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Predigt:

13. Sonntag im Jahreskreis C (01.07.2007)

L1: 1 Kön 19,16b.19-21; L2: Gal 5,1.13-18; Ev: Lk 9,51-62


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am 29. Juni 2007, dem Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, wurden in vielen Diözesen wieder Priester geweiht. Auch im Dom von St. Pölten gab es zwei Priesterweihen: Diözesanbischof DDr. Klaus Küng weihte Mag. Daniel Kostrzycki und P. MMag. Justin Minkowitsch aus dem Stift Lilienfeld zu Priestern. Der Bischof rief dazu auf, für die Neugeweihten zu beten. Unter anderem sagte er in seiner Predigt: „Jeder Priester erfüllt uns mit Hoffnung. Es ist die Hoffnung, dass sein Licht, das Licht Christi angezündet wird, dass Erlösung geschenkt wird und den Wunden der Gläubigen Heilung zuteil wird; dass apostolischer Eifer in den Herzen jener, die glauben, geweckt wird.“

Die Berufung zum Priester- und Ordensstand ist gewiss eine besondere Art der Nachfolge Christi. Der Priester soll sich von Christus durch die Kirche senden lassen zu den Menschen, um ihnen das Wort Gottes zu verkünden und für sie und mit ihnen das Opfer Christi in der heiligen Eucharistie zu feiern. Die Gläubigen wiederum sind in die Pflicht genommen, gemeinsam mit dem Priester Christus dem Herrn entgegenzugehen, bis er kommt in seiner Herrlichkeit.

Das heutige Evangelium weist uns hin auf die Nachfolge Christi. Jesus Christus nachfolgen heißt mit ihm verbunden sein in Glaube und Liebe und sich mit ihm auf den Weg machen. Der Lebensweg als solcher kann unterschiedlich verlaufen, da es unterschiedliche Aufgaben und Talente, ja unterschiedliche Berufungen gibt.

Nicht alle können Gott so radikal dienen wie der heilige Franziskus, der auf all seinen Besitz verzichtet hat und in radikaler Armut Christus nachfolgen wollte. Wer eine Familie hat und für sie verantwortlich ist, muss für sie sorgen und kann sich nicht einfach in die Einsamkeit zurückziehen. Es gibt auch wichtige öffentliche Aufgaben in der Gesellschaft, die von Christen wahrgenommen werden sollen. In diesem Sinn kann es auch eine Berufung geben, sich als Christ politisch zu betätigen und auf diese Weise beizutragen zum Wohl und Heil der Menschen.

Wesentlich ist die rechte Gesinnung des Herzens, d.h. die innere Einstellung muss stimmen. Innerlich muss der Christ ganz frei sein für Gott, wo immer er lebt und was immer er tut. Es geht darum, Gott über alles zu lieben, d.h. aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele. Diese an erster Stelle stehende Gottesliebe schließt die Nächstenliebe nicht aus, sondern ein. Gerade darum weil Gott so gut ist und uns alle liebt und zum ewigen Leben beruft, sollen wir auch einander in Liebe dienen. Niemand kommt persönlich zu kurz, wenn er zuerst das Reich Gottes sucht und Christus nachfolgt. Alles Übrige, was er oder sie im Leben braucht, wird dann gleichsam dazugegeben (vgl. Mt 6,33).

So ruft uns das heutige Evangelium eben dazu auf, nicht kleinlich zu sein und buchhalterisch zu rechnen, ob und wie sich alles ausgeht im Hinblick auf den größten persönlichen Vorteil. Nein! Wer Jesus nachfolgen will – ob als Priester oder im Ordensberuf, ob in der Ehe oder als Alleinstehender –, der soll wirklich gleichsam die Hand an den Pflug legen und nicht mehr zurückblicken.

Der Apostel Paulus schreibt im Philipperbrief: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.“ Und dann beschreibt er die uns verheißene Wunderbare Zukunft. Er sagt: „Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil 3,13–14) Wir Christen sollen also keine Menschen sein, die zurück blicken und dem Vergangenen oder unwiederbringlich Verlorenen nachtrauern. Wir schauen auf zum Herrn, der mit uns auf dem Weg ist. Es ist ein guter Weg – ein Weg des Heils. Wenn wir auf Christus blicken, dann geht im Übrigen nichts von dem verloren, was wirklich wertvoll ist. In Gottes Ewigkeit ist alles geborgen!

Wer sich Gott ganz schenkt und anvertraut, erfährt eine neue innere Freiheit und Gelassenheit. Inmitten aller Bedrängnisse und Prüfungen des Lebens wird er mit Hoffnung und Zuversicht erfüllt. Wer könnte uns auf dem Pilgerweg unseres Lebens besser begleiten und näherer zu Jesus Christus hinführen als Maria, seine Mutter? Vom Himmel aus blickt sie auf uns und ist uns nahe. Ihrem liebenden Herzen, das stets in allem ganz für Gott bereit war, wollen wir uns aufs Neue anvertrauen. Dies ist mit der „Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens“ gemeint. Niemals wird sie jemanden verlassen, der sich ihr schenkt und anvertraut. Sie wird uns den Weg der Nachfolge Christi zeigen und uns auf diesem Weg begleiten, bis wir einst eintreten dürfen ins himmlische Vaterhaus! Amen