Predigt:
14. Sonntag im Jahreskreis C (04.07.2004)
L1: Jes 66,10-14c; L2: Gal 6,14-18; Ev: Lk 10,1-12.17-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus Christus ist vom Vater im Himmel ausgegangen und in die Welt gekommen. Er ist der menschgewordene Sohn Gottes, der uns die rettende Botschaft des Heiles und der Erlösung bringt. Damit sich das Wort Gottes ausbreiten kann, beruft der Herr seine 72 Jünger. Diese ziehen in seinem Namen aus und gehen zu den Menschen.
Sie sollen Frieden für jene verkünden, die sie aufnehmen. „Friede“ ist hier mehr als die Abwesenheit von Krieg oder Streit. Es geht nicht nur um das gute Auskommen miteinander und um Harmonie im irdischen Zusammenleben, sondern um den Frieden, der von Gott kommt. Mit diesem Frieden, den die Jünger den Menschen im Namen Christi zusprechen, ist die Fülle der göttlichen Heilsgüter gemeint. Es geht um die konkret erfahrbare Auswirkung der liebenden Zuwendung Gottes zum Menschen.
Wenn auf diese Weise jemandem „Friede“ (schalom) gewünscht wird, so drückt dieser Wunsch das Höchste aus, was jemand dem anderen an Guten zukommen lassen will. Nur Gott kann es schenken.
Ähnlich ist auch der zweite Kernsatz der Verkündigung der Jünger zu verstehen: „Das Reich Gottes ist nahe.“ Es geht um das Himmelreich, das bereits angebrochen ist. Seine Vollendung steht noch aus, doch mit dem Kommen Jesu Christi ist die Zeit in die entscheidende Wende getreten. Das Heil Gottes ist sichtbar erschienen. Keine Macht der Welt kann das mehr ungeschehen machen, was Gottes Liebe für uns getan hat. Nichts mehr kann uns scheiden von der Liebe Christi. Ist das nicht eine frohe Botschaft?
Doch es sind nicht nur Worte, die hier ausgesprochen werden. Ihnen folgen Taten der Liebe, welche die Größe und Macht Gottes bezeugen. Die Jünger Jesu sollen die Kranken heilen. Gott ist ja der Freund des Lebens. In besonderer Weise möchte er die Menschen heil machen an Leib und Seele. Wenn nun Menschen von ihren körperlichen Gebrechen geheilt werden, so ist dies ein Zeichen dafür, dass Gott selber den ganzen Menschen neu schafft in seiner Liebe und Gnade. Die göttliche Vergebung ermöglicht einen neuen Anfang. Wir sind befreit zu einem neuen Miteinander in Liebe und Vertrauen. Gottes Heiliger Geist hat uns das ermöglicht.
Seit damals sind fast 2000 Jahre vergangen. Die Kirche Christi setzt das Werk seiner Apostel und Jünger fort. Auch heute ruft die Kirche aus: „ Das Reich Gottes ist nahe.“ Die Menschen sollen umkehren zu Gott und ihn im Glauben annehmen. Dieses erneuerte Gottesverhältnis soll sich auswirken im zwischenmenschlichen Umgang. Es geht um die Ehrfurcht und Liebe zu den Menschen, weil diese das Abbild Gottes sind. Als Brüder und Schwestern Christi sind sie berufen zum ewigen Heil. Diese respektvolle Zuwendung gilt allen Menschen, den Geborenen und den Ungeborenen.
Die Nähe des Reiches Gottes ist uns vermittelt durch das Kreuzesopfer Christi. In der liebenden Hingabe für uns Menschen bis zum Tod hat Jesus Christus alles Böse besiegt. In jeder heiligen Messe wird dieses Opfer des Herrn für uns gegenwärtig. Wir dürfen verbunden sein mit dem Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu.
Setzen wir uns aus ganzem Herzen ein für das Gute! Vor allem aber: Leben und handeln wir aus der Überzeugung des Glaubens an die frohe Botschaft Christi. Dann wird es licht werden in unseren Herzen, und wir werden dieses Licht der Liebe Gottes weitergeben an viele Menschen. Amen
