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Predigt:

16. Sonntag im Jahreskreis C (18.07.2004)

L1: Gen 18,1-10a; L2: Kol 1,24-28; Ev: Lk 10,38-42


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In den vergangenen Tagen und Wochen haben uns in der Diözese St. Pölten traurige Vorgänge erschüttert. Vieles bereitet uns Sorge, da es in Zusammenhang mit dem Priesterseminar vermutlich zu gravierendem Fehlverhalten einzelner gekommen ist. Klarerweise darf die Kirche nichts von all dem tolerieren oder gar gutheißen, was gegen die christliche Morallehre ist, wie Pornographie oder praktizierte Homosexualität. Am schlimmsten freilich sind die strafrechtlich relevanten Vorwürfe im Hinblick auf Kinderpornographie, die aufgrund der durchgeführten polizeilichen Ermittlungen demnächst die Gerichte beschäftigen werden und so hoffentlich zur Aufklärung gelangen.

Wir haben hier nichts zu beschönigen und zu relativieren. Es steht uns allen gut an, uns für die Sünden, ja womöglich sogar Verbrechen einzelner zu entschuldigen, wie auch Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn betont hat. Dies darf jedoch nicht dazu führen, das Priesterseminar der Diözese insgesamt in Misskredit zu bringen, wie es durch viele Medien leider geschehen ist. Dort, wo es nötig ist, werden die Dinge sicher bereinigt werden müssen, damit ein Neuanfang möglich ist und das Seminar wiederum zum „Herz der Diözese“ werden kann.

Wie aber können wir als gläubige katholische Christen überhaupt mit solchen leidvollen Ärgernissen umgehen? Es mag ein Gefühl der Ohnmacht aufkommen, der Frustration und der Resignation. All das ist sehr verständlich. Soll es aber auch in Zukunft in unserem Leben weitergehen mit dem Glauben an Jesus Christus und seiner Kirche, dann werden wir uns den eigentlichen Kraftquellen zuzuwenden haben, die uns Gottes Liebe eröffnet: dem Gebet, dem Worte Gottes und den Sakramenten. Auf diese Weise kann dann auch die Botschaft Christi wieder im Leben der einzelnen und der kirchlichen Gemeinschaft wirksam werden und gute Früchte bringen.

Der Apostel Paulus hatte es oft nicht leicht in seinem Leben. Um der Verkündigung des Evangeliums willen musste er so manche Not und Verfolgung auf sich nehmen. In einer solchen Prüfungssituation mag er sich wohl auch so manches Mal gefragt haben, welchen Sinn denn seine Leiden hätte. Er hat eine Antwort aus dem Glauben gefunden, die auch uns zu stärken vermag. Im Brief an die Kolosser, aus dem wir die Lesung gehört haben, schreibt er unter anderem: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für euch ertrage.“ Und dann setzt er fort: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben, was an den Leiden Christi noch fehlt.“

Liebe Brüder und Schwestern, ist das nicht ein Programm auch für uns? Das Leiden, das der Apostel tragen muss, wird – weil er es in Liebe und Geduld annimmt – fruchtbar für die ganze Kirche. Nichts ist umsonst, alles wird zum Segen. Das Schwere und Leidvolle, das Bedrängende und Widrige kann uns nicht trennen von der Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus erschienen ist. Auf diese Weise darf der Mensch alles vor Gott hinlegen: seine Erfolge und Stärken, aber auch seine Schwächen und Leiden.

Es geht nicht darum, hier eine Art von „Leidensmystik“ aufzubauen. Wir alle wünschen uns, dass es uns einigermaßen gut geht, bedrückende Sorgen verschwinden und Probleme gelöst werden. Das Leiden dürfen wir nicht um seiner selbst willen suchen. Doch dort, wo es uns trifft, sei es als körperliches Leiden, sei es als seelisches Leiden, als Kummer oder Sorge, dort kann und soll es angenommen werden und mit dem Leiden Christi vereint werden.

Gottes Kraft ist es, die uns stärkt und beisteht – auch in schwierigen Zeiten. Wenn wir die Kirche insgesamt betrachten, dann werden wir sagen dürfen: Die Kirche Gottes in ihrer Not braucht unser Gebet und auch unser Leiden! Wie viele stille Beter werden es gerade in diesen Tagen sein, die alles vor Gott hintragen und seine Gnade und sein Erbarmen erbitten! Wie viel vermag das Gebet gläubiger Eltern, wenn vielleicht die Kinder sich in Gefahr für Leib und Leben befinden oder gar für ihre Seele! Wie viel vermag das stellvertretende Gebet für die Sünder, wie es uns die Heiligen vorgelebt haben! Eine heilige Katharina von Siena hat die Kirche zuinnerst geliebt und eben deshalb auch an bestimmten Personen und Vorgängen gelitten. Sie konnte dieses Leid annehmen und fruchtbar machen. Auf diese Weise wurde eine schwere Krise überwunden, und neues geistliches Leben breitete sich aus.

Empfehlen wir uns alle gemeinsam besonders der Fürbitte der Gottesmutter Maria! Sie vermag ihre Kinder zu trösten und auf den rechten Weg zu geleiten, der ewigen Heimat in Gottes Reich entgegen. Amen