese Füße aus Liebe geküsst hatte. Sie scheute nicht das Gerede der „Anständigen“ und „Frommen“, die um Jesus herumstanden. Obwohl sie eine stadtbekannte Sünderin war – also wohl eine Prostituierte –, wagte sie sich in die Nähe Jesu. Sie wusste und vertraute darauf, dass ER, der Heilige und wirklich Gerechte, sie nicht fortschicken würde. Er würde ihre Liebe sehen und ihren guten Willen und ihr bestimmt verzeihen. Dort würde sie die Kraft für einen neuen Anfang bekommen. So lautete die unausgesprochene Hoffnung ihres Herzens, das von der Sünde verwundet war, aber jetzt vom Geist der Liebe entflammt wurde.

Im Herzen dieser so weit abgeirrten Frau, die sich aus Mangel an echtem Lebenssinn der Sünde hingegeben hatte und gerade dadurch noch mehr in innere Not und Verzweiflung geriet, ereignete sich nun ein Wunder der Gnade: Ihre Hoffnung, die bereits erstorben war, erwachte wieder zum Leben. Sie vertraute darauf, dass Gott ihr ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen konnte. Er würde sie wieder annehmen und ihr die ganze frauliche Würde zurückschenken, die sie verloren hatte. Von neuem wollte sie wieder eine Tochter Gottes sein.

Als nun die Umgebung Anstoß nahm am seltsamen Tun dieser Frau und auch an der Reaktion Jesu, der dies geschehen ließ, da stellte Jesus den Gastgeber mit Namen Simon, einen Pharisäer, mit einem Gleichnis zur Rede. Wenn zwei Schuldnern ihre ganze Schuld erlassen wurde, welcher von beiden würde den Geldverleiher mehr lieben? Wie der Pharisäer richtig bemerkte, derjenige, dem mehr erlassen wurde. So sei es auch bei dieser Frau: Sie zeige viel Liebe, weil ihr viel vergeben worden sei. Und zur feierlichen Bestätigung der bereits erfolgten göttlichen Vergebung spricht Jesus die Worte: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Damit zeigt Jesus, dass er in der Vollmacht des himmlischen Vaters gesandt ist, die Sünde der Welt hinweg zu nehmen. Er ist der Befreier und Erlöser, der Heiland.

Seine Worte der Vergebung zur Sünderin sind eine Einladung an alle Umstehenden und auch an uns, die wir im Evangelium davon hören, dass wir das Angebot der rettenden Liebe Gottes annehmen. Bleiben wir nicht abseits, sondern lassen wir uns treffen von der Liebe Gottes! Viel Verborgenes an Bösem findet sich leider auch in unserem Herz. Da gibt es Streitsucht, Neid und Missgunst, eitle Ehr- und Gefallsucht, Macht- und Genusstreben, Unwahrhaftigkeit und Verlogenheit, Gier und Raffsucht und noch so manches mehr. All das sind Dinge, die wir selber gar nicht gerne zugeben und auch nicht aufdecken wollen, weil damit Verwundungen verbunden sind. Einem jedoch sollen wir sie aufdecken und offenbaren: Christus, dem Herrn. Er ist der Erlöser und Retter. Er vergibt und heilt die Schuld.

Haben wir den Mut, den Weg der Umkehr stets neu zu gehen und nehmen wir auch das Gnadenangebot einer guten Beichte an! Möge uns die heilige Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, mit unerschütterlichem Vertrauen in das nie versiegende Erbarmen des Herrn erfüllen und uns die Freude über das Geschenk der Erlösung erbitten! Amen