Predigt:
In Liebe ganz Gott hingegeben
16. Sonntag im Jahreskreis C (22.07.2007)
L1: Gen 18,1-10a; L2: Kol 1,24-28; Ev: Lk 10,38-42
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vor einigen Tagen, am 20. Juli, war der Gedenktag der heiligen Märtyrin und Jungfrau Margareta. In der Pfarrkirche von Mühldorf, die der heiligen Margareta geweiht ist, dürfen wir heute besonders ihrer gedenken!
Margareta stammte aus Antiochien in Pisidien (oder nach einer anderen Überlieferung aus Alexandrien) und ist um das 305 in der Diokletianischen Verfolgung für den Glauben an Christus als Märtyrin gestorben. Der Legende nach hatte der römische Stadtkommandant Olibrius ein Auge auf das junge Mädchen geworfen und suchte ihren schon erfolgten Übertritt zum christlichen Glauben mit allen Mitteln rückgängig zu machen. Margaretha aber widerstand entschieden, da sie vor allem Gott treu sein wollte. Margaretha wird in Verbindung mit einem Drachen dargestellt, der den Teufel und das Böse insgesamt symbolisiert: In allen äußeren und inneren Kämpfen und Verfolgungen ist Margareta durch ihre jungfräuliche Treue gegenüber Christus siegreich geblieben. Im Zeichen des Kreuzes hat sie ihren Lebenskampf bestanden und ist eingegangen in die himmlische Herrlichkeit.
Die Heiligen insgesamt sind lebendige Zeugen für die Wahrheit des christlichen Glaubens. Sie haben gleichsam alles auf eine Karte gesetzt und eben so das Heil gefunden. Ihr Entschluss war nicht „ein bisschen Ja“ und „ein bisschen Nein“, wie es der moderne Mensch gerne hat, der sich nicht binden und festlegen will. Sie waren überzeugt davon, dass Gott uns Menschen in seine Nähe ruft und zur Ganzhingabe des Herzens in Liebe einlädt. So hat auch Margareta Christus ihr ganzes Leben geschenkt und ihm treu gedient bis in den Tod. Im Konfliktfall war sie eher bereit, ihr irdisches Leben zu verlieren als Christus die Treue aufzukündigen. Sie wollte ganz mit ihrem himmlischen Bräutigam vereint sein und errang auf diese Weise die Krone des Sieges, die Palme des Martyriums.
Auch wenn uns viele Jahrhunderte von der heiligen Margareta trennen, so können wir doch sagen: Der christliche Glaube hat sich nicht geändert. Die Kirche verkündet gestern, heute und morgen den gleichen Christus, denn: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8). Die Heiligen weisen uns hin auf Jesus Christus, den einzigen Erlöser. Sie waren Menschen wie wir: schwach und hinfällig und doch ganz offen und bereit für die göttliche Gnade. „Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst du das Werk deiner Gnade“, heißt es in der Präfation. Das Martyrium ist ein besonderer und letzter Ausdruck der Hingabe an Gottes Willen: Der christliche Märtyrer wendet nicht selber Gewalt an oder tötet gar andere Menschen, wie dies so genannte islamische „Märtyrer“ tun, sondern erleidet lieber Unrecht, als dass er es selber tut. So war auch Margareta einzig und allein auf den Willen Gottes bedacht, und sie wollte lieber sterben als Unrecht tun. Dies wäre dann geschehen, wenn sie den christlichen Glauben verleugnet und stattdessen falsche Götter, sog. Götzen, verehrt hätte. Nur Gott allein gebühren die Ehre und der Lobpreis. Das war ihre Überzeugung, dafür lebte und starb sie.
Ist nicht das Leben und Sterben der heiligen Margareta auch ein lebendiges Beispiel für die Verwirklichung dessen, was im heutigen Evangelium zu Maria von Betanien gesagt wird? Sie hat das erste und wichtigste erwählt: auf das Wort Gottes zu hören, alles Übrige kommt danach. Auch im Leben der heiligen Margareta stand an erster Stelle der Bezug zu Jesus Christus, ihrem himmlischen Bräutigam. Nur von daher kann alles Übrige richtig gesehen und eingeordnet werden.
Auch wenn wir wahrscheinlich nicht zum Martyrium berufen sind (Gott möge uns vor blutiger Verfolgung des Glaubens und der Kirche bewahren!), so ist doch auch in unserer Zeit ein entschiedenes Glaubenszeugnis notwendig. In einer pluralistisch verfassten Gesellschaft werden zwar viele Meinungen zugelassen, doch scheint es oft, dass der christliche Glaube und die Lehre der Kirche einen schlechten Stand haben oder gar bekämpft werden. Und doch gilt auch hier: Das Bekenntnis zu Christus ist so notwendig wie das Salz für eine gute Speise. Als Christen sollten wir mit unserem Glauben nicht hinter dem Berg halten, sondern wir dürfen ein freudiges Zeugnis von unserer Hoffnung ablegen, die der heilige Paulus in der Lesung aus dem Kolosserbrief so beschrieben hat: „Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.“ (Kol 1,27) Amen
